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Frankreich wählt zentristischen Kurs

Ein Kommentar von Michael Strobaek, Managing Director, Global Chief Investment Officer (CIO) der Credit Suisse: Credit Suisse | 08.05.2017 10:40 Uhr
©  John Towner / Unsplash
© John Towner / Unsplash
"Die französischen Wahlberechtigten haben Emmanuel Macron zu ihrem nächsten Präsidenten gekürt. Mit einem Stimmenanteil von über 65% verfügt Macron nach seinem Einzug in den Elysée-Palast über ein solides Regierungsmandat. Trotz großen Zulaufs für Kandidaten an den beiden Rändern des politischen Spektrums, allen voran für Marine Le Pen vom Front National, hat sich Frankreich letztlich für einen zentristischen Kandidaten als künftiges Staatsoberhaupt entschieden. Die beträchtliche Anzahl Stimmen für Marine Le Pen (leicht unter 35%) signalisiert indessen, dass sich viele Franzosen einen klar anderen politischen Ansatz wünschen, was die Präsidentschaft Macrons überschatten könnte. Die Wahlbeteiligung war tiefer als in der ersten Runde und auch tiefer als in früheren Urnengängen. Bemerkenswert ist zudem, dass eine substanzielle Zahl von Stimmzetteln leer eingelegt wurde.

Stärkung der französisch-deutschen Allianz

Macron ist ein entschiedener Verfechter des Projekts Europa und glaubt an Frankreichs Platz in der Europäischen Union und in der Eurozone. Er wird sich unserer Meinung nach als konstruktiver Partner für Deutschland erweisen, wenn es darum geht, die wichtige französisch-deutsche Allianz angesichts des Brexit und anderer Herausforderungen zu stärken. In welchem Ausmaß Macron Reformen im Inland wird umsetzen können, ist etwas weniger klar, zumal seine Bewegung «En Marche!» bei den Parlamentswahlen vom 11. und 18. Juni 2017 wohl weit von einer Mehrheit entfernt bleiben wird. Da die Partei erst vor einem Jahr gegründet wurde, ist sie zurzeit im Parlament noch nicht vertreten.

Höchst interessant ist zudem die Frage, welche Form und Ausprägung die von Macron zusammengestellte Regierung haben wird. Macron hat zwar Gespräche mit Mitgliedern von «Les Républicains» aufgenommen, es scheint aber wahrscheinlicher, dass er eine Regierung mit Vertretern von zentristischen und Mitte-links-Parteien bilden wird. Im Idealfall würden «Les Républicains» bei der Verabschiedung von Reformen in den Bereichen Arbeitsmarkt, Vermögenssteuern und Renten mit der Regierung zusammenarbeiten. Der neue Präsident wird zudem während seiner Amtszeit in anderen Bereichen auf die Probe gestellt werden, z.B. im Sicherheitsbereich.

Voraussichtlich positive Marktreaktion

Trotz der Unsicherheit in Bezug auf die Regierungsbildung und die Umsetzung potenzieller Reformen ist der Wahlausgang unseres Erachtens positiv für Europa und die Finanzmärkte. Auf kurze Sicht erwarten wir eine nur geringfügige Aufwertung des EUR gegenüber dem USD und dem CHF, zumal die Einheitswährung bereits nach der ersten Wahlrunde, als sich ein Sieg Macrons abzuzeichnen begann, wieder deutlich zugelegt hatte. Wir rechnen damit, dass der EUR gegenüber dem USD letztlich näher an die Notierungen von vor der Wahl heranrücken wird, weil die geldpolitische Divergenz zwischen der Eurozone und den USA nach wie vor Bestand hat. Auch die Aktienmärkte dürften weiterhin Anleger anziehen, wobei sich Finanzwerte besonders gut entwickeln sollten.

Aufgrund unseres zurzeit positiven Ausblicks für Aktien aus der Eurozone sind wir gut positioniert, um von solchen Avancen zu profitieren. Wir rufen allerding in Erinnerung, dass die Aktienmärkte – genauso wie die Einheitswährung – den positiven Wahlausgang des heutigen Tags bereits im Anschluss an die erste Wahlrunde einzupreisen begannen. Mit Blick auf die Fixed-Income-Märkte erwarten wir, dass die Renditespreads französischer und europäischer Anleihen weiter zurückgehen werden."

Michael Strobaek, Global Chief Investment Officer, Credit Suisse

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