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Das Ende von Bretton Woods II

Jeder hat Angst, dass sich in China in diesem Jahr das Wachstum verlangsamen und dass dies die konjunkturellen Aussichten in Europa und den USA beeinträchtigen könnte. Erfahren Sie mehr im folgenden Gastkommentar von Dr. Martin Hüfner, volkswirt. Berater der direktanlage.at: Funds | 04.01.2012 16:54 Uhr

 

  • Die Aufwertung des chinesischen Renminbi und der starke Zuwachs der Währungsreserven des Landes scheinen zum Ende zu kommen.
  • Damit entfallen wichtige Ungleichgewichte der Weltwirtschaft.
  • Es bedeutet aber auch weniger Wachstum in China und weniger Stabilisierungseffekte durch billige Importe aus den Schwellenländern.

Jeder hat Angst, dass sich in China in diesem Jahr das Wachstum verlangsamen und dass dies die konjunkturellen Aussichten in Europa und den USA beeinträchtigen könnte.

Im Reich der Mitte vollziehen sich derzeit aber auch noch andere Veränderungen. Sie sind für die Welt längerfristig vielleicht noch wichtiger. Ich denke hier vor allem an das Ende der Aufwertung des Renminbi und des Wachstums der chinesischen Währungsreserven.

Der Renminbi hatte sich in den letzten Jahren gegenüber dem US-Dollar drastisch aufgewertet (siehe Graphik). Gemessen an den nominalen Wechselkursen ergab sich seit 2005 eine Höherbewertung von über 20%. Der Euro hat sich in dieser Zeit gegenüber dem Dollar per saldo fast nicht verändert. Real, das heißt unter Berücksichtigung der höheren Preissteigerung in China in den letzten Jahren, ist die Aufwertung des Renminbi gegenüber dem Dollar sogar noch höher.

Es spricht einiges dafür, dass es damit jetzt zu Ende geht. Der Renminbi ist nach Ansicht vieler Marktkenner nicht mehr, jedenfalls nicht mehr so stark, unterbewertet. Der chinesische Han-delsbilanzüberschuss geht zurück. Die Währung kann durch Kapitalzuflüsse zwar noch etwas stärker werden. Das sind dann jedoch eher Übertreibungen.

Es ist daher kein Wunder, dass die chinesische Zentralbank unter diesen Umständen nicht mehr so stark auf den Devisenmärkten interveniert. In den letzten Jahren hatte Peking pro Monat US-Dollar im Wert von mehr als 60 Mrd Dollar gekauft. Die gesamten Währungsreserven stiegen auf über 3 000 Mrd Dollar. Das sind die höchsten Währungsreserven der Welt. Im dritten Quartal kam dann der Umschwung. Es gab fast keine Zunahme der Währungsreserven mehr. Hier spielten zwar auch Sondereffekte eine Rolle wie die Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar (die den Chinesen Verluste brachte, weil sie einen Teil ihrer Währungsreserven in der Gemeinschaftswährung halten). Es sieht aber nicht danach aus, dass dies nur ein Ausrutscher war.

Vielmehr deutet sich ein neuer Trend an. Die Ära Bretton Woods II geht zu Ende. Sie war gekennzeichnet durch eine stillschweigende Abmachung zwischen den USA und China. Die USA importieren billige Güter aus dem Reich der Mitte. Das schafft Arbeitsplätze in China, bringt den USA aber einen Fehlbetrag in der Leistungsbilanz. Als Ausgleich erklären sich die Chinesen bereit, diesen Fehlbetrag durch Käufe von amerikanischen Staatsanleihen zu finanzieren.

Wenn dies jetzt vorbei ist, hat das erhebliche Auswirkungen:

> Das größte Ungleichgewicht in den Welt-Zahlungssalden – das Defizit im amerikanisch-chinesischen Handel – nimmt ab. Damit steigen die Chancen, dass auch der Fehlbetrag in der US-Leistungsbilanz zurückgeht.

> Die Währungsreserven der Chinesen blähen die Weltliquidität nicht mehr so stark auf. Peking hat zwar immer noch viel Geld, um im Ausland zu investieren und sich technisches Knowhow und Rohstoffquellen einzukaufen. Es ist aber nicht mehr der „reiche Onkel“ aus dem Fernen Osten. Das werden insbesondere die Europäer spüren, die auf Geld aus dem Reich der Mitte hofften. In den USA dürften geringere Käufe von Staatsanleihen durch die Chinesen zu Zinssteigerungen führen. Die Federal Reserve muss noch stärker gegenhalten.

> China kommt seinem Ziel näher, seine Währung neben dem US-Dollar und dem Euro zu einer Weltreservewährung zu machen. Bisher sah es so aus, als sei dies nur sehr langfristig zu erreichen. Wenn der Renminbi jetzt aber fairer bewertet ist und die Zentralbank nicht mehr so viel auf den Devisenmärkten interveniert, dann können Kapitalverkehrskontrollen schneller abgebaut werden. Der Renminbi wird leichter handelbar. Er wird in Zukunft sogar im Handel mit Japan stärker eingesetzt.

> Andererseits: In China werden die Wachstumsimpulse vom Export durch den teureren Renminbi geringer. Das Land muss den inländischen Verbrauch mobilisieren. Die Importkonkurrenz nimmt zu. Statt billiger lohnintensiver Produkte muss das Land technologisch anspruchsvollere Güter herstellen. Positiv ist, dass durch das Ende der Interventionen auf den Devisenmärkten die monetäre Aufblähung geringer wird. Das verringert die Inflationsgefahren.

> Für die USA und Europa werden Exporte nach China leichter, wenn der Wechselkurs die Kostenrelationen besser widerspiegelt. Die Importe aus China werden nicht mehr so stark steigen. Beides hilft dem Wachstum. Negativ ist, dass der Stabilisierungseffekt für das Preisniveau durch die „billigen T-Shirts“ aus China verloren geht. Er hatte in den letzten zwanzig Jahren dafür gesorgt, dass sich die Inflationsraten in der westlichen Welt tendenziell immer weiter zurückgebildet haben.

Für den Anleger: Schauen Sie nicht nur auf die Probleme in Europa. Es gibt daneben auch noch andere Entwicklungen, die die Märkte beeinflussen. Tendenziell ist das Ende von Brettons Woods II für den Anleger gut. Es gibt eine Quelle der Instabilität in der Welt weniger. Bei den Aktien profitieren die Unternehmen mit China-Geschäft noch mehr. Die negativen Effekte auf die Inflation sollte man im gegenwärtigen Umfeld nicht überbewerten.

Dr. Martin HüfnerVolkswirtschaftlicher Beraterdirektanlage.at

 


 

Gastkommentare werden von anerkannten Experten verfasst, deren Meinungen nicht mit jener der e-fundresearch.com Redaktion übereinstimmen müssen.

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