Für Anlagenbetreiber und Investoren bietet dieses Modell gleichzeitig ertragreiches Zusatzpotenzial. Nachdem Lacuna-Vorstand Thomas Hartauer kürzlich bereits die grundlegenden Vorteile der direkten Stromvermarktung erläuterte, informiert er im aktuellen Beitrag über weitere Details und gibt Auskunft darüber, wie Lacuna für ihre aktuellen Windprojekte die Direktvermarktung des erneuerbaren Stroms umsetzt.
Direktvermarktung als wirtschaftlicher Zusatzanreiz
Mit der Novellierung des EEGs traten Anfang dieses Jahres konkrete Direktvermarktungsmodelle von erneuerbarem Strom – d.h. der Verkauf des erzeugten Stroms direkt an Dritte – in Kraft. So kann der EEG-Strom seit dem 01. Januar 2012 sowohl auf Grundlage des sogenannten Grünstromprivilegs als auch auf Basis des Marktprämienmodells veräußert werden. Ersteres betrifft die Elektrizitätsversorgungsunternehmen und meint die gesetzliche Regelung zur – teilweisen oder ganzen – Befreiung von der Zahlung der EEG-Umlage. Dafür müssen die Stromhändler einen festgelegten Anteil ihrer Strommenge regenerativ erzeugen und eben diesen Anteil direkt an Endverbraucher liefern. Die Marktprämie dagegen gilt für die Erzeuger von EEG-Strom. Veräußern Anlagenbetreiber ihren erneuerbaren Strom folglich direkt an Dritte, statt ihn gegen Zahlung der EEG-Vergütung an den Netzbetreiber abzugeben, erhalten sie eine im EEG 2012 festgelegte Geldprämie. „Im Grunde haben beide Direktvermarktungsmodelle das Ziel, die Erzeugung von regenerativem Strom stärker am Markt zu orientieren und so den tatsächlichen Bedarf zu decken“, erläutert Thomas Hartauer die neuen Regelungen. Mit der Inbetriebnahme des Windparks Trogen 1 setzt auch Lacuna seit Februar dieses Jahres auf Direktvermarktung. Als Anlagenbetreiber gilt für die Regensburger das Marktprämienmodell. Damit gehört der Initiator zu einem der wenigen kleineren Investmenthäuser, die die Chancen der Direktvermarktung umsetzen. „Für unsere Anleger konnten wir die Einnahmen auf dieser Basis bereits um rund 5 % steigern“, führt Hartauer aus.
Das Marktprämienmodell
Grundsätzlicher Vorteil des Marktprämienmodells aus Investorenperspektive ist die Aussicht auf höhere Erlöse, die für den Anleger letztlich höhere Erträge bedeuten. Wie diese zusätzliche Renditechance zustande kommt, erklärt Lacuna-Vorstand Thomas Hartauer: „Aktuell liegen die Erlöse für erneuerbaren Strom, den wir an der Börse verkaufen, weit unter der EEG-Vergütung. Um dies auszugleichen, zahlt der Staat die Differenz – die sogenannte Marktprämie – und ermöglicht Anlagenbetreiber so Erträge in Höhe des EEG-Tarifs. Das allein ist als Vermarktungsmodell nicht attraktiv genug, denn der Aufwand bei der Direktvermarktung ist wesentlich höher als der, der bei der EEG-Vergütung anfällt. Da aber keiner diesen Aufwand auf sich nimmt, ohne dabei einen Mehrertrag zu erwirtschaften, wird zusätzlich eine Managementprämie gezahlt. Erst durch die Managementprämie, die jährlich rückläufig ist, können mit der Direktvermarktung höhere Erlöse generiert werden – was wiederum mehr Rendite für den Anleger bedeutet.“ Vor diesem Hintergrund erwarten Experten aus der Branche, darunter auch die MVV Energie GmbH, dass zukünftig mehr Strom direkt vermarktet wird. So werde die seit Januar dieses Jahres im EEG 2012 verankerte Direktvermarktung von Onshore-Windstrom nach Angaben des bundesweit tätigen Energieversorgers für 2012 bei einer Stromleistung von gut 10.000 Gigawattstunden (GWh) liegen. Bis 2016 erwartet die MVV bereits eine Verdreifachung dieses Anteils auf ca. 30.000 GWh. Das Mannheimer Unternehmen setzt sich schon seit 2007 mit der direkten Stromvermarktung auseinander und bringt daher das notwendige Know-how für die Umsetzung der neuen EEG-Regelungen mit. Für Thomas Hartauer ist das einer der Gründe für die Zusammenarbeit mit dem Energieversorger: „Von der MVV-Expertise profitieren wir bereits seit Inbetriebnahme des Windparks Trogen 1 Anfang 2012. Für unsere Investoren konnten wir seitdem einen deutlichen Mehrwert gegenüber dem EEG-Tarif erzielen.“ Konkret erfolgt der Verkauf des regenerativ erzeugten Stroms in Zusammenarbeit mit der MVV weltweit über Börsen wie der European Energy Exchange (EEX), Amsterdam Power Exchange (APX) oder Nord Pool, aber auch über einzelne Broker wie die GFI Group Inc., ICAP oder Prebon sowie über den Termin- bzw. Spotmarkt. Dort betrug die gehandelte Menge an Strom im vergangenen Jahr ca. 4.000 Terrawattstunden (TWh), das entspricht in etwa dem achtfachen der jährlichen Stromerzeugung in Deutschland. „Das Potenzial ist folglich enorm“, so Hartauer weiter. „Daher setzen wir auch bei unseren weiteren Windparkprojekten auf das Konzept der Direktvermarktung und auf die MVV als kompetenten Partner. Wir betrachten dieses Modell als eine Chance, die Rendite für unsere Investoren zu erhöhen.“