USA
Highlight der abgelaufenen Woche war die Zinsentscheidung der US-Notenbank am Mittwoch. Etwas unerwartet kündigten die Währungshüter an, den Leitzins bis voraussichtlich Ende 2014 auf dem aktuellen Niveau von knapp über 0 % zu belassen. Außerdem gab man bekannt, künftig ein Inflationsziel von 2 % anzustreben (detaillierte Informationen hierzu in unserer Aussendung US Notenbank Zinsentscheidung vom 26. Jänner). Erwähnenswert ist noch der kräftige Anstieg beim Auftragseingang langlebiger Güter im Dezember (+3,0 % p.m.). Das Datenhighlight der Woche, die erste Schätzung zum Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal, steht heute Nachmittag (14:30 Uhr) noch an. Wir rechnen mit einem Plus von annualisiert 4 % p.q.
Kommende Woche geht es datenmäßig hochkarätig weiter: Zur Veröffentlichung stehen an der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe (Mi) und der Arbeitsmarktbericht (Fr). Für den ISM-Index erwarten wir aufgrund der bis dato vorliegenden drei regionalen Einkaufsmanagerumfragen – Empire State Index, Richmond Fed Index und Philadelphia Fed Index – einen neuerlichen Anstieg, der das Stimmungsbarometer auf 55 Punkte heben sollte (Konsens: 54,5 Punkte). Überraschungen sind aber nicht ausgeschlossen, da am Dienstag die jährliche Revision der Saisonfaktoren ansteht, die zu Revisionen der ISM Werte in den letzten Monaten führen kann. Noch schwieriger als sonst gestaltet sich die Prognose für den Arbeitsmarktbericht. Im Prinzip sind wir zwar zuversichtlich, dass die Beschäftigung im Jänner erneut merklich angestiegen ist. Hierauf deuten zumindest die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe hin, die im laufenden Monat mit 378 Tsd. auf dem Dezemberniveau stagniert haben. Da der Staat wieder rund 20 Tsd. Jobs gestrichen haben dürfte, kämen wir so zu einem Stellenplus in der Gesamtwirtschaft von netto 200 Tsd. Für die Privatwirtschaft entspräche dies einem Plus von netto 220 Tsd. Allerdings scheint es bei der Saisonbereinigung bei den Kurier- und Lieferdiensten seit drei Jahren ein massives Problem zu geben. Die Beschäftigung legt hier seit 2009 jeden Dezember – wohl wegen des Weihnachtsgeschäftes – sehr stark zu, nur um im Jänner des Folgejahres wieder genauso stark zu sinken. Da sich der Effekt auf rund 45 Tsd. Stellen beläuft, hat er signifikanten Einfluss auf die Gesamtbeschäftigtenzahlen. Das Plus im Dezember 2011 betrug 42 Tsd. Für Jänner rechnen wir nun mit einem Rückgang um 45 Tsd. Bereinigt um diesen Effekt liegen unsere Schätzungen zur Beschäftigung in der Gesamtwirtschaft und der Privatwirtschaft damit nur bei 150 Tsd. bzw. 170 Tsd. Es ist aber nicht auszuschleißen, dass das Bureau of Labor Statistics (BLS) diese offensichtlich fehlerhafte Saisonbereinigung mit den Jännerzahlen korrigiert. In diesem Fall fiele der Beschäftigungsanstieg im Jänner zu Lasten der Dezemberzahlen höher aus, die dann wohl um rund 40 Tsd. nach unten revidiert werden würden. Aber nicht nur aus diesem Grund sind die Arbeitsmarktzahlen mit größter Vorsicht zu genießen. Mit der Februarveröffentlichung nimmt das BLS zudem noch seine jährliche Benchmarkrevision vor, die regelmäßig zu Überraschungen führt. Bekannt ist bisher, dass die Beschäftigtenzahlen für 2011 um rund 200 Tsd. nach oben korrigiert werden. Wie sich diese Zahl aber auf die einzelnen Monate verteilt, ist völlig offen. Im Februar 2011 beispielsweise wurden die Zahlen für das vierte Quartal 2010 merklich nach oben angepasst, dafür fiel die Schätzung für den Zuwachs im Jänner 2011 äußerst gering aus, so dass die Konsensschätzung damals um über 100 Tsd. Stellen verfehlt wurde.
