Hochzinsanleihen: global kontra europäisch

Europäische Anleihen waren in jüngster Zeit zunehmend im Blickfeld vieler Anleger. Der Grund: Viele Marktteilnehmer sehen die USA stärker von der wirtschaftlichen Abkühlung betroffen als Europa. David Harris, Senior Portfolio Manager im Bereich US Fixed Income aus dem Hause Schroders, gibt jedoch zu bedenken, dass dieses Urteil vorschnell ist. Schroders | 26.11.2008 09:16 Uhr
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Der globale Anleihenmarkt bietet derzeit einige Anlagemöglichkeiten, mit denen der europäische Raum nicht aufwarten kann. In jüngster Zeit sind die europäischen Anleihezinsen schneller gestiegen als vergleichbare Renditen in den USA. Als Folge dieser Entwicklung zeigten die Anleger mehr Interesse an Investitionen in europäischen Hochzinsanleihen. Die internationalen Möglichkeiten, die immer noch in hohem Maße von den USA beeinflusst sind, standen demgegenüber eher im Hintergrund. Dies auch, weil sich der Konjunkturrückgang in den USA härter bemerkbar machen wird als in Europa, was den US-amerika­nischen Markt für Unternehmensanleihen noch riskanter aussehen lässt.

Doch aus mehreren Gründen sollten Anleger den globalen Markt in Erwägung ziehen, wenn sie über die Anlagemöglichkeiten von Hochzinsanleihen nachdenken:

  • Der globale Hochzinsmarkt bietet sehr viel mehr Auswahlmöglichkeiten an Anleihetiteln. Das europäische Anlage-Universum enthält (unter Zugrundelegung der Daten des Lehman High Yield Index für alle statistischen Zwecke) nur 193 Anleihen im Vergleich zu 1.688 Titeln, die im globalen Universum zur Verfügung stehen. Darüber hinaus weist der globale Bereich auch eine größere Zahl von Branchen auf.

Dieser Unterschied spiegelt sich im relativen Marktwert: Der Anteil der von europäischen Unternehmen ausgegebenen Hochzinsanleihen macht gerade einmal 12,1 % des globalen Universums aus – im Vergleich zu 84,5 % von nordamerikanischer und 1,8 % von asiatischer Seite. Der Anteil der Papiere, die in Euro und Pfund Sterling ausgegeben werden, ist mit 11,8 % des globalen Universums sogar noch kleiner. Demgegenüber begeben 88,2 % der Emittenten ihre Anleihen in US-Dollar (außerhalb Europas und der USA gibt es keine nennenswerten Hochzinsemissionen).

  • Der globale Anlegerstamm ist sowohl breiter als auch tiefer gefächert.
    Der europäische Hochzinsmarkt ist relativ jung. Hier dominieren fremdfinanzierte Anleger mit relativ kurzen Anlagehorizonten, was in Zeiten der Unsicherheit zu größerer Volatilität und weniger Liquidität an den Märkten führt.

In den USA haben viele Investoren wie Versicherungen, Pensionsfonds und traditionelle Vermögensverwalter ein langfristiges Engagement bei Hochzinsanleihen, was dem Markt Stabilität verleiht. Darüber hinaus investieren in den USA sehr viel mehr Investmentfonds in Hochzinsanleihen, als dies in Europa der Fall ist. Das trägt dazu bei, den technischen Druck auszugleichen, wenn fremdfinanzierte Anleger ihre Gelder aus dem Markt ziehen – wie im vergangenen Jahr geschehen.

Die beiden oben genannten Aspekte haben es dem US-amerikanischen Hochzinsmarkt ermöglicht, das Jahr über ein höheres Maß an Liquidität zu wahren. Ein Zeichen dafür, wie schwierig die Lage in letzter Zeit war: Im Gegensatz zu den USA, wo neue Anleihen bis zum dritten Quartal dieses Jahres regelmäßig ausgegeben wurden, sind in Europa seit Mitte des Jahres 2007 keine neuen Hochzinsemissionen mehr auf den Markt gebracht worden.

  • Es besteht eine starke Korrelation zwischen den europäischen und den globalen Märkten. Gerät der größere Hochzinsmarkt in den USA unter Druck, so ist auch der europäische Markt bedrängt, oft sogar noch stärker. Tatsächlich beträgt die Korrelation zwischen den beiden Märkten seit Auflage separater Indizes von Dezember 1997 bis September 2008 0,95 (auf Grundlage wöchentlicher Renditen; eine Korrelation von 1 bedeutet, dass dieselbe Situation zwei Märkte dazu veranlasst, völlig gleich zu reagieren).

Obwohl die durchschnittliche Kreditqualität im europäischen Markt etwas besser und die Wirtschaftslage in Europa deutlich weniger ernst ist, war die Gesamtrendite im Jahr 2008 im europäischen Hochzinsindex mit –26,4 % gegenüber –24,4 % etwas schlechter als im US-Markt (laufendes Jahr, Stand 31. Oktober). Die europäischen Hochzinsanleihen haben sich demnach sogar schlechter entwickelt. Das liegt hauptsächlich an der erheblich geringeren, fokussierten Marktgröße und der Konzentration des Eigentums in weniger stabilen Händen.

Das globale Universum in Betracht ziehen

Der etwas höhere Ertrag in Europa ist oberflächlich gesehen ein Argument dafür, Hochzins-investitionen in diesem Markt zu tätigen. Ende Oktober lag der europäische OAS im Hochzinsbereich bei 15,8 % im Vergleich zu 14,8 % für die USA. Mit Blick auf die Zukunft gibt es in Europa sicherlich ganz klare Möglichkeiten – ebenso wie auch für alle globalen Emittenten.

Anleger sollten daher das globale Universum in Betracht ziehen. Es bietet nicht nur eine größere Spannbreite an Emittenten und Branchen, sondern in der Regel auch bessere Liquidität und weniger Volatilität im gesamten Marktzyklus.

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