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Paul Brain: Wahl in Spanien bringt Unsicherheit für die Anleihemärkte

Am kommenden Sonntag wird in Spanien zum dritten Mal in weniger als dreieinhalb Jahren ein neues Parlament gewählt. Die Umfragen deuten darauf hin, dass die Stimmen zwischen den traditionellen linken und rechten Parteien und dem neuen rechten Herausforderer Vox aufgeteilt werden. Wieder einmal erscheint es unwahrscheinlich, dass eine Partei eine Mehrheit gewinnt, so dass es wohl zu einer Koalitionsregierung kommen wird. Paul Brain, Head of Fixed Income bei Newton Investment Management, einer Boutique von BNY Mellon IM, erläutert die möglichen Auswirkungen für Anleiheinvestoren: BNY Mellon Investment Management | 26.04.2019 09:06 Uhr
Paul Brain, Head of Fixed Income, Newton Investment Management / © BNY Mellon
Paul Brain, Head of Fixed Income, Newton Investment Management / © BNY Mellon
„Jedes Koalitionsvotum würde für Anleiheinvestoren zunächst einmal Unsicherheit schaffen, bis klar wird, welche Parteien zur Zusammenarbeit bereit sind. Die anhaltende Unzufriedenheit der Wähler hat zwei neue Parteien – das linke Wahlbündnis Unidas Podemos und die ursprünglich regional-katalanische Ciudadanos – hervorgebracht. Nun mischt auch die rechtspopulistische Vox mit. Wir erwarten, dass sich die Unzufriedenheit als globaler Trend bei Wahlen fortsetzen wird.

Populistische Parteien neigen dazu, den Wählern eine lockerere Steuerpolitik zu versprechen, die zu höheren Haushaltsdefiziten führen kann. Das hat Auswirkungen auf den Rentenmarkt. Möglich ist allerdings auch, dass die Parteien keine ausreichenden steuerlichen Anreize durchsetzen können, um ihre Wählerklientel zufrieden zu stellen. In der Folge kann dies zur Gründung weiterer Parteien führen, die sich noch weiter links oder rechts positionieren.

Wenn mehr Parteien hinzukommen, verwässert dies das Gesamtergebnis. Koalitionsregierungen sind aber nur eingeschränkt in der Lage, sinnvolle Veränderungen vorzunehmen. Das ist nicht nur ein Problem in Spanien – die italienischen Parlamentswahlen im vergangenen Jahr und die Umkehrung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank in Frankreich durch Emmanuel Macron haben gezeigt, wie beunruhigend diese Entwicklung für Anleiheinvestoren sein kann. Die Tatsache, dass andere Länder mit ähnlichen Wählerwünschen konfrontiert sind, die ihren haushaltspolitischen Kurs schwächen, bedeutet allerdings auch, dass Spanien von den Anlegern nicht allzu sehr für geringfügige Steuerausfälle oder Unsicherheiten nach den Wahlen bestraft werden sollte. 

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Spanien sind – im Gegensatz zu Italien – nach wie vor gut. Das stützt die Anleihespreads. Sobald die Wahl zu Schnee von gestern geworden ist und es eine funktionierende Koalition gibt, sollten sich die Spreads daher stabilisieren. Der Bedarf an höheren Renditen ist nach wie vor hoch, insbesondere wenn die EZB ihre Politik der negativen Zinsen fortsetzt. Diese Nachfrage, zusammen mit der sich grundsätzlich verbesserten Kreditqualität Spaniens, dürfte dazu führen, dass spanische Anleihen allmählich eine Prämie gegenüber deutschen Anleihen aufweisen.“

Paul Brain, Head of Fixed Income, Newton Investment Management

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