BLOG - Sinneswandel der Portfoliomanager bei ETFs

Die Kritik an den in börsennotierten Indexfonds (ETFs) genutzten Techniken zur Indexnachbildung reißt nicht ab. Nun melden sich auch immer mehr Vermögensverwalter zu Wort, die keine synthetischen ETFs mehr nutzen wollen. Allerdings ist mir nicht ganz klar, was diese Portfoliomanager mit ihren Äußerungen erreichen wollen. Funds | 05.09.2011 08:20 Uhr
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Natürlich ist es legitim, bei diesem Thema einen klaren Standpunkt zu vertreten und diesen für das Marketing der eigenen Produkte zu nutzen.

Die Aussage einiger Verwalter, künftig keine swap-basierten ETFs mehr nutzen zu wollen, ist allerdings bemerkenswert. Denn dies lässt den Schluss zu, dass sie zumindest bisher bei der Umsetzung ihrer Anlagestrategien auch auf diese Produkte zurückgegriffen haben. Verwunderlich ist dabei, dass die Risiken, die mit den einzelnen Replikationsarten verbunden sind, gerade professionellen Anlegern schon lange bekannt waren. Schließlich werden diese Risiken ja schon seit Jahren immer wieder diskutiert.

Zudem stellt sich mir die Frage, wie diese Investoren zukünftig mit vollreplizierenden Produkten umgehen werden - denn es ist allgemein bekannt, dass auch diese ETFs derivatebasierte Strategien nutzen, um Zusatzerträge zu erzielen und Investoren somit trotzdem entsprechende Risiken in ihren Portfolios haben. Hierbei scheint auch die Tatsache übersehen zu werden, dass vollreplizierende ETFs Wertpapierleihe betreiben. Auch hat bisher noch niemand darüber gesprochen, dass Swaps und Wertpapierleihe bei allen anderen Investmentfonds gern genutzte Techniken sind und somit auch in vielen anderen Produkten außerhalb der ETFs zu finden sind.

Letztendlich ist und war die Entscheidung für oder gegen synthetische ETFs eine Frage der persönlichen Neigung des Investors. Wichtig ist dabei nur, dass der Anleger die in dem von ihm gehaltenen Wertpapiere kennt und einschätzen kann. In diesem Sinne ist die Transparenz der Anlageprodukte ein wichtiger Punkt. Gerade die Transparenz hat die ETF-Branche in den Fokus der Kritik geschoben, obwohl jeder das Portfolio eines ETF ohne großen Aufwand einsehen kann. Andere Investmentfonds ermöglichen dies nur zweimal im Jahr und können ihre Derivate und/oder Leihepositionen zudem in den Transaktionsübersichten verstecken.

Aus meiner Sicht haben beide Arten der Indexnachbildung trotz aller Kritik eine Daseinsberechtigung. Schließlich ist es nicht möglich, viele der mit Hilfe von Swaps nachgebildeten Indizes mit anderen Techniken nachzubilden. Was die ganze Kritik an der ETF-Branche und die Reaktionen der professionellen Investoren jedoch deutlich zeigt: die Anbieter börsengehandelter Indexfonds dürfen trotz aller bereits vorhandener Transparenz und Informationsinitiativen nicht aufhören, die Branchenstandards ständig weiter im Sinne der Investoren zu verbessern. Ebenso gilt es, bestehende und mögliche neue Anleger durch eine gute Aufklärungsarbeit nachhaltig von den Vorteilen der Produkte zu überzeugen. Dies bedeutet aber auch, dass die Produktanbieter mit offenen Karten spielen und ihre Replikationstechniken klar und verständlich darstellen müssen.

 


Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.

 


Über den Autor Detlef Glow, MBA (UoW):
 
Glow begann im Jahr 2005 als Leiter der Fondsanalyse für Deutschland und Österreich bei Thomson Reuters - Lipper. Seit Anfang 2007 war er dort Leiter der Fondsanalyse für Zentral-, Nord- und Osteuropa. Seit Herbst 2010 ist Herr Glow Head of Lipper EMEA Research und damit Leiter der Fondsanalyse Europa, Mittlerer Osten und Afrika. Zuvor war er als Direktor Portfoliomanagement bei der Feri Wealth Management GmbH in Bad Homburg als Portfoliomanger für vermögende Privatkunden tätig. Seine Karriere begann Glow neun Jahre zuvor bei der tecis Holding AG in Hamburg, wo er zuletzt als Leiter der Fondsanalyse sowohl für das quantitative als auch das qualitative Fondsresearch der tecis Asset Management AG verantwortlich war.

 


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