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Auswirkungen der Inflation auf Preise

Richard Batty, Gobal Investment Strategist, Standard Life Investments, analysiert und kommentiert im folgenden Gastkommentar die Frage: Welche Auswirkungen hat die Inflation auf die Preise europäischer Anlageklassen? Erfahren Sie mehr hier: Funds | 17.08.2010 13:51 Uhr

Welche Auswirkungen hat die Inflation auf die Preise europäischer Anlageklassen?

Eine Analyse von Richard Batty, Gobal Investment Strategist, Standard Life Investments

Inflation und Deflation zählen zu den größten wirtschaftlichen Risiken, die Anlegern in ganz Europa in den kommenden Jahren drohen. Die außergewöhnliche Konjunktur- und Marktentwicklung der vergangenen Jahre sorgte für die tiefste Rezession seit den 1930er Jahren. Diesem Abschwung wurde mit dem größten geld- und fiskalpolitischen Maßnahmenpaket begegnet, das je von Regierungen und Zentralbanken geschnürt und das durch die jüngste Schwäche des Euro sogar noch ausgeweitet wurde. Obwohl sich die Konjunktur in Europa inzwischen etwas erholt hat, sind die langfristigen Auswirkungen der Krise nach wie vor ungewiss. Auch wenn die Phase der Konjunkturerholung weiter anhält, so zeichnet sich immer deutlicher ab, dass sich die Volkswirtschaften unterschiedlich entwickeln. Begründet ist dies sowohl durch die Unterschiede in den fiskalpolitischen Reaktionen auf die Krise als auch durch die problematische Haushaltssituation der Euro-Länder. So gibt es nach wie vor Länder, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine Deflation abzurutschen drohen bzw. in denen diese anhält. Dies gilt beispielsweise für Spanien und Irland.

Andererseits fällt die Inflationsrate in vielen Teilen der Eurozone nur gering aus. Für einige dieser Volkswirtschaften ist der Inflationsausblick besonders unsicher. Obwohl die Kerninflationsrate derzeit durch hohe Überschusskapazitäten in Schach gehalten wird, besteht aber gleichzeitig die Sorge, dass entweder Produktionslücken schneller geschlossen werden könnten, als viele Anleger aktuell erwarten, oder aber, dass die geld- und fiskalpolitischen Entscheider einen Inflationsanstieg herbeiführen – beispielsweise, um der hohen Staatsverschuldung zu begegnen. In jedem Fall steht fest, dass die Inflationsentwicklung der nächsten Jahre für Anleger weitreichende Folgen haben wird.

Eurozone teilt sich in drei Inflationsgruppen auf

Allgemein dürfte die Inflation in Europa moderat bleiben: Für die nächsten fünf Jahre prognostiziert der Internationale Währungsfonds (IWF) eine jährliche Teuerungsrate zwischen 1,5% und 2%. Bei genauerer Betrachtung gestaltet sich die Situation jedoch wesentlich komplexer.

Nach unserer Analyse lassen sich in der Eurozone drei Gruppen von Volkswirtschaften unterscheiden: Zur ersten Gruppe gehören die von der Deflation bedrohten Volkswirtschaften. Dazu zählen Irland und möglicherweise weitere Volkswirtschaften wie Spanien und Portugal, in denen entweder immer noch Rezession herrscht oder die aufgrund harter Sparmaßnahmen erneut in die Rezession abzurutschen drohen.

Zur zweiten Gruppe gehören die großen Volkswirtschaften der Eurozone, in denen sich die Inflation im Großen und Ganzen innerhalb der Zielwerte der Europäischen Zentralbank (EZB) bewegt.

In der dritten Gruppe befinden sich viele Länder, die keinem der genannten Muster folgen. Zum Beispiel hat die Inflation in Griechenland überraschend angezogen. Dies deutet möglicherweise darauf hin, dass mehr Kapazitäten dauerhaft verloren gegangen sind als Kapazitätsreserven zur Verfügung stehen. Auch hat die Zahl der Arbeitslosen weniger stark zugenommen als viele Beobachter erwartet hatten. Obwohl die meisten Marktbeobachter davon ausgehen, dass die jährliche Inflationsrate im Laufe des Jahres überall in der Eurozone deutlich zurückgeht, macht die Hartnäckigkeit, mit der sie anhält, einige Anleger verständlicherweise nervös.

Relevant aus Sicht der Anleger ist nicht nur das Inflationsniveau, sondern auch die Volatilität der Inflation, also das Ausmaß, in dem die Inflation gefallen oder gestiegen ist. Folgende Frage rückt damit in den Mittelpunkt: Werden sich die während der vergangenen ein, zwei Jahre beobachteten Schwankungen der Inflation in einer höheren Inflationserwartung niederschlagen, wie bereits in den Umfragewerten berücksichtigt oder in den Finanzmärkten eingepreist? Bedeutend wäre eine solche Entwicklung, wenn sie zu einer veränderten Zinspolitik der EZB führen würde, was die Wertentwicklung von Vermögenswerten beeinflussen würde. Wie dem auch sei, jegliche Art von geldpolitischen Entscheidung wird durch das Problem der Inflation bestimmt.

Portfolios sollen in reale Werte investiert sein

Wie sollten Anleger mit dem unsicheren Inflationsausblick umgehen? In erster Linie sollten sie sich darauf einstellen, dass es in unsicheren Zeiten teurer ist, sich gegen das Inflationsrisiko abzusichern als in Zeiten, in denen der Ausblick klarer ist. Wie hoch die Prämie für eine Absicherung gegen das Inflationsrisiko konkret ist, lässt sich ebenso nur schwer abschätzen wie, ob die Veränderung dieser Prämie nur vorübergehend oder anhaltend ist und ob es entsprechend zu einer mehr oder weniger starken Beeinträchtigung der Preise der Vermögenswerte kommt.

