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BLOG - Die jüngste Kritik an ETFs ist zu einseitig

Mit einem Mal stehen börsennotierte Indexfonds im Kreuzfeuer. In den vergangenen Wochen hagelte es gleich von drei Stellen Kritik an ETFs: Der Finanzstabilitätsrat (FSB), die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und der Internationale Währungsfonds (IWF). Funds | 03.05.2011 10:32 Uhr

Mit einem Mal stehen börsennotierte Indexfonds im Kreuzfeuer. In den vergangenen Wochen hagelte es gleich von drei Stellen Kritik an ETFs: Der Finanzstabilitätsrat (FSB), die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und der Internationale Währungsfonds (IWF) wiesen in unterschiedlichen Gutachten auf Gefahren für Investoren und das gesamte Finanzsystem hin, die von ETFs ausgehen können.

Vielen Marktbeobachtern stellt sich die Frage, warum börsennotierte Indexfonds gerade jetzt ins Visier geraten. Meiner Ansicht ist dies zum Teil dem erreichten verwalteten Vermögen der Branche geschuldet. Mit rund einer Billion Euro weltweit könnte die Branche aus Sicht der Regulatoren und Marktbeobachter eine kritische Größe erreicht haben. Zudem sind börsennotierte Indexfonds im Vergleich zu anderen Investmentprodukten sehr transparent, indem sie beispielsweise täglich ihre Portfoliobestände veröffentlichen. Einige Anbieter geben sogar detailliert über die Derivategeschäfte Auskunft. Das gewährt Investoren, Analysten und anderen Institutionen sehr tiefe Einblicke in die Portfolios, so dass sie überhaupt erst auf eventuelle Risiken aufmerksam werden können.

Einige Beobachter könnten hinter der jüngsten Kritik einen geschickten Schachzug der aktiven Portfoliomanager vermuten, die den Erfolg der börsengehandelten Indexfonds dämpfen wollen. Das halte ich allerdings für unwahrscheinlich. Denn aktive Fondsmanager setzen in ihren Portfolios in der Regel die gleichen Instrumente wie ihre passiven Kollegen ein: Auch sie verleihen Wertpapiere, um Zusatzerträge zu erzielen. Auch sie nutzen Derivategeschäfte, vor allem in Absolute-Return-Fonds. Und auch sie können von den Mutterbanken genutzt werden, um illiquide Wertpapiere aus den Bilanzen herauszunehmen. Daher dürften Anbieter aktiv gemanagter Fonds kein Interesse daran haben, dass diese Themen in der Öffentlichkeit diskutiert werden. FSB, BIZ und IWF sind in meinen Augen neutrale Institutionen. Daher wundert es mich, dass sie aktiv gemanagte Fonds bei ihren Gutachten völlig außen vor lassen. Denn was sie über ETFs schreiben, gilt überwiegend auch für andere Investmentfonds.

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Ein Risiko, auf das die jüngsten Kritiker hinweisen, betrifft aber tatsächlich eher ETFs als  aktiv gemanagte Fonds. Die zunehmende Spezialisierung der Produkte auf zum Teil sehr illiquide Anlageklassen. Beispielsweise gibt es in Europa ETFs auf den ägyptischen und vietnamesischen Aktienmarkt, jedoch keine aktiv gemanagten Fonds mit so eingeschränkten Länderfokussen. Die Ausrichtung auf solche engen Nischenmärkte kann dazu führen, dass die entsprechenden Produkte in Liquiditätsprobleme kommen und dann die Rücknahme der Fondsanteile aussetzen müssen. Eine derartige Maßnahme wäre für die ETF-Industrie sicherlich sehr unangenehm und würde zu einem Vertrauensverlust seitens der Investoren führen. Schließlich wirbt die Branche mit der hohen Liquidität ihrer Produkte. Zu einem Kollaps der gesamten Branche würde sie meiner Ansicht nach aber nicht führen.

Aufsichtsbehörden und Marktregulierer sollten sich jetzt daran machen, die Vielzahl der als Besicherung geeigneten Wertpapiere für alle Fonds - nicht nur ETFs - zu reduzieren, um potenzielle Risiken zu entschärfen. Zudem sollte die ETF-Industrie die Kritik zum Anlass nehmen, um ihre Informationen für Investoren zu vereinheitlichen. Das würde noch mehr Transparenz schaffen.

Aber auch wenn es noch viel zu tun gibt: Meiner Meinung nach befinden sich die Anbieter börsengehandelter Indexfonds auf einem guten Weg hin zu mehr Transparenz und einer noch höheren Akzeptanz ihrer Produkte.

 


Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.

 


Über den Autor Detlef Glow, MBA (UoW):
 
Glow begann im Jahr 2005 als Leiter der Fondsanalyse für Deutschland und Österreich bei Thomson Reuters - Lipper. Seit Anfang 2007 war er dort Leiter der Fondsanalyse für Zentral-, Nord- und Osteuropa. Seit Herbst 2010 ist Herr Glow Head of Lipper EMEA Research und damit Leiter der Fondsanalyse Europa, Mittlerer Osten und Afrika. Zuvor war er als Direktor Portfoliomanagement bei der Feri Wealth Management GmbH in Bad Homburg als Portfoliomanger für vermögende Privatkunden tätig. Seine Karriere begann Glow neun Jahre zuvor bei der tecis Holding AG in Hamburg, wo er zuletzt als Leiter der Fondsanalyse sowohl für das quantitative als auch das qualitative Fondsresearch der tecis Asset Management AG verantwortlich war.

 


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