Die Bärenmarktrallye neige sich langsam ihrem Ende zu, wobei die Tiefststände der vergangenen Monate an den Börsen nicht mehr unterschritten werden sollten, meinen die Allianz Experten.
„Das Stimmungstief der ersten Monate im Jahr 2009 ist einem mittelfristig vorsichtigen Optimismus gewichen“, beschreibt Martin Bruckner, Vorstand der Allianz Investmentbank AG, am Dienstag den Ausblick auf das kommende Quartal vor Journalisten.
Stimmungswandel: Vorsichtiger Optimismus kehrt zurück
Dominierte zu Beginn dieses Jahres noch die Furcht vor Deflation und Depression im 1930er-Jahre-Stil, so kehren nun Inflationserwartungen zurück. Die Angst vor einem ungebremsten Verfall der Immobilienpreise in den USA sowie einem Einbruch des US-Konsums konnte eingedämmt werden: Der US-Häusermarkt zeigt erste Anzeichen einer Stabilisierung, das Vertrauen der Konsumenten kehrt langsam zurück. Auch eine Verstaatlichungswelle der US-Banken blieb aus: Das Bankensystem ist stabilisiert und rekapitalisiert, Investmentbanken zahlen bereits Staatshilfe zurück. Massenarbeitslosigkeit trat nicht ein, sehr wohl aber die Tendenz steigender Arbeitslosenzahlen. Auf Unternehmerseite werden die Ergebnisse weiter nach unten revidiert, die Rate der Revisionen hat jedoch abgenommen. Der Rohöl-Preis hat sich von 40 US-$ je Barrel auf über 70 US-$ je Barrel beinahe verdoppelt.
„Jo-Jo-Effekt“: Finanzmärkte und Realwirtschaft vor Stabilisierung
„Wir befinden uns nach wie vor in einer tiefen Rezession, allerdings können wir einen Aufwärtstrend bei den volkswirtschaftlichen Indikatoren feststellen“, so Mag. Christian Ramberger, Geschäftsführer der Allianz Invest KAG. In den USA deuten Frühindikatoren wie z.B. der Einkaufsmanager-Index auf eine Erholung hin, auch Europa befinde sich auf dem Weg der Stabilisierung. „Die USA, welche den Ausgangspunkt der Krise darstellten, zeigen früher Anzeichen einer Erholung, in Europa müssen wir noch etwas zuwarten“, erklärt Ramberger.
Wirft man einen Blick auf die Wirtschaftsentwicklung der einzelnen Staaten, so ist ein „Jo-Jo-Effekt“ zu beobachten: Ging es nach dem Beginn der Finanzkrise auch in der Realwirtschaft rasch und steil bergab – die schlechtesten Wachstumsraten der Staaten wurden für das vierte Quartal 2008 und das erste Quartal 2009 beobachtet – so geht der Trend nun langfristig deutlich nach oben. „Für 2010 rechnen wir weltweit mit einem moderaten Wachstum von 2,4 Prozent, wobei Asien und die Emerging Markets deutlich positiv sind“, so Ramberger. An den Finanzmärkten zeigten in den letzten drei Monaten unterschiedliche Indizes im „year to date“-Vergleich eine außergewöhnlich gute Performance. Bereits seit Ende des letzten Jahres sind die Risikoerwartungen für Investmentgradeanleihen rückläufig, für High Yield Anleihen seit Jahresbeginn. Auch die Volatilität am Aktienmarkt sei im Vergleich zum Jahresbeginn deutlich zurückgegangen. „Das negative Momentum hat sich verlangsamt“, erklärt Ramberger, „das stimmt uns positiv, dass sich die Erholung fortsetzt.“ Die Bewertungen sind nicht mehr so gut wie vor drei Monaten, aber immer noch auf lange Sicht sehr attraktiv: „Das Preis/Buchwert-Verhältnis liegt in etwa auf dem Niveau der 1930er Jahre. Das bietet aktuell einen sehr günstigen Einstiegszeitpunkt“, erklärt Ramberger.
Chancen für Anleger
„Wir sind neutral im Markt, was Aktien und Anleihen betrifft“, erklärt Bruckner die Anlagestrategie der Allianz für das kommende Quartal.
Auf der Aktienseite empfiehlt die Allianz, Europa neutral zu halten: In Europa hat die EZB zuletzt nochmals die Leitzinsen gesenkt und zusätzliche Maßnahmen beschlossen, der IFO-Index deutet auf eine leichte Erholung hin. Die Bewertung europäischer Aktien ist historisch gesehen sowie im Vergleich zu US-Aktien sehr attraktiv – globale Investoren sind jedoch seit Mitte 2008 in US-Aktien übergewichtet. In Japan leidet die Exportwirtschaft aufgrund des starken Yen am stärksten unter dem Abschwung des globalen Handels. Japanische Banken sind von der Finanzkrise kaum betroffen. Auch bei den Emerging Markets lautet das Anlagevotum „neutral“, da diese im ersten Halbjahr 2009 eine deutliche Outperformance verzeichnen konnten – begünstigt durch eine Erholung bei den Rohstoffen –, deren Fortsetzung ungewiss erscheint. Langfristig bieten die Schwellenländer und vor allem Asien das größte Wachstumspotenzial.
Auf der Anleihenseite empfiehlt die Allianz, Europa über- und die USA unterzugewichten. Die EZB dürfte in ihrem Zinssenkungszyklus am Ende angelangt sein. Ebenso ist eine Erholung auf der Spread-Seite – insbesondere auf Länderebene – zu beobachten, dennoch gibt es interessante Einstiegsniveaus in den Euro-Peripherieländern. Attraktive Renditen gebe es bei Investmentgrade Corporates, hier sei jedoch eine selektive Analyse und aktives Management notwendig, so Bruckner. In den USA lässt die FED den Leitzins im Band von 0 bis 0,25 Prozent. Die Renditen haben einen Aufschlag zu Deutschland von aktuell 20 Basispunkten im zehnjährigen Staatsanleihenbereich, jedoch gegenüber dem Rest des Euroraumes deutliche Abschläge. Die positive Entwicklung bei staatsgarantierten Mortgages dürfte weiter andauern. Japan empfehlen die Allianz Experten unterzugewichten, da das absolute Zinsniveau weiterhin unattraktiv ist. Die Leitzinsen sind weiter bei 0,1 Prozent, die Headline-Inflation beläuft sich seit geraumer Zeit um 0 Prozent. Anleihen aus den Emerging Markets sollten neutral gewichtet werden: Diese konnten seit Jahresbeginn eine sehr gute Rendite erwirtschaften, die Spreads gingen bereits deutlich zurück. Innerhalb der Emerging Markets sind Länder mit hohen Währungsreserven zu bevorzugen. Positiv sollten sich auch die Interventionen von IWF, EBRD und der EU auswirken.
Für den Gesamtausblick auf das nächste Quartal rät die Allianz weiterhin zur Vorsicht: Wie es nach den Entwicklungen der letzten Monate weitergehe und inwiefern sich die Stabilisierung nachhaltig manifestieren könne, sei sehr schwierig abzuschätzen, wenngleich grundsätzlich der Optimismus zurückkehre: „Wir sind zuversichtlich, dass wir die Lows der vergangenen Monate nicht mehr unterschreiten werden“, so Bruckner abschließend.
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