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Das Risiko der Bilanzrezession

Vor dem Hintergrund der Staatsschuldenkrise wird der Ruf nach einem Schuldenabbau lauter. Die Erfahrung in Japan zeigt, dass dies weder für die USA noch für Europa eine gute Lösung ist und das Risiko eines Rückfalls in die Rezession erhöht, erklärt Richard C. Koo, Chief Economist, Nomura Research Institute. Funds | 19.05.2010 15:41 Uhr

Wenn private Haushalte oder Unternehmen hohe Schulden angehäuft haben und die Grenze der Belastbarkeit erreicht wird, ergeben sich nur noch zwei mögliche Alternativen. Im ungünstigen Fall erwirtschaften die Haushalte oder Unternehmen keine ausreichenden Cash Flows mehr und schlittern in die Pleite. Im günstigen Fall reichen die Cash Flows zur Bedienung der Schulden aus und führen über einen längeren Zeitraum zu einem Schuldenabbau. Richard C. Koo: "Doch auch diese Variante hat ihre Tücken, weil das Risiko besteht, dass viele private Haushalte oder Unternehmen zur gleichen Zeit die Leverage Position abbauen und dies zu einer umfassenden Bilanzrezession in der Volkswirtschaft führen kann. Dies passiert dann, wenn Vermögenswerte, wie beispielsweise Hauspreise oder Produktpreise sinken. Nach dem Platzen einer Vermögensblase übersteigen nicht selten die Schulden die Vermögenswerte." Vor allem auf der Seite der privaten Haushalte führt dies zu negativen Vermögenseffekten. Konsumenten werden weiter verunsichert und reduzieren ihren Konsum, verzögern wichtige Kaufentscheidungen und tragen zu einer allgemeinen Verlangsamung der Geldumlaufgeschwindigkeit bei.

Wenn die Kreditnachfrage einbricht

Im Kampf gegen die Finanzkrise im Jahr 2008 wurden umfangreiche Zinssenkungen in den USA und in Europa als Allheilmittel eingesetzt. Sehr oft wird die Situation in den USA und Europa nicht gerne mit den leidvollen Erfahrungen in Japan in den Jahren 1990-2005 verglichen. Richard C. Koo: "Zugegeben, in Japan wurden die Zinsen nicht so rasch wie in den USA oder in Europa gesenkt. Das große Problem entsteht dann, wenn sogar bei niedrigsten Zinen die Kreditnachfrage nicht mehr ansteigt, sondern sogar sinkt. In diesem Fall wirkt die Geldpolitik der Notenbanken überhaupt nicht mehr."

Wenn Haushalte und Unternehmen die Verschuldung reduzieren, wandern Teile der Einkommen bzw. Cash Flows in den Finanzsektor um die ausstehenden Kredite zu reduzieren. Daher wäre es absolut notwendig, wenn der Staat diese Lücke mit eigener Kreditaufnahme stützen könnte und dadurch die Wirtschaft stimulieren würde. Die Finanzierung dieser Stimulierungsmaßnahmen durch den Staat ist gesamtwirtschaftlich kein Problem, da der Privatsektor durch die zusätzliche Ersparnis dem Finanzsektor die Mittel zur Verfügung stellt.

Das Rezept gegen die Bilanzrezession

Richard C. Koo: "In Japan wurde über einen langen Zeitraum die Wirtschaft gestützt. Kaum wurde jedoch der Stimulus zurückgefahren oder sogar in einem Anflug von Optimismus die Steuern erhöht, stürzte die Wirtschaft sofort wieder in die Rezession. Wir haben in Japan leidvolle Erfahrung damit gemacht und sind so jahrelang einen Zig-Zag-Kurs gefahren. Der wichtigste Teil des Rezepts gegen die negativen Folgen einer Bilanzrezession ist der folgende Punkt. Die Stimulusprogramme der Regierungen können erst dann enden, wenn eindeutig klar ist, dass die nicht mehr von den Staaten in Anspruch genommenen Kredite vom Privatsektor übernommen werden und Haushalte und Unternehmen wieder Investitionen tätigen und diese mit Krediten finanzieren werden. Wenn dieser Punkt nicht beachtet wird, steigt das Risiko eines Rückfalls in die Rezession wieder extrem stark an."

Auf die Frage, ob die aktuellen Pläne in den USA oder Europa hinsichtlich Steuererhöhungen und Maßnahmen zur Budgetkonsolidierung vor diesem Hintergrund sinnvoll wären, kann Richard C. Koo nur die Warnung vor den negativen Erfahrungen in Japan verstärken. Im Jahr 1997 wurde Japan nach einem ähnlichen Schritt mit weiteren fünf Quartalen negativem Wachstum bestraft. Der Chefökonom des Nomura Research Instituts betont auch, dass es Japan als erstes Land in der jüngeren Geschichte geschafft hatte, ohne massive Erhöhung der Rüstungsausgaben oder Vorbereitung für einen Krieg aus einer solch schwierigen Bilanzrezession zu entkommen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Analyse der Investorenbasis. Während in Japan nahezu das gesamte Volumen des Stimulus im eigenen Land finanziert werden konnte, sind die USA und auch Europa zu einem größeren Teil noch von ausländischen Investoren abhängig.

Nie wieder Schulden

Richard C. Koo: "Man sollte auch nicht vergessen, dass die meisten Haushalte und Unternehmen in Japan nach dem jahrelangen Schuldenabbau kein Interesse mehr an der Aufnahme neuer Schulden hatten. Auch die Unternehmen waren nicht mehr interessiert zu investieren. Ein sehr unglücklicher Zufall war, dass ein umfangreiches Investitionsförderungsprogramm in Japan im Jahr 2008 durch den Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers in den USA gestoppt werden musste, weil nach dem starken Rückgang der Nachfrage nach japanischen Exportgütern die Investitionsbereitschaft auf Null gesunken war." Die sinkende Bereitschaft der Konsumenten und Unternehmen nach dem Durchleben einer Bilanzrezession wieder in einen kreditfinanzierten Investitionsmodus zu wechseln, sollte von Zentralbanken und Regierungen nicht vernachlässigt werden. Beispiele aus der Vergangenheit beweisen, dass dies ein sehr realistisches Szenario ist, das bei der Gestaltung der Geld- und Fiskalpolitik berücksichtigt werden sollte.


Richard C. Koo ist unter anderem auch Autor des Buches "The Holy Grail of Macroeconomics: Lessons from Japans Great Recession".


Nomura Research Institute

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