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Schulden-Umstrukturierung unausweichlich

Guy Wagner, Chefökonom der Banque de Luxembourg, im Gespräch mit e-fundresearch über Inflationsgefahr, ausbleibende politische Lösungen und die unausweichliche Schulden-Umstrukturierung in den hoch verschuldeten südeuropäischen Ländern. Funds | 29.04.2011 04:30 Uhr
e-fundresearch: Was sind für Sie die großen Themen, die den weiteren Jahresverlauf prägen werden? Wagner: Ein großes Thema wird in den nächsten Monaten die hohe Staatsverschuldung in den Industrienationen sein. Als noch akuter sehe ich allerdings die Konjunkturentwicklung. Bekanntlich wird im Juni „Quantitative Easing 2“ auslaufen. Die große Frage ist, was danach kommt. Man darf nicht vergessen, dass die Wirtschaftserholung, die wir zuletzt gesehen haben zum Teil künstlicher Natur war. Wir glauben, dass sich die Konjunktur wieder abschwächen wird. e-fundresearch: Werden wir eine dritte Runde des Quantitative Easing sehen?

Wagner: Quantitative Easing 2 war bereits unverantwortlich. Eine dritte Runde würde zu einem noch größeren Vertrauensverlust in den Dollar führen.

e-fundresearch: Sehen Sie Anzeichen für ein organisches Wachstum in den USA?

Wagner: Kaum. Die Situation am Arbeitsmarkt hat sich kaum verbessert, der Wirtschaft machen außerdem die steigenden Rohstoffpreise zu schaffen. Beunruhigend ist die schwindende Kaufkraft der Haushalte. Der Umschuldungsprozess drückt jetzt auf den Konsum. Bis er abgeschlossen ist, werden noch einige Jahre vergehen.

Das Konjunkturprogramm und die Zinspolitik der Fed zielte darauf ab den Konsum anzukurbeln, dringend notwendige Investitionen in die Infrastruktur blieben hingegen aus. Als Folge darf kaum starkes organisches Wachstum erwartet werden. Es wurde viel Geld verpulvert, die Drohung von Standard & Poors, das Rating herabzusetzen, ist die Konsequenz.

e-fundresearch: Mit Hinblick auf die angekündigte Zinserhöhung der EZB – wie akut schätzen Sie die Inflationsgefahr in Europa ein?

Wagner: Die Inflation, die wir zuletzt in den Industrienationen gesehen haben, ist auf den steigenden Ölpreis zurückzuführen. Die Zinserhöhung der EZB ändert nichts daran. Auch der spekulative Aspekt, der zum hohen Ölpreis beiträgt, liegt außerhalb des Kontrollbereichs der EZB. Man kann den Schritt mit Geldpolitik rechtfertigen, ein großes Inflationsrisiko sehe ich jedoch derzeit nicht.

e-fundresearch: Welche Folgen könnte dieser Schritt haben?

Wagner: Südeuropa stürzt die Zinserhöhung in ein Dilemma. Diese Länder brauchen jetzt alles andere als eine Zinserhöhung. Die Frage ist, wie der Euro mit dieser Situation umgehen wird.

e-fundresearch: Stichwort Südeuropa – werden sich die hochverschuldeten Länder von selbst aus dem Schuldensumpf ziehen können?

Wagner: Südeuropa hat mehr als nur ein Liquiditätsproblem, die Schwierigkeiten sind vielmehr fundamentaler Natur. Diese Länder haben das Problem, dass sie nicht genug Einnahmen generieren, um ihre Schulden bedienen zu können. Eine Umstrukturierung der Schulden scheint unausweichlich.

e-fundresearch: Was für eine konkrete Lösung schwebt Ihnen vor?

Wagner: Ich denke an eine mögliche Restrukturierung der Schulden durch Reduzierung der Zinsen und einer Verlängerung der Laufzeiten. Ähnlich ist dies bekanntlich in den USA in den 80iger Jahren mit den Schulden der lateinamerikanischen Länder geschehen. Die Frage ist nämlich nicht ob wir eine Umstrukturierung der Schulden sehen werden, sondern wann.

e-fundresearch: Wurden Ihrer Meinung nach rückblickend seitens der Politik die richtigen Schritte gesetzt?

Wagner: Die Maßnahmen der Politik kann man insgesamt als Antworten aber nicht als Lösungen bezeichnen. Wertvolle Zeit wurde verspielt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass man sich vor die Finanzmärkte stellen muss, wenn man ein strukturelles Problem lösen will, anstatt sich von ihnen Lösungen aufzwingen zu lassen. Klar ist auch, dass falls der Euro als Konstrukt überleben soll eine Fiskalunion mit einer gemeinsamen Politik eingeführt werden muss.

e-fundresearch:  Wie sieht Ihre aktuelle Anlageempfehlung im Aktienbereich aus?

Wagner: Wir glauben, dass sich die Konjunktur wieder abschwächen wird und defensive Aktien wieder an Bedeutung gewinnen werden. Wir sehen hier viel Qualität und die Aussicht auf attraktive Dividenden. Gut gefallen uns Unternehmen mit Exposure zu den Emerging Markets, wie etwa traditionelle, nichtzyklische Konsumwerte sowie Unternehmen aus den Sektoren Gesundheit, Industrie und Technologie. Nicht investiert sind wir in Financials, Automobilwerte und Rohstoffwerte – in Versorger nur zu einem geringen Teil.

e-fundresearch: Wie schätzen Sie die Aktienbewertungen ein?

Wagner: Unserer Meinung nach sind Aktien nicht billig. Unternehmen wie Coca Cola und Nestle sind allerdings ihren Preis Wert.

e-fundresearch: Ihre Empfehlungen im Anleihenbereich?

Wagner: Im Anleihenbereich investieren wir ausschließlich in Staatsanleihen. Wenn wir ein Unternehmensrisiko eingehen wollen, dann lieber über Aktien. Viele Unternehmen, die Anleihen begehen sind nämlich hoch verschuldet und damit strukturell nicht interessant. Anleihen sind allerdings nicht nur wegen der niedrigen Zinsen nicht sehr attraktiv, sondern auch wegen dem Problem der Staatsverschuldung, das uns noch mittelfristig begleiten wird. Durchaus interessant sind deutsche, niederländische, finnische und österreichische Staatsanleihen.

Bei Schwellenländeranleihen empfehlen wir eher lokale Währungen, da wird der Meinung sind, dass diese Währungen aufgrund des Wirtschaftswachstums langfristig aufwerten werden. Eine Überlegung wert sind indonesische, polnische, brasilianische und türkische Staatsanleihen.

e-fundresearch: Welche Laufzeiten empfehlen Sie?

Wagner: Mit einem Zeithorizont von sechs bis zwölf Monate kann man lang laufende Staatsanleihen kaufen. In den nächsten Monaten wird nämlich die Entwicklung der langfristigen Zinsen von der Konjunkturentwicklung abhängig sein. Die Konjunktur dürfte sich abschwächen, und die Inflationsängste sind, zumindest zur Zeit, unbegründet.

e-fundresearch: Sehen Sie Gold als sinnvolle Portfolioabsicherung?

Wagner: Bei allem, was wir kaufen, versuchen wir uns zuerst ein Bild über den inneren Wert zu machen. Da Gold keinen inneren Wert hat, stellt es für uns auch keine Option dar. 

e-fundresearch: Herr Wagner, wir bedanken uns für das Gespräch!

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