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Der Weg aus der Schuldenfalle

Zwei der wichtigsten Ökonomen und Investment Strategen - Philipp Vorndran, Flossbach & von Storch AG, und Dr. Thomas Steinemann, Bank Vontobel AG - haben exklusiv für e-fundresearch 10 Fragen zum Thema "Weg aus der Schuldenfalle" beantwortet: Funds | 27.05.2010 04:30 Uhr
e-fundresearch: "Wo liegt der Kern des Problems für die Krise in der Eurozone?" Philipp Vorndran: "… dass man mit der Einführung der Einheitswährung eine politische Vision umgesetzt hat ohne einen funktionierenden strukturellen und ökonomischen Unterbau. Eine hart arbeitende EZB als Basis allein reicht nicht. Abgesehen davon ist für uns allerdings immer noch fraglich, ob die Vorteile einer Einheitswährung (effizienterer Umgang, Ausschaltung bestimmter Währungsrisiken, internationale Bedeutung) die Nachteile (Verlust einer individuellen Notenbankpolitik, Möglichkeit einer gezielten Auf- bzw. Abwertung) wirklich aufwiegen."

Dr. Thomas Steinemann: "Das Kernproblem  liegt darin, dass es keine Budgetautorität für ganz Europa gibt, welche quasi ein "federal budget" erstellt. Stattdessen  macht jeder Staat seinen eigenen Haushalt und verstößt je nach dem mehr oder weniger gegen die Maastrichtkriterien. Zudem fehlt das gemeinsame Verständnis, dass - falls man mit ungleichen Ländern eine Währungsunion macht - ein gewisser Fiskalausgleich unumgänglich ist, so wie das ja innerhalb Deutschland zwischen den Bundesländern in Deutschland, bei den Kantonen in der Schweiz und den Bundesstaaten in den USA der Fall ist. Warum sollte das in einer Europäischen Währungsunion anders sein?"

e-fundresearch: "Wie beurteilen Sie das Krisenmanagement der Regierungen und Zentralbanken seit Herbst 2008? Welche positiven Schritte wurden gesetzt und wo wurden Fehler gemacht bzw. waren Versäumnisse festzustellen?"

Dr. Thomas Steinemann: "Positiv war, dass 2008 relativ rasch Rettungspakete für die Finanzwirtschaft geschnürt wurden. Negativ ist, dass dies überhaupt notwendig war. Besonders stoßend am letzten 750 Mrd Paket ist, dass es lange dauerte, bis es realisiert werden konnte. Hätte man bereits im März gehandelt, wäre nur ein Bruchteil der Summe nötig gewesen."

Philipp Vorndran: "Leider gab es viel Aktionismus und Garantien des Staates aber sehr wenig wirklich Zählbares. Anreizstrukturen blieben weiter falsch gesetzt. Ein Beispiel: Im ersten wie im zweiten Teil der Finanzkrise, hat man den gleichen Fehler gleich zwei Mal begangen: die Risiken der Gläubiger von Finanzunternehmen und Staaten wurden minimiert und nur die Aktionäre respektive die Steuerzahler mussten bluten. Damit wurde Moral Hazard als Investmentmaxime bestätigt und die aktuelle Rettungspolitik scheinbar "alternativlos". Außerdem gab es beim 2008 lauthals geforderten Umbau des Finanzsystems wenig Zählbares - die Lobbyarbeit der Banken ist einfach zu gut. Die notwendige Wiedereinführung eines Trennbankensystems scheint nicht mehr auf der Agenda zu sein. Dagegen doktert man an wenig zielgenauen Straf-Steuersystemen und Handelsbeschränkungen herum, die die Entwicklung neuer Umgehungsstrategien geradezu herausfordern. Außerdem baut man den „Spekulanten“ als Sündenbock auf."

e-fundresearch: "Welches Land bzw. welche Ländergruppe wird in den kommenden Monaten die Entwicklungen auf politischer und wirtschaftlicher Ebene am stärksten beeinflussen und welche Zielsetzungen werden verfolgt?"