Wenn eine Volkswirtschaft aus der Rezession heraustritt, sollten Portfolios normalerweise hoch in reale Vermögenswerte investiert sein - also in Anlagen, die Schutz gegen die ertragsschmälernde Inflation bieten, wie beispielsweise Rohstoffe, Aktien, Immobilien und inflationsgebundene Anleihen. Im Gegensatz dazu sind die sogenannten nominalen Vermögenswerte wie Staatsanleihen und Tagesgeld mit ihren festen Kuponzahlungen nicht an die aktuelle Inflationsentwicklung angepasst. Welche Wertentwicklung Vermögenswerte haben, hängt zweifellos sehr stark davon ab, wie sich die Inflationserwartung entwickelt.

Um herauszufinden, wie sich unterschiedliche Anlageklassen bei einer Veränderung der Inflationsentwicklung verhalten, haben wir den Zeitraum von 2003 bis heute untersucht. Dabei wurde Inflation entweder als vorübergehend definiert - etwa durch eine überraschende Abweichung des französischen Verbraucherpreisindexes (ohne Tabak) vom prognostizierten Medianwert. Oder Inflation wurde als dauerhaft definiert - etwa als Veränderungen der Inflationserwartungen für die 20-jährige Break-Even-Inflationsrate, d. h. die Renditendifferenz zwischen französischen inflationsindexierten Anleihen und herkömmlichen französischen Staatsanleihen. Wir hätten als Indikator für die Inflation auch Umfragen zum Verbrauchervertrauen heranziehen können. Wir sind jedoch der Meinung, dass kurzfristigere Preisschwankungen von häufig gekauften Gütern, wie z. B. Benzin, die Inflationsentwicklung auf längere Sicht unnötig verzerren.

Die Ergebnisse in der folgenden Tabelle basieren auf der Entwicklung der vergangenen acht Jahre und deuten auf diverse Veränderungen bei den Vermögenspreisen aufgrund von Veränderungen der Inflationsentwicklung hin.

Tabelle: Reaktion der Vermögenspreise auf die Inflationsentwicklung

Bei einem vorübergehenden Inflationsanstieg um 1% beispielsweise, wurden Staatsanleihen ebenso wie Unternehmensanleihen in der gesamten Eurozone nicht erheblich beeinflusst. Die deutlichste Reaktion war an den Aktienmärkten zu beobachten. So verloren die Aktienindizes FTS Euro First Eurozone und CAC40 beide knapp über 2%.

Wesentlich deutlicher fiel die Reaktion bei einer dauerhaften Veränderung der Inflationsrate um 1% aus. Je nach Laufzeit verloren nominale Staatsanleihen zwischen 2% und 15%, Papiere mit längerer Laufzeit waren dabei anfälliger für das Inflationsrisiko. Die Ausnahme bildeten italienische Staatsanleihen: 30-jährige italienische Papiere verloren rund 9% je 1% dauerhafte Inflationsveränderung. Das gleiche Szenario mit europäischen Investment-Grade-Unternehmensanleihen ergab ein Plus von rund 4% je 1% dauerhafte Inflationsveränderung. Diese Papiere erwiesen sich als guter Inflationsschutz, obwohl sie an die Entwicklung der zugrundeliegenden Staatsanleihenmärkte gekoppelt sind. Europäische Aktien gewannen in diesem Szenario in der Regel 20%, ein hoher Sprung relativ zur Inflationsveränderung. Die Reaktion von inflationsgebundenen Anleihen war hingegen nicht wesentlich.

Fazit

Zwar vertreten wir in unserer „House View“ die Ansicht, dass in den kommenden Jahren in den meisten Volkswirtschaften der Welt disinflationäre Kräfte dominieren könnten. Trotzdem besteht das Risiko, dass die unterstützende Geldpolitik und die jüngste deutliche Euro-Schwäche letztlich entweder zu einer temporär oder zu einer dauerhaft steigenden Inflation führen könnten. Da die Überschusskapazitäten in den großen Volkswirtschaften zurückgehen, sollten Anleger für den Fall einer solchen Entwicklung in Mischfonds oder inflationsgeschützten Anleihefonds positioniert sein. Geringere Überschusskapazitäten und eine weltweit gelockerte Geldpolitik bergen das Risiko einer höheren Inflation, die teilweise durch höhere Rohstoffpreise ausgelöst wird. Wenn dies die Inflation temporär nach oben treibt, kann die Reaktion der Vermögenspreise, sogar bei Staatsanleihen moderat ausfallen. Unsere Analyse zeigt jedoch: Bei dauerhaft steigender Inflationserwartung profitiert ein Mischportfolio potenziell dann, wenn es stark übergewichtet in reale Vermögenswerte investiert ist, die eine steigende Inflation besser kompensieren können. Dazu zählen Aktien und Credits, vor allem da zwei Drittel der Erträge von Credits aus dem Renditeabstand gegenüber Staatsanleihen resultieren. Untergewichtet sollten Anleger dann in Festzinspapiere wie Staatsanleihen investiert sein.


Gastkommentare werden von anerkannten Finanzmarktexperten verfasst, deren Meinungen nicht mit jener der e-fundresearch.com Redaktion übereinstimmen müssen.

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