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Risiken an allen Ecken und Enden

Die Bank Gutmann-Experten Friedrich Strasser (Vorstandsmitglied und CIO) und Nikolaus Görg (Mitglied des Chief Investment Office) im Exklusivinterview mit e-fundresearch über die Bedeutung Chinas für die Weltkonjunktur, Fortschritte bei der Euroschuldenkrise sowie mögliches Konfliktpotenzial in den USA. Funds | 15.02.2012 04:40 Uhr
e-fundresearch: Was ist 2012 anders als 2011? Strasser: Auch wenn manche nach der letzten Finanzkrise schon an eine schnelle Rettung geglaubt haben, wissen wir jetzt, dass wir es mit einem Marathon und nicht einem Sprint zu tun haben. Wir sehen nach wie vor an allen Ecken und Enden Risiken. Görg: Es ist wichtig, dass der Markt die Hoffnung auf einen großen Wurf im Zusammenhang mit der Euroschuldenkrise aufgegeben hat. Viele kleine Schritte hin zu einer Lösung sind realistischer und zielführender. Die Schulden zu reduzieren und an Wettbewerbsfähigkeit zu gewinnen, kann nicht über Nacht durch einen Gipfel erreicht werden.

Strasser: Es geht jetzt darum, dass die EU eine glaubwürdige und nachhaltige Politik betreibt und im Falle einer wirtschaftlichen Entspannung auch dabei bleibt.

e-fundresearch: Sehen Sie Fortschritte in Europa?

Görg: Ungeachtet der Turbulenzen der letzten Wochen und Monate ist Europa weiter gekommen bei den Reformen. Einer Fiskalunion sind wir vielleicht näher als viele glauben. Solang Reformen eingeleitet werden, ist es jedenfalls ok. Die Spreads sind in Spanien und Italien bereits eingelaufen. Man darf allerdings auch das Worst-Case-Szenario nicht vergessen. Italien ist jedenfalls noch nicht in Sicherheit. Technokratenregierungen sind immer sehr gefährdet.

e-fundresearch: In den USA hat sich das konjunkturelle Umfeld zuletzt verbessert. Wie wird sich die größte Volkswirtschaft der Welt 2012 entwickeln?
 
Strasser: Die USA können heuer was das BIP-Wachstum betrifft, überraschen. Das ist von den Märkten noch nicht eingepreist. Die Märkte erwarten ein Wachstum von 1,5 bis zwei Prozent, möglich sind aber auch drei bis 3,5 Prozent.

e-fundresearch: Was sind für Sie die großen Themen in den USA?

Strasser: Zum einen ist das die dringend notwendige Infrastrukturerneuerung. Da sehr viel zu tun ist, muss man allerdings von einem langfristigen Prozess ausgehen.

e-fundresearch: Haben die USA überhaupt genug Geld für diese Investitionen?

Strasser: Das Geld für die Infrastruktur ist da, man muss es dem Militär nur wegnehmen. Das einzig gute am Debt Ceiling ist, dass Geldmittel frei gemacht werden. Die Infrastrukturerneuerung wird sich auch auf die Arbeitsplatzbeschaffung auswirken – vor allem wenig qualifizierte Arbeiter werden davon profitieren, da sie leichter unterkommen. Das zweite große Thema, dass in den USA bewältigt werden muss, ist Health Care. Jeden Tag gehen 10.000 Babyboomer in Pension.

Görg: Tatsächlich sind die immensen unfinanzierten