Für die Arbeitslosenquote rechnen wir mit einem unveränderten Wert von 8,5 %. Die übrigen zahlreichen Daten der nächsten Woche werden durch die beiden genannten Hochkaräter in den Hintergrund gedrängt: persönliche Konsumausgaben (Mo), Verbrauchervertrauen und Chicago PMI (Di), ADP-Beschäftigungsbericht (Mi), Produktivität und Lohnstückkosten (Do) sowie der ISM-Index für den Dienstleistungssektor (Fr).
Nachdem sich die Rendite amerikanischer Staatsanleihen bis Mittwoch bei über 2 % gehalten hatte (10jährige), sackte sich im Anschluss an die FOMC Zinsentscheidung spürbar ab und liegt nun noch bei 1,95 %. Angesichts der nochmaligen Lockerung der Geldpolitik sowie der von uns nach wie vor erwarteten schwächeren konjunkturellen Entwicklung als von der Fed unterstellt und der daraus resultierenden anhaltenden Spekulation über weitere geldpolitische Maßnahmen (QE3) sowie der Unwägbarkeiten mit Blick auf die Euro-Schuldenkrise rechnen wir nicht damit, dass das Renditeniveau für US-Staatsanleihen bis Mitte 2012 nachhaltig über das aktuelle Niveau von rund 2 % steigen wird. Wir empfehlen daher eine neutrale Positionierung bzw. würden einen zwischenzeitlichen Rendite anstieg als Kaufgelegenheit sehen.
Eurozone
Nach wie vor ein hängt ein Zahlungsausfall Griechenlands wie ein Damoklesschwert über dem Finanzmarkt. Zuletzt warf allerdings dieses mögliche bedrohliche Ereignis keinen Schatten mehr auf die Marktentwicklungen. Im Gegenteil, angefeuert durch die erhebliche Unterstützung der Finanzierungsbedingungen der europäischen Banken durch die EZB verliefen seit Jahresbeginn die ersten Anleihenemissionen von gefährdeten Staaten gut bis sehr gut. Vor allem das Pricing hat sich stark verbessert. Beispielsweise liegen die Renditen kurzlaufender Anleihen in Italien und Spaniern wieder deutlich unter der Marktverzinsung von langen Laufzeiten, was auf einen deutlichen Abbau der mittelfristigen Ausfallsängste hinweist. Auch das Zinsniveau von zweijährigen (3,5 % Italien bzw. 2,2 % Spanien) bewegt sind wieder deutlich im nachhaltigen Bereich. Es scheint, als ob es der EZB mit ihrem dreijährigen Refinanzierungsgeschäft tatsächlich gelungen ist, endlich einen floor zu setzen und mit ihrer Geldpolitik vor die Kurve zu kommen. Doch nicht nur die Staaten mit Budget- oder Verschuldungsproblemen, auch Länder mit soliden Staatsfinanzen profitieren von den Maßnahmen der EZB. Zuletzt konnte etwa Deutschland eine 30jährige Anleihe zu einer Marktverzinsung von 2,62 % aufstocken. Traumkonditionen! Hohe Notenbankliquidität und unverändert tiefe Leitzinsen werden das Umfeld auch in den kommenden Monaten prägen. Wir bleiben daher bei unserer Meinung, dass die Renditen deutscher Staatsanleihen noch über weite Strecken des Jahres 2012 sehr niedrig bleiben.
