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Die europäische Union ist am Ende

Am europäischen Pressetag von Threadneedle in London sprach der renommierte Professor Andrew Clare, Cass Business School, über die europäische Schuldenkrise, die Theorie über Währungs-Unionen und was in Europa falsch gelaufen ist. Funds | 05.10.2011 13:15 Uhr
Was sagt die Theorie über Währungsunionen? Laut Andrew Clare geht die Theorie über optimale Währungszonen auf die 1960’er zurück und beschreibt den Zusammenschluss mehrerer Länder bzw. Wirtschaftssysteme mit der gleichen Währung. Tatsächlich ist die USA das bislang beste Beispiel einer optimalen Währungsunion. Aber wird der Euro ein Erfolg sein? Der Gouverneur der Bank of England meinte auf diese Frage: „Wir benötigen mindestens 150 Jahre Daten um wirklich sicher zu sein, dass ein solches Experiment funktioniert.“ Scheinbar ist diese lange Testphase von Nöten, denn selbst in Amerika, nach über 100 Jahren einer Union, zeichnen sich immer noch einige Anstrengungen und Belastungen ab. Voraussetzungen einer optimalen Währungsunion

Robert Mundell, ein kanadischer Volkswirt, dem 1999 der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen wurde, legte vier Basis-Voraussetzungen für eine optimale Währungsunion zugrunde:

Grundsätzlich sollte für eine optimale Währungszone eine ausreichende Faktor-Mobilität bestehen, wie etwa ausreichend flexible Arbeitsmärkte. Dies gewährleistet, dass sich ein asymmetrisches Verhältnis von Jobs in einer Region und Arbeitslosigkeit in einer anderen Region ausgleicht. In weiterer Folge sollte es eine Kapital und Lohn Mobilität geben: Es muss möglich sein Anpassungen an Lohntarife innerhalb der Region durchzuführen. „Über die Zeit sollte man erkennen können, dass die Länder innerhalb einer Union ihre Arbeitsabläufe angleichen und miteinander abstimmen. Sie sollten in ähnlicher Weise auf die gleichen ökonomischen Wirtschaftsschocks reagieren. Eine gemeinsame Fiskalpolitik wäre passend für alle,“ erläutert Clare eine weitere Voraussetzung der Theorie. Der vierte und letzte Punkt befasst sich schließlich mit einem gemeinsamen Risk Sharing System. Es ist immanent, dass es einen automatischen fiskalen Transfer-Mechanismus gibt, um das Geld wieder umzuverteilen. Es sollte eine fiskale Autorität geben, die die Entscheidungsgewalt hat die Steuern in einer Region zu erhöhen um Besitz in einer schwächeren Region neu zu verteilen.

„Tatsächlich steht die Wirtschaft aber an zweiter Stelle: wirklich wichtig und nötig sind eine politische Union und eine politische Solidarität über die gesamte Zone. Die Politiker müssen dieselben Ziele verfolgen und einheitlich auftreten. Darüber hinaus benötigt ein solches System einen Lecturer im Hintergrund, so dass jedes einzelne Land einer Richtung und Aufgabe zustimmt und diese verfolgt,“ unterstreicht der Cass Experte.

Was lief falsch in Europa?

„Im Jahr 1999 haben sich Bürokraten in Brüssel auf einige Konvergenz-Kriterien geeinigt. Sie zwangen somit die verschiedenen Wirtschaftsräume sich innerhalb einer vorgegebenen Zeit anzupassen. Als der Euro schließlich eingeführt wurde, nahm man einen Snapshot und sah Regionen, die sich aneinander angeglichen haben. Das Problem dabei ist nur, dass eine erreichte Konvergenz zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht bedeutet, dass diese permanent bestehen muss“, bringt es Andrew Clare auf den Punkt.

