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BLOG - Blackrocks Indizes könnten Branche umkrempeln

Der weltweit größte ETF-Anbieter Blackrock will eigene Indizes als Grundlage für seine börsennotierten Indexfonds in den USA auflegen. Mich wundert, dass der entsprechende Antrag an die Aufsichtsbehörde SEC nicht stärker in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Funds | 07.10.2011 11:10 Uhr

Denn dieser Schritt eines etablierten ETF-Anbieters kann meiner Meinung nach weitreichende Folgen für die gesamte Branche haben.

Grundsätzlich ist es nicht neu, dass sich ETF-Anbieter oder andere Vermögensverwalter daran versuchen, eigene Indizes aufzulegen. In der Vergangenheit waren es sowohl kleinere Anbieter wie C-Quadrat als auch große wie die Deutsche Bank und die Commerzbank, die wenige Indizes auf sehr spezielle Marktsegmente und Strategien entwickelt haben. Mit dem weltweiten Marktführer für ETFs drängt jetzt zum ersten Mal ein ernstzunehmender Spieler auf breiter Front in die Bastion der Indexanbieter vor.

Welche Folgen könnte dieser Schritt haben? Zum einen macht sich Blackrock durch die Auflage eigener Indizes unabhängiger von der Produktpolitik der Indexanbieter. Die Gesellschaft kann möglicherweise schneller Indizes als Basiswerte für neue ETFs auflegen und damit auf Kundenwünsche reagieren. Zudem würden sehr wahrscheinlich niedrigere Nutzungskosten für den Index anfallen, wenn es sich dabei um ein hauseigenes Produkt handelt. Dadurch könnte der darauf aufbauende ETF billiger werden, als wenn Lizenzgebühren an einen externen Anbieter anfallen.
 
Auf der anderen Seite kann eine etablierte ETF-Gesellschaft mit eigenen Börsenbarometern  den Preisdruck auf die großen Indexanbieter erhöhen. Diese lebten bisher in einer Welt, in der börsennotierte Indexfonds fast unausweichlich auf ihre Dienstleistungen angewiesen waren - und zwar gegen eine zum Teil fürstliche Entlohnung. Durch das Oligopol, das bei den Indizes vorherrscht, sind deren Anbieter in der Lage, fast jeden Preis durchsetzen zu können. Diese Preise werden letztendlich auf die Gebühren, welche die Investoren zahlen, umgelegt.

Meiner Ansicht nach zeigt Blackrocks Antrag auf eigene Indizes zwei Dinge: Erstens erscheint es, als stelle sich die Gesellschaft auf den härter werdenden Wettbewerb in der Branche ein. Indem sie versucht, weitere Felder in der Wertschöpfungskette zu besetzen, will sie dafür eine möglichst gute Ausgangsposition einnehmen. Dass selbst der bislang unangefochtene weltweite Marktführer zu solchen Maßnahmen greift, zeigt, dass sich kein ETF-Anbieter seiner Zukunft sicher sein kann - unabhängig vom aktuellen Marktanteil.

Zweitens will Blackrock meiner Meinung nach ein Warnsignal an die Indexanbieter senden. Der Platzhirsch will zeigen, dass die Branche nicht unbedingt auf die Börsenbarometer der etablierten Indexanbieter angewiesen ist. Für die Indexanbieter bedeutet dies im Umkehrschluss, dass ihre Geschäftsmodelle nicht mehr bedingungslos akzeptiert werden und sie zukünftig mit einem wachsenden Verdrängungswettbewerb durch ETF-Anbieter rechnen müssen.

Inwieweit hauseigene Indizes von Blackrock oder anderen ETF-Anbietern in der Lage wären, die etablierten Benchmarks abzulösen, bleibt jedoch abzuwarten. Denn Indizes wie der MSCI Welt oder S&P 500 haben sich in der Finanzbranche international als Maßstäbe durchgesetzt. Deswegen gehören die entsprechenden ETFs ja auch zu den volumenstärksten und meistgehandelten Produkten. Das ist meiner Meinung nach auch der Grund dafür, dass bisher nur wenige ETF-Anbieter Produkte auf hauseigene Indizes anbieten - und dann auch nur in geringem Umfang.

Es ist ja auch noch nicht klar, dass Blackrock - falls die SEC den Antrag genehmigen sollte - tatsächlich eigene Indizes bringen würde. Möglicherweise will die Gesellschaft damit nur ein Zeichen ihrer Stärke setzen. Ob weitere Anbieter dem Beispiel folgen werden, ist meiner Meinung nach fraglich. Ich denke, dazu müsste eine ETF-Gesellschaft in der Lage sein, einen ETF auf einen der etablierten Indizes ohne Verlust an verwaltetem Vermögen aus seiner Produktpalette zu nehmen.


Für den Inhalt der Kolumne ist allein der Verfasser verantwortlich. Der Inhalt gibt ausschließlich die Meinung des Autors wieder, nicht die von Thomson Reuters.


Über den Autor Detlef Glow, MBA (UoW):
 
Glow begann im Jahr 2005 als Leiter der Fondsanalyse für Deutschland und Österreich bei Thomson Reuters - Lipper. Seit Anfang 2007 war er dort Leiter der Fondsanalyse für Zentral-, Nord- und Osteuropa. Seit Herbst 2010 ist Herr Glow Head of Lipper EMEA Research und damit Leiter der Fondsanalyse Europa, Mittlerer Osten und Afrika. Zuvor war er als Direktor Portfoliomanagement bei der Feri Wealth Management GmbH in Bad Homburg als Portfoliomanger für vermögende Privatkunden tätig. Seine Karriere begann Glow neun Jahre zuvor bei der tecis Holding AG in Hamburg, wo er zuletzt als Leiter der Fondsanalyse sowohl für das quantitative als auch das qualitative Fondsresearch der tecis Asset Management AG verantwortlich war.


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