Philipp Vorndran: "Deutschland wäre eigentlich - zusammen mit den Niederlanden, Finnland, Luxemburg und Österreich - aufgerufen, die Prinzipien der Maastricht-Kriterien und damit die Ersparnisse ihrer Bürger tatkräftig zu verteidigen. Wir kommen an harten Einschnitten nicht vorbei, auch wenn der jetzige Zeitpunkt dafür von vielen als ungeeignet bezeichnet wird (aber gibt es je den richtigen?). Doch die Erfahrungen der letzten Wochen lassen eher vermuten, dass eine Koalition der „Angeschlagenen“, unter der Führung Frankreichs, die Agenda nach vorne treibt. Sie realisieren, dass die Situation für ihre Länder wirklich existenzbedrohend ist, während man sich im Norden an den kurzfristig positiven Effekten eines schwachen Euros für seine Exportindustrie „labt“. Dies ist keine guten Nachrichten für einen stabilen Euro, auch wenn die Fitness von US-Dollar, Pfund und Yen genauso ungenügend ist."

Dr. Thomas Steinemann: "Deutschland hat als wichtigstes und größtes Land der EU viele Möglichkeiten, Akzente zu setzen. Zudem ist die Entwicklung in Spanien von großer Bedeutung; die Zinsen sollten nicht stark über 6% steigen, da sonst die Gefahr der Schuldenspirale akkut wird."

e-fundresearch: "Welche Massnahmen (Sparpakete, Steuererhöhungen, Inflation, ...) sind notwendig um die Staatsfinanzen in Europa nachhaltig zu sanieren und welche Auswirkungen hätte dies auf die Konjunktur in Europa? Befindet sich Europa derzeit schon in einer Schuldenfalle?"

Dr. Thomas Steinemann: "Sparen und für schlechte Zeiten auf die Seite legen ist gut, aber in schlechten Zeiten stark sparen ist kontraproduktiv. Eine antizyklische Wirtschaftspolitik ist gefragt. Dies scheint im Moment zunehmend weniger der Fall zu sein. Auf der anderen Seite ist ein steigendes Problembewusstsein hinsichtlich Staatsfinanzen positiv zu vermerken."

Philipp Vorndran: "Wenn man sich die Staatshaushalte in der Eurozone anschaut, dann ist die Frage einfach zu beantworten. Wirklich nachhaltig sparen kann man nur durch drastische Einschnitte im Sozial- und Gesundheitsbereich, alle anderen Bereiche sind einfach nicht mehr groß genug oder für unsere Volkswirtschaft zu wichtig (Bildung und Infrastruktur). Wir benötigen einen Reset bei den Gesundheitssystemen und der Altersvorsorge. Zumindest alle Berufsanfänger sollten ab sofort nur noch in ein kapitalgedecktes System einzahlen (mit tiefem Anteil nominaler Assets (!)) und der verbleibende umlagenfinanzierte Restbestand muss über Steuersubventionen durchfinanziert werden. Um die Belastungen nicht ausufern zu lassen, muss das Renteneintrittsalter aber zusätzlich weiter ansteigen (>70 Jahre).

Die Krankenversicherung sollten möglichst rasch in eine Kopfpauschale umgewandelt werden, mit verursachergerechten, lohnunabhängigen Beiträgen (ähnlich dem System in der Schweiz) – selbst wenn dann der Staat wirklichen Härtefällen unter die Arme greifen muss.

Auch an einem flexibleren Arbeitsmarkt führt kein Weg vorbei, d.h. wir müssen Neueinstellungen attraktiver machen, was ohne ein Aufbrechen des Bestandsschutzes existierender Arbeitsverhältnisse nicht gehen wird. Angesichts der demographischen Entwicklung werden gut ausgebildete Arbeitnehmer ohnehin zum Flaschenhals. Wenn für solche "Revolutionen" in Politik und Gesellschaft keine Bereitschaft vorhanden ist, dann kommen wir tatsächlich nicht aus der Schuldenfalle heraus."

e-fundresearch: "Braucht die Eurozone ein Maastricht II? Wenn ja, welche neuen Grundregeln sollten gelten?"
 
Philipp Vorndran: "Wenn die Regeln genauso wenig eingehalten werden, wie bisher, ist jedes neue Regelwerk zwecklos! Mit einer klare finanzielle Haftung von Staaten und der für die Verstöße verantwortlichen Politiker (ähnlich der Managerhaftung) würden aber auch schon die bestehenden Regeln ausreichen. Sie sind klar genug formuliert und brauchen unserer Meinung keine drastischen Änderungen."