Vor allem die Distanzen zwischen den einzelnen Regionen scheinen ein großes Problem in der europäischen Union. Wer würde etwa von Spanien nach Frankreich für einen Job ziehen? In einer optimalen Zone wären die Übergänge wesentlich geschmeidiger. Zum anderen zeigte sich, dass die einzelnen Wirtschaftsräume verschieden auf gegebene Schocks reagierten. Auch die Lohntarife konnten nicht in ein System gebracht werden. Tatsache ist, dass ein griechischer Arbeiter um sieben Prozentpunkte teurer ist als etwa ein Deutscher. Südeuropa bezahlte seinen Arbeiternehmern mehr obwohl sie weniger produzierten. Deutschland hingegen unternahm große strukturelle Veränderungen um die Wirtschaftsleistung zu erhöhen und sich wettbewerbsfähiger zu machen. Griechenland etwa tat dies aber nicht.

Griechenland ist am Ende

Andrew Clare ist davon überzeugt, dass Griechenland am Ende ist. „In welchen Mantel dies auch immer gehüllt wird ist unklar, aber meiner Meinung nach ist Griechenland erledigt und wird unter keine Umständen jemals seine Schulden bezahlen können.“ Es zeigte sich, dass es gewaltige Unterschiede in der Reaktion auf Inflation in den Ländern gab. Die Märkte sind nun aufgewacht und haben eingesehen, dass nicht alle Länder auf der gleichen Risikostufe stehen. Es herrscht eine große Unsicherheit wie mit der Risikoteilung und den Schuldenständen umgegangen werden soll.

Fiskale und politische Union

Nicht die Wirtschaftsräume stehen im Vordergrund - jedes Land kann so verschieden agieren wie es möchte. Aber es ist notwendig, dass nicht nur der politische Wille für eine Union besteht, sondern dass die Menschen dahinter stehen. „ Wenn eine Bevölkerung nichts dagegen hat mit ihren Steuern den Griechen zu helfen, dann gibt es auch keine Tumulte. Aber es wird zum jetzigen Zeitpunkt immer schwieriger den politischen Willen der Völker noch zu beeinflussen. Hauptproblem ist, dass 1999 den Leuten gesagt wurde, dass jedes Land seine Souveränität über die eigene Fiskalpolitik behalten würde, dass jeder seine politische Führung selbst wählt und keine politische Macht abgegeben würde. Heute aber müssen die Politiker die Länder dazu bringen zu akzeptieren, dass sie im Grunde genommen doch keine Wahl haben. Hätten die Leute auf Mundell’s Theorie gehört, dann hätten sie erkannt, dass es nur ohne Selbstbestimmungs-Recht in einer Währungsunion funktioniert.“

Laut Prof. Andrew Clare ist momentan keine politische Führung stark genug um einen sinnvollen Lösungsvorschlag durchzubringen - dies scheint bei 27 verschiedenen Mitgliedsstaaten und somit auch 27 Entscheidungsträgern auch unmöglich. Für ihn ist der Euro nur mehr eine Frage der Zeit und er befürchtet das Schlimmste. Selbst wenn es möglich sein sollte die derzeitige Lage zu überstehen, so lägen Jahre des langsamen Wachstums, die Probleme einer alternden Bevölkerung, unsichere Industriezweige, infundierte Pensionsfonds und Verschuldungen vor uns. „Europa hat eine Menge Probleme - wir haben zwar vieles gemeinsam, aber sind trotzdem auch zu verschieden.“


Andrew Clare ist Professor für Asset Management und als stellvertretender Dekan für die Cass´ MSc Programme an der renommierten Cass Business School in London zuständig. Er war Senior Research Manager im Geldpolitik Bereich der Bank of England, die die Arbeit des Währungspolitik Komitees unterstützt. Während dieser Zeit war Andrew Clare für das Research im Aktien- und Derivate-Markt zuständig.

Ebenso arbeitete er drei Jahre lang als Finanz-Ökonom für das Legal and General Investment Management (LGIM), wo er unter anderem das Liability Driven Investment mitentwickelte. Zahlreiche Publikationen von ihm wurden in akademischen Magazinen und Fach-Journalen bereits veröffentlicht. Ein kürzlich publiziertes Ranking reiht ihn an Stelle neun der produktivsten Finanzautoren der letzten fünfzig Jahre.

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