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BLOG - Privatinvestoren werden treibende Kraft für ETFs

Für die ETF-Branche wird es auch nach Abebben des Booms gute Wachstumschancen geben. Denn trotz der weiten Verbreitung von Exchange Traded Funds im institutionellen Bereich ist das Marktsegment dort noch weit von einer völligen Passivierung der Portfolios entfernt. Funds | 14.07.2010 08:37 Uhr

Zudem haben viele Hedgefonds gerade erst begonnen, sich die Möglichkeiten von ETFs für die Umsetzung ihrer Strategien zu erschließen. Und last but not least haben die Emittenten bisher das Potential der Privatinvestoren noch nicht gehoben.

Gerade die als schwierig geltenden Privatkunden könnten mit der Einführung von neuen Richtlinien für die unabhängige Kundenberatung in Großbritannien (Retail Distribution Review der FSA) einen weiteren Wachstumsschub für die ETF-Industrie in Gang bringen. Denn die Bank von England sieht ETFs, trotz der von ihr aufgezeigten Risiken in diesen Produkten, als geeignete Instrumente für Privatanleger. Die Umsetzung dieser Richtlinie wird somit nicht nur Finanzdienstleister, sondern auch für die ETF-Industrie eine Herausforderung. Sie muss sich künftig nicht nur um die Ausbildung und Betreuung von institutionellen Investoren kümmern, sondern die Idee hinter den Exchange Traded Funds der breiten Masse nahebringen.
  
Auch in den USA stehen ETFs zurzeit im Mittelpunkt einer Untersuchung der Börsenaufsicht SEC, bei der es um den Einsatz von Derivaten in Indexfonds, insbesondere in Short-ETFs geht. In ersten Ergebnissen mahnt die SEC wie die Bank von England die Komplexität der Produkte an und prüft neben einem generellen Verbot von Derivaten in ETFs auch die allgemeine Eignung solcher Instrumente für Privatinvestoren.

Trotz der unterschiedlichen Marktstrukturen ist aufgrund der allgemeinen Bestrebungen zur Regulierung der Finanzmärkte und Dienstleistungen in der europäischen Union davon auszugehen, dass Großbritannien den Schritt zur kundenorientierten Honorarberatung nicht allein durchführen wird. Andere europäische Länder werden sich diesem Ansatz per Regulierung anschließen. Das wiederum würde wegen der geforderten Qualifikation der einzelnen Berater zu einer Anhebung der Beratungsqualität im Allgemeinen führen. Hierbei stellt sich allerdings die Frage, ob die Kunden wirklich bereit sind, für eine unabhängige Finanzberatung zu bezahlen, da viele Anleger nicht über ein entsprechendes Anlagevolumen verfügen. Wobei sich mit Hilfe eines gesetzlichen Zwanges auch hier Geschäftsmodelle entwickeln lassen, die für alle Seiten vorteilhaft sind.

Für den deutschen Markt würde eine solche Regulierung eine massive Umstrukturierung der Vertriebswege und -infrastruktur bedeuten. Zum einen müssten viele der etablierten Vertriebe ihr Karriere- und Vergütungssysteme umstellen und ihre Berater hinreichend für den Handel mit börsennotierten Instrumenten qualifizieren. Zum anderen müssten sich die Abwicklungsplattformen an den Börsenhandel anschließen, um den Anlegern und ihren Beratern alle Vorteile im Handel mit ETFs (Stopp-Loss-Orders, etc.) zu ermöglichen.

Was sich im ersten Schritt einfach anhört, ist im Detail aber sehr komplex. Müssen doch insbesondere die freien Finanzdienstleister entsprechend geschult werden, damit sie in der Beratung und Betreuung beziehungsweise bei der Umsetzung der Kundenwünsche keine Fehler machen.

Hinzu kommt, dass die Abwicklungsplattformen ihr Geschäftsmodell verändern müssen. Denn neben dem Börsenanschluß mit den entsprechenden Handelsmöglichkeiten werden unter anderem Bargeldkonten benötigt, um die Orders abwickeln zu können. Auch werden Anbieter und Börsen über den großen Teich blicken müssen und nach amerikanischem Vorbild die komplexeren Produkte in institutionelle und für Privatanleger geeignete Produkte aufteilen. Dann können Privatanleger beginnend mit der Umsetzung der englischen Finanzdienstleistungsrichtlinie im Jahr 2012 eine der großen treibenden Kräfte für das weitere Wachstum der europäischen ETF-Industrie werden.

 


Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.

 


Über den Autor Detlef Glow, MBA (UoW):
  
Glow begann im Jahr 2005 als Leiter der Fondsanalyse für Deutschland und Österreich bei Thomson Reuters - Lipper. Seit Anfang 2007 ist er dort Leiter der Fondsanalyse für Zentral-, Nord- und Osteuropa. Zuvor war er als Direktor Portfoliomanagement bei der Feri Wealth Management GmbH in Bad Homburg als Portfoliomanger für vermögende Privatkunden tätig. Seine Karriere begann Glow neun Jahre zuvor bei der tecis Holding AG in Hamburg, wo er zuletzt als Leiter der Fondsanalyse sowohl für das quantitative als auch das qualitative Fondsresearch der tecis Asset Management AG verantwortlich war.

 


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