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Historische Parallelen am Aktienmarkt

Unter Aktienanalysten scheint sich derzeit ein Konsens herauszuschälen. Das erste Halbjahr wird eher noch schlecht. Die Kurse könnten weiter zurückgehen. Im zweiten Halbjahr wird es aber eine Erholung geben. Im Gesamtjahr resultiert dann per Saldo ein leichtes Plus. Funds | 23.02.2009 04:30 Uhr

Von 30 befragten Analysten sehen nur 3 den DAX am Jahresende im Minus. Alle anderen erwarten einen Anstieg. Solch eine einhellige Meinung der Experten macht skeptisch. Erfahrungsgemäß kommt es am Ende doch anders. Zusätzliche Informationen sind daher gefragt.

Der Volkswirt kann hier mit seinen Überlegungen nicht viel Klarheit liefern. Fundamental sieht es zwar so aus, als würde sich die Konjunktur dank der geld- und fiskalpolitischen Stimuli im zweiten Halbjahr stabilisieren. Das müsste sich schon im ersten Halbjahr 2009 in einer positiven Kursentwicklung niederschlagen.

Viele warten auf bessere Zeiten 

Dagegen stehen aber die Risiken bei der Finanzkrise, den Häuserpreisen und den Schwellenländern. Bei ihnen ist noch kein Ende absehbar. Sie dürften die Märkte weiter belasten. Positiv wirkt die hohe Liquidität, sowohl bei privaten als auch bei institutionellen Investoren. Die meisten von ihnen halten sich bei Aktienkäufen derzeit noch zurück. Sie warten auf bessere Zeiten. Wenn sich die Stimmung dreht, kann die „geparkte“ Liquidität den Markt schnell nach oben treiben. Aber niemand weiß, wann das der Fall sein wird.

Vielleicht helfen in dieser Unsicherheit ein paar Vergleiche mit der Vergangenheit. In den letzten Monaten sind eine Reihe von historischen Daten veröffentlicht worden, die in paar interessante Schlüsse zulassen:

  • Seit Anfang des 19. Jahrhunderts gab es – gemessen am amerikanischen Index S&P 500 – nur ein Jahr, das bei den Aktienkursen so schlecht wie 2008 war. Das war 1931, also mitten in der großen Weltwirtschaftskrise. In allen anderen Jahren sind die Aktienkurse weniger stark zurückgegangen. Das macht deutlich, in welch außergewöhnlichen Situation wir uns befinden. Die Wahrscheinlichkeit, dass 2009 noch einmal so schlecht wird, ist nach den historischen Daten zu urteilen geringer als 1%.
  • Es gab in den letzten 180 Jahren nie zwei aufeinanderfolgende Jahre, in denen sich die Aktienkurse besonders schlecht entwickelten. Nach dem Jahr 1931 gingen die Aktienkurse nur noch um 5% zurück. Im Jahr darauf (als die Krise volkswirtschaftlich gesehen immer noch nicht beendet war) stiegen die Kurse dann sogar um über 50% an.
  • Ähnlich in anderen Aktienkrisen. Nach dem Einbruch 1974 (um knapp 30%) wegen der damaligen Ölpreiserhöhung erhöhten sich die Kurse 1975 um über 30%. In der dotcom Krise Anfang dieses Jahrzehnts gingen die Notierungen 2002 um über 20% zurück, schnellten ein Jahr später dann aber um über 20% wieder noch oben. Die historische Evidenz gibt also einigen Anlass zu Optimismus. Wenn es 2009 noch nicht richtig nach oben gehen sollte, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir 2010 ein gutes Aktienjahr erleben.
  • Wenn man nicht nur einzelne Jahre miteinander vergleicht, sondern ganze Zyklen, dann zeigt sich, dass die aktuelle Baisse etwa so tief ist wie diejenigen nach der ersten Ölkrise Mitte der 70er Jahre beziehungsweise nach dem Platzen der new economy Blase Anfang dieses Jahrhunderts. Der Unterschied liegt nur darin, dass diesmal alles sehr viel schneller ging. Die Baisse nach der ersten Ölkrise war um ein Drittel länger, die nach der dotcom Blase sogar doppelt so lang. Das spricht dafür, dass der Großteil der Abwärtsbewegung jetzt schon hinter uns liegen könnte, dass es aber noch nicht gleich wieder nach oben geht, weil der Markt Zeit braucht.

 

  • Der Aktieneinbruch während der Weltwirtschaftskrise war dagegen weit größer und dauerte sehr viel länger als der heutige. Er ließ die Aktienmärkte insgesamt über zweieinhalb Jahre um fast 90% einbrechen. Wenn sich dies jetzt wiederholen würde, stünde uns also noch einiges bevor. Das halte ich freilich wegen des heute massiven Gegensteuerns der Politik für unwahrscheinlich.
  • Die Erfahrung, dass jetzt alles sehr viel schneller geht, wird auch von Daten über die internationalen Finanzkrisen bestätigt. Alle diese Krisen waren mit Aktienkursrückgängen verbunden. Im Schnitt dauerten diese dreieinhalb Jahre. Sie brachten einen Einbruch der Notierungen um 55% mit sich. Gemessen daran hätten wir bei den Kursrückgängen das Schlimmste hinter uns; es stünde uns aber zeitlich gesehen noch eine Durststrecke bevor, bevor es wieder nach oben geht. Es gibt nur zwei Fälle, in denen es sehr viel schlechter ging. Das eine war Island 2008, als die Kurse in einem Jahr um über 90% zurückgingen. Das andere war Irland 2007, als die Kurse innerhalb eines Jahres um fast 60% zurückgingen. Das sind aber Ausnahmen, mit denen wir uns nicht vergleichen müssen.
  • Noch eine etwas allgemeinere Aussage zur Marktentwicklung in den letzten 200 Jahren. Es gibt deutlich mehr Jahre, in denen die Kurse gestiegen sind. In fast der Hälfte der Jahre haben sich die Kurse um bis zu 20% erhöht. Nur in einem Drittel aller Jahre gab es ein Minus.

Vorsicht ist geboten

Historische Parallelen haben natürlich keinerlei Beweiskraft. Jedes Jahr fängt immer wieder von vorne an. Viele Investoren haben sich schon die Finger verbrannt, indem sie zu sehr auf Wahrscheinlichkeiten bauten. Also Vorsicht. Andererseits können solche Vergleiche bestehende Gefühle verstärken. Ich ziehe drei Schlüsse: Erstens spricht viel dafür, dass 2009 nicht noch einmal ein solches Katastrophenjahr wie 2008 wird. Zweitens war die Krise bisher zu kurz, um sagen zu können, dass sie schon vorbei sein könnte. Die Unsicherheit wird mindestens noch ein, zwei Jahre anhalten. Das dritte: In dieser Zeit müssen die Kurse aber nicht noch weiter nach unten gehen. Viel spricht dafür, dass sich die Notierungen in diesem Jahr bei erheblichen Schwankungen auf niedrigem Niveau halten, dass es im nächsten Jahr dann aber – hoffentlich – kräftiger nach oben geht.


Zum Autor: Martin Hüfner war viele Jahre Chefvolkswirt bei der HVB und Senior Economist bei der Deutschen Bank. Heute berät er Finanzdienstleister und schreibt für verschiedene Publikationen. Hüfner ist seit 2006 volkswirtschaftlicher Berater des führenden österreichischen Discount-Brokers direktanlage.at.


Gastkommentare werden von anerkannten Finanzmarktexperten verfasst, deren Meinungen nicht mit jener der e-fundresearch.com Redaktion übereinstimmen müssen. 

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