Neben dem Finanzbereich profitiert sicher auch die Realwirtschaft von der ausgesprochen expansiven Haltung der EZB (reichliche Kreditversorgung zu günstigen Zinsen). Beispielsweise konnte sich der ifo Index für Deutschland zum dritten Mal in Folge verbessern (Daumenregel für eine Trendwende) und liegt auf einem Niveau, welches in der Vergangenheit nicht mit einer Rezession einherging. Auch die Einkaufsmanagerindizes für den Euroraum haben sich laut Schnellschätzung verbessert. Dies dürfte sich wohl auch in verbesserten Umfragewerten in Italien und Spanien widerspiegeln. Dennoch sind wir nicht der Meinung, dass sich die letzten Indikationen einer Konjunkturstabilisierung als nachhaltig erweisen. Im Jahr 2012 steht noch eine Vielzahl von Budgetsanierungsmaßnahmen zur Umsetzung an. Beispielsweise hat die Spanische Notenbank ihre Schätzung für die BIP-Veränderung für das laufende Jahr auf -1,5 % nach unten korrigiert und liegt somit nunmehr sogar knapp unter unserer Prognose. Die spanische Wirtschaft dürfte dabei bereits im vierten Quartal 2011 in die Rezession eingetaucht sein (-0,3 % p.q.). Wir bleiben zudem skeptisch, dass sich Deutschland bzw. Mittelund Nordeuropa vom schwachen (süd-)europäischen Konjunkturumfeld gänzlich abkoppeln können.
Die weiteren Daten: Bei den Sentimentumfragen der EU-Kommission rechnen wir mit einer kleinen Verbesserung des Konsumentenvertrauens, das Industrievertrauen bzw. das Wirtschaftsklima könnten dagegen weiter nach unten tendieren. Die Schnellschätzung der EUR-Inflationsrate dürfte aus unserer Sicht eine kleine Enttäuschung bringen. Steuererhöhungen (Deutschland) und Ölpreisentwicklung (Energie, Kraftstoffe) verzögern den erwarteten Inflationsabbau – im Jänner ist im Vorjahresvergleich sogar mit einem Anstieg der Teuerungsrate zu rechnen.
Der Primärmarkt ist in den nächsten Tagen weitgehend den großen Ländern vorbehalten. Italien emittiert eine Reihe von Anleihen. Die Ergebnisse werden richtungsweisend für Februar sein, der Monat in dem dieses Jahr das höchste Volumen zur Refinanzierung ansteht (rund EUR 63 Mrd. von EUR 383 Mrd.). Daneben haben sich Deutschland und Frankreich angesagt. Am Geldmarkt treten nochmals Frankreich sowie auch Belgien in Erscheinung.
Marktausblick Aktienmärkte
USA
Die US-Aktienindizes präsentieren sich weiterhin ausgesprochen fest. Starke US-Konjunkturindikatoren sowie eine im Abklingen empfundene Schuldenkrise in Europa verleihen den Kursen Flügel. Dennoch sehen wir für die US-Konjunktur in der ersten Jahreshälfte - auch aufgrund der mittlerweile nach oben gekletterten Erwartungen - wieder Enttäuschungspotenzial und die Unternehmen werden zumindest ihre Ausblicke weiter zurücknehmen müssen. Erst mittelfristig wird sich der Horizont unserer Einschätzung nach weiter aufklaren.
Europa
Die Lage an den europäischen Aktienmärkten hat sich zuletzt weiter entspannt. Die Fortschritte bei den Gesprächen zwischen Griechenland und den privaten Gläubigern wie auch die Ankündigung der US-Notenbank, dass man die Zinsen bis 2014 auf sehr tiefen Niveaus halten wird, sorgen derzeit für positive Stimmung. Dementsprechend werden vorläufig die negativen Faktoren total ausgeblendet. Dazu zählt unter anderem der bisherige Verlauf der europäischen Berichtssaison. Hier dürften in den kommenden Wochen noch weitere negative Gewinnrevisionen anstehen. Infolgedessen bleiben wir trotz des positiven Trends an den Aktienmärkten vorsichtig gestimmt.
Japan
In der abgelaufenen Woche verfestigte sich die liquiditätsbedingt gute Stimmung an der Tokioter Börse. Negative Einflussfaktoren werden nahezu gänzlich ausgeblendet. Eines dieser Problemfelder ist die nun anrollende Berichtssaison in Japan. Bei einem noch sehr geringen Auszählungsgrad ist zwar ein Resümee verfrüht, festzuhalten ist aber, dass bisher mehr Unternehmen die Erwartungen verfehlten als übertrafen und es zu teilweise empfindlich negativen Gewinnrevisionen kam. In Kombination mit nach wie vor großen Fragezeichen hinter der Eurozone-Staatsschuldenkrise und wenig erbaulichen Perspektiven für die japanische Volkswirtschaft halten wir daher den aktuellen Optimismus für übertrieben.
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