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DWS Chart der Woche: Her mit der Güterinflation

Seit Mai 2020 steigen die Güterpreise schneller als die Dienstleistungspreise, erstmals seit 25 Jahren. Wir denken, dass dieser Covid-Sondertrend bald wieder dreht. Schade eigentlich. DWS | 10.09.2021 14:00 Uhr
© Photo by Nathália Rosa on Unsplash
© Photo by Nathália Rosa on Unsplash

Was verbindet Donald Trump, die Covid-Pandemie und den Ökonomen William Baumol? Alle drei könnten dazu beitragen, unser „Chart der Woche“ zu erklären. Es zeigt, wie unterschiedlich die Preissteigerungen von Dienstleistungen und Gütern in den USA ausfallen. Insbesondere der Preistrend bei Gebrauchsgütern fällt aus dem Rahmen, da er seit Mitte der 1990er Jahre negativ ist. Mit einer ebenso bemerkenswerten Trendwende: Seit Mai 2020 steigen die Preise wieder. Noch dazu schneller als die der Dienstleistungen. Womit Trump, oder sagen wir allgemeiner, die Abschwächung der Globalisierung als Begründung für die Trendumkehr ausscheiden. Schließlich machte sich zumindest im bilateralen Warenverkehr die härtere Gangart der Amerikaner gegenüber China bereits Anfang 2018 bemerkbar. Das Volumen der importierten und durch die Strafzölle verteuerten Waren aus China ging stark zurück, doch die Preise sanken weiter. Erst der von Covid verursachte Lockdown entfachte den Preisschub. Der Grund ist bekannt – da Theater, Konzerte und Restaurants als Zeitvertreib entfielen, wurde allerhand Zeugs online bestellt: Güter. Diese wurden schnell knapp und teuer und wurden dennoch weiter munter gekauft. Dabei halfen die direkten Stimulus-Schecks an die US-Haushalte.

Allerdings erwarten wir eine Umkehr von dieser Trendumkehr. Erstens, da die Konsumwünsche fürs Erste mehr als erfüllt sind und die Hilfszahlungen diesen Monat auslaufen. Zweitens, da Güter in einer globalisierten Welt in höherem Wettbewerb zueinanderstehen als meist lokal gebundene Dienstleistungen. Und drittens, da das Postulat von William Baumol wieder greifen sollte. Er machte sich bereits im Jahre 19661) einen Reim auf die so unterschiedlichen Inflationsraten, welcher unter dem Schlagwort „Kostenkrankheit“ zumindest einem kleinen Kreis2) von Makroökonomen bekannt wurde: Produktivitätsfortschritte konzentrieren sich auf Güter, die leicht automatisierbar sind. Den Kostenvorteil gibt man teils an die Kunden und teils an die (reduzierte) Belegschaft weiter. Weil sonst irgendwann alle Arbeitsfähigen in die Industrie gehen würden, wenn nur dort die Löhne stiegen, müssen sie auch anderswo steigen. Also dort, wo der Arbeitseinsatz kaum optimiert oder maschinell substituiert werden kann – bei Lehrern, Musikern, Masseuren oder Briefträgern etwa. Die relativen Kosten dieser Dienstleistungen werden gegenüber Gütern damit immer höher.

Dem kann der Konsument, was ja oft genug geschieht, dadurch begegnen, dass er Abstriche bei der Quantität oder der Qualität der Dienstleistung hinnimmt.3)  Eine alternative Lösung, aus Sicht des nachhaltigen Wirtschaftens sicherlich wünschenswerter, ist die Verteuerung der Güter. Etwa indem CO2- und ressourcenintensive Produkte höher besteuert werden. Dagegen dürfte die jetzt auch aufs Klima achtende Europäische Zentralbank (EZB) aus unserer Sicht nichts haben. Bei der US Federal Reserve (Fed) sind wir uns da weniger sicher.

1) Baumol, William J.; Bowen, William G. (1966). Performing Arts, The Economic Dilemma: a study of problems common to theater, opera, music, and dance. Cambridge, Mass.: M.I.T. Press.

2) Ein vielleicht zu Recht kleiner Kreis, lässt die Komplexität dieses Themas, insbesondere wenn man stärker auf den internationalen Handel abstellt, doch viele Erklärungsmodelle zu.

3) Einfaches Beispiel: der Gitarrenunterricht wird faktisch von 60 auf 45 Minuten reduziert, oder aber ein weniger gut ausgebildeter, billigerer Lehrer bietet ihn an.

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