Weltwirtschaft seit in der Rezession
Ingo Mainert, Geschäftsführer und Chief Investment Officer der cominvest: „Eine allmähliche konjunkturelle Erholung ist frühestens Mitte des Jahres 2009 zu erwarten. Die Rezession ist Fakt.“ Die cominvest ist jedoch der Überzeugung, dass Regierungen und Zentralbanken durch ihre Unterstützungsmaßnahmen eine drohende Depression – also eine lang anhaltende Phase stark negativen Wirtschaftswachstums – verhindern können.
Inflationshöhepunkt überwunden
Der Inflationsausblick hat sich dagegen deutlich verbessert, die Höchststände bei den Teuerungsraten sollten überwunden sein. Von Seiten der Rohstoffe gibt es merkliche Entwarnung und an den Immobilienmärkten sind kräftige Preisrückgänge zu beobachten. Damit sind in den kommenden Monaten niedrigere Teuerungsraten vorgezeichnet. In den Industrieländern dürften die Inflationsraten Mitte 2009 wieder die Zielwerte der Zentralbanken erreichen bzw. unterschreiten. Eine ausgesprochene Deflation, das heißt Preisrückgänge auf breiter Front, erwartet die cominvest nicht. Eine Diskussion dieses Themas an den Finanzmärkten ist jedoch wahrscheinlich.
Weitere Zinssenkungen in den USA, Euroland und Großbritannien
Infolge des düsteren Wachstumsausblicks für die Weltwirtschaft sind für die Industrienationen niedrige Leitzinsen die von den Notenbanken verordnete Medizin. Zinserhöhungen zur Währungsstabilisierung sollten die Ausnahme bleiben. Angesichts der Verspannungen an den Geldmärkten dürften die Zentralbanken dem Finanzsektor zudem weiterhin generös Liquidität bereit stellen. Für die USA sieht die cominvest zusätzlich zu den Fiskal- und Liquiditätsmaßnahmen die Möglichkeit einer Nullzinspolitik. Auch in Euroland und Großbritannien dürften die Zinsschrauben noch in diesem Jahr weiter gelockert werden. Auf Sicht von zwölf Monaten prognostiziert die cominvest Zinssenkungen im Umfang von 125 Basispunkten für Euroland (Refisatz auf 2,0 Prozent) und von 50 bis 100 Basispunkten für Großbritannien (Bank Rate auf 2,0 bis 2,5 Prozent).
Rentenmarkt vorerst weiter freundlich
Am Rentenmarkt war in den letzten Wochen eine typische Krisenreaktion zu beobachten: Staatsanleihen waren als sichere Häfen gefragt, so dass die Renditen sanken. Gleichzeitig weiteten sich die Zinsaufschläge für stärker risikobehaftete Papiere aus. Solange die Unsicherheit über die Stabilität des weltweiten Finanzsystems anhält, dürfte es hier keine gravierenden Korrekturen geben. In den nächsten Wochen ist daher nochmals mit Renditerückgängen bei 10-jährigen US-Treasuries und Bundesanleihen zu rechnen. „Die Diskussion um die zwei D-Wörter – Depression und Deflation – spricht bis ins Frühjahr 2009 hinein gegen einen nachhaltigen Zinsanstieg. Temporär könnte allerdings die hohe öffentliche Kreditaufnahme zur Finanzierung von Fiskalprogrammen die Rentenmärkte belasten“, erwartet Mainert.
Mittelfristiger Aufwärtstrend des US-Dollar
Auf Sicht von zwölf Monaten – bei zwischenzeitlich durchaus volatilen Bewegungen – sollte der US-Dollar leicht fester notieren, da sich die erwartete Konjunkturerholung in den USA früher abzeichnen dürfte als in Europa.
Aktienmärkte bleiben zunächst unter Druck
Die Aktienmärkte stehen weiter im Spannungsfeld zwischen attraktiver Bewertung einerseits und schlechten Wirtschaftsnachrichten und damit einhergehenden Abwärtsrevisionen der Gewinnerwartungen andererseits. Im Verlauf des späten Winterhalbjahrs könnten die Aktienmärkte jedoch anfangen, eine nachhaltigere konjunkturelle Erholung vorwegzunehmen. Positivfaktoren wie attraktive Buchwerte, niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) und hohe Dividendenrenditen dürften dann allmählich in den Vordergrund treten. Mainert: „Die aktuellen Aktienbewertungen haben bereits einiges an weiteren Abwärtsrevisionen für die Gewinnerwartungen vorweggenommen. Auf Sicht von zwölf Monaten erwarten wir bei Dax und Euro-Stoxx höhere Indexstände als gegenwärtig.“
Goldpreis dürfte Marke nicht nachhaltig überschreiten
Gold genießt weiterhin den Status eines sicheren Hafens in Krisenzeiten. Einige Anleger müssen zurzeit aber wohl Gold gegen Liquidität eintauschen. Das hat den Preisanstieg bislang gedämpft. Eine traditionell preissensitive und damit zurückhaltende Schmucknachfrage dürfte jedoch einem merklichen Preisanstieg über die Marke von 1.000 US-Dollar pro Unze entgegenstehen.