e-fundresearch.com: Wie ist das bisherige Jahr für den PEH EMPIRE verlaufen? Welche Marktphasen oder Einflussfaktoren waren aus Ihrer Sicht besonders prägend?
Maximilian Stürner: 2026 ist bislang von zwei großen Kräften geprägt. Auf der einen Seite der anhaltende AI- und Capex-Zyklus, der US-Technologie, Halbleiter und Datacenter-Infrastruktur getragen hat. Auf der anderen Seite der geopolitisch bedingte Energiepreisschock im März, der zu spürbarer Volatilität, höheren Inflationssorgen und Druck auf energieabhängige Regionen geführt hat. Entscheidend war dann aber, dass sich die Märkte schnell erholt haben — getragen von besser als erwarteten Unternehmensgewinnen, nach oben revidierten Gewinnerwartungen und der strukturellen Stärke im AI-Bereich. Unser Modell hat diese Signale frühzeitig aufgenommen und die Positionen entsprechend aufgebaut. Das Ergebnis: knapp +8% per 29. Mai — deutlich über der Peer-Group.
e-fundresearch.com: Der PEH EMPIRE setzt seit 2016 auf einen datengetriebenen, KI-gestützten Investmentprozess. Worin liegt aus Ihrer Sicht der wichtigste Unterschied zwischen einem über Jahre erprobten Modell und neueren KI-basierten Investmentansätzen?
Maximilian Stürner: Das Entscheidende ist Zeit — echte Zeit im Markt. Unser Modell läuft seit Jahren live, hat den Covid-Crash durchgemacht, den Zinsschock 2022, geopolitische Schocks. Und dabei nicht nur überlebt, sondern gelernt. Das kann man nicht simulieren. Viele neue KI-Ansätze sind technisch beeindruckend — aber sie kennen schwierige Marktphasen bisher nur aus dem Backtest. Ob ein Modell robust ist, sieht man erst, wenn es unter echtem Druck läuft.
e-fundresearch.com: Die Märkte sind derzeit von widersprüchlichen Signalen geprägt: geopolitische Risiken, Energiepreisschwankungen und höhere Inflationserwartungen auf der einen Seite, robuste Aktienmärkte und starke Technologiewerte auf der anderen. Wie verarbeitet der PEH SCORE solche Divergenzen? Welches Marktumfeld erkennt das Modell aktuell?
Maximilian Stürner: Für uns sind widersprüchliche Signale der Normalzustand. Der PEH SCORE schaut täglich auf über 500.000 Datenpunkte — technische Indikatoren, Fundamentaldaten, Makro, Sentiment. Was das Modell dabei nicht macht: es folgt keinen Narrativen. Es interessiert sich nicht dafür, ob gerade geopolitische Risiken oder Notenbankerwartungen das Gespräch dominieren. Die einzige relevante Frage ist: Welche Einzeltitel zeigen robuste, validierte Kaufsignale? Wir arbeiten ausschließlich bottom-up, klar signalgetrieben. Das Makroumfeld fließt als Datenpunkt ein — aber es überschreibt keine Signale. Aktuell sendet das Modell ein konstruktives Bild. Die Aktienquote spiegelt das.
e-fundresearch.com: Im April-Reporting zeigen sich Technologie- und Halbleiterwerte als zentrale Treiber, während Pharma- und Medizintechnikwerte belasteten. Wie ist der PEH EMPIRE derzeit positioniert? Sehen Sie in defensiveren Bereichen wie Pharma oder Medizintechnik wieder Chancen?
Maximilian Stürner: Semiconductors und Internet sind die größten Positionen — da sehen wir weiterhin starke Signale. Das Pharma-Exposure haben wir über die letzten Wochen sukzessive aufgebaut und ist jetzt das drittgrößte Sektor-Exposure. Zuletzt haben wir auch bei Softwaretiteln zugekauft, weil sich dort die Signallage verbessert hat. So funktioniert der Prozess — keine vorgefassten Meinungen über Sektoren, keine thematischen Wetten. Wenn die Signale da sind, allokieren wir.
e-fundresearch.com: Wie steuern Sie das EUR/USD-Risiko in einem Umfeld, das von geopolitischer Unsicherheit, Energiepreisschwankungen und divergierenden Zinserwartungen geprägt ist?
Maximilian Stürner: Währung behandeln wir nicht als Restgröße. Das ist eine eigenständige Alpha-Quelle — mit demselben Prozess wie beim Stockpicking. Wie haben täglich rund 8.000 Datenpunkte: Zinsdifferenzen, Wachstumsdivergenz, Inflation, Sentiment. Die Hedging-Quote kann zwischen 0% und 100% liegen — je nachdem, was die Signale sagen, und nicht danach, was wir glauben, dass der Dollar macht. 2025 hat das konkret 3,2 Prozentpunkte zur Performance beigetragen.
e-fundresearch.com: Der PEH EMPIRE blickt auf mehrere Marktphasen mit hoher Unsicherheit zurück, darunter geopolitische Schocks und Zinserhöhungszyklen. Welche Lehren ziehen Sie daraus für die Weiterentwicklung des Modells? Welche strukturellen Themen dürften das Portfolio in den kommenden fünf bis zehn Jahren besonders prägen?
Maximilian Stürner: Die wichtigste Erkenntnis aus all diesen Krisenphasen ist eigentlich eine sehr einfache: Prognosen helfen nicht, Robustheit schon. Jeder Schock — Covid, Zinsanstieg 2022, geopolitische Verwerfungen — hat gezeigt, wie schnell sich Märkte bewegen und wie schnell menschliche Analyse dabei an Grenzen stößt. Was uns schützt, ist das Modell — täglich neu berechnet, regelbasiert, ohne emotionale Überlagerung. Strukturell sehen wir für die nächste Dekade drei Themen, die das Portfolio prägen werden: erstens KI und KI-Infrastruktur als langfristiger Wachstumsmotor. Zweitens die Neuordnung globaler Lieferketten — mit massiven Gewinnern und Verlierern auf Einzeltitelebene. Und drittens die Energietransformation. Was all diese Themen gemeinsam haben: Sie erzeugen hohe Dispersion im Markt. Gewinner und Verlierer liegen weit auseinander. Und genau in diesem Umfeld ist präzises, datengetriebenes Stockpicking der entscheidende Erfolgsfaktor.
e-fundresearch.com: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Stürner.
Über Maximilian Stürner
Maximilian Stürner ist seit Januar 2023 Co-Manager des PEH EMPIRE und verantwortet die Aktienselektion sowie die Weiterentwicklung der PEH KI-Scores. Er besitzt einen Master in Finance und ist zertifizierter AI Investment Analyst (CAI).