 

Dr. Thomas Steinemann: "Die Eurozone braucht im Minimum eine Art Fiskalunion, im Idealfall eine politische Union. Zu beiden braucht es das Verständnis, dass interne Umverteilungsregeln gelten müssen. Zu glauben, dass in einer Währungsunion mit ungleichen Teilnehmerrn keine Transfers gezahlt werden müssen ist entweder naiv oder man vertuscht willentlich die Realität."

e-fundresearch: "Besteht mittelfristig in Europa das Risiko einer Stagnation über einen längeren Zeitraum - ählich wie in Japan? Wenn ja, welche Ausprägungen sind hier vorstellbar? Wenn nein, warum nicht?"

Dr. Thomas Steinemann: "Wir erwarten ein unterdurchschnittliches aber knapp positives Wirtschaftswachstum in der Eurozone über die nächsten Jahre. Die Inflation ist vorerst kein Thema."

 


Philipp Vorndran
: "Ja, natürlich! Demographie und fallendes Potenzialwachstum sind absolut vergleichbar. Wir erwarten ein langes Siechtum in Europa. Die heimischen Konsumenten (Staat wie Privathaushalte) müssen sparen und somit bleibt langfristig nur der Export als Lichtblick. Dafür brauchen wir aber hoch motivierte, erstklassig ausgebildete Arbeitnehmer und modernste Infrastruktur ... nicht gerade die Bereiche in die unsere Staaten momentan in großen Stil investieren."

e-fundresearch: "Ist es vorstellbar, dass Banken, EZB und Staaten in Europa durch Aufkaufen der Staatsanleihen durch Banken und Versicherungen (und EZB) sowie günstige Refinanzierung durch die EZB ein finanzielles ´Perpetuum Mobile" schaffen könnten. Welche Folgen könnte diese Abkoppelung von der Realwirtschaft haben?"

Philipp Vorndran: "Versuchen werden sie es. Irgendwann wird ein Kind dann aber laut ausrufen "Der Kaiser hat ja keine Kleider an" und dann wird eine kurze, kräftige Vertrauenskrise des scheinbare Perpetuum Mobile schnell stoppen. FIAT-Geld basiert auf Vertrauen ... und es fehlt nicht mehr allzu viel um das Vertrauen in unsere Währungen vollends zu zerstören."

 

Dr. Thomas Steinemann: "Eine Art quantitatives Easing ist eine Notmassnahme in Krisenzeiten. Es ist defacto eine Lockerung der Geldpolitik, wie dies auch schon die USA gemacht haben."

e-fundresearch: "Werden sich Investoren in Europa innerhalb der nächsten 12 Monate mehr mit dem Thema Inflation oder Deflation beschäftigen?"

Dr. Thomas Steinemann: "Mit Deflation."

Philipp Vorndran: "Mit dem Thema Deflation (außer wir erleben den finalen Vertrauensverlust schon innerhalb des nächsten Jahres).

e-fundreseach: "Welche Asset Allocation Strategie sollten institutionelle Investoren in Europa in den kommenden 12-18 Monaten verfolgen?"

Philipp Vorndran: "Jedes Einzelinvestment exakt auf seine Qualität hinterfragen, nominale Anlagen so weit wie möglich meiden und bei Anlagen und Lagerstellen breit diversifizieren."

Dr. Thomas Steinemann: "In der kurzen Frist bleiben wohl Staatsanleihen der USA oder Deutschlands attraktiv. Allerdings muss man Gewehr bei Fuss sein, denn die Zinswende kommt irgendwann. Unternehmensanleihen bleiben attraktiv sowie Aktien ausgewählter, hochvolativer Unternehmen."

 

e-fundresearch: "Gibt es weitere entscheidende Punkte, die Investoren in den kommenden Wochen und Monaten sehr genau beobachten sollten?"

Philipp Vorndran: "In welchen Bereichen die nächste Steuererhöhung am wahrscheinlichsten wird. Neben höheren Umsatzsteuern ist leider zu befürchten, dass man den Unternehmen und den "Vermögenden" noch tiefer in die Tasche greifen wird ... denn Nehmen ist einfacher als Sparen ..."

 

e-fundresearch: "Vielen Dank für Ihre Teilnahme an dieser Befragung!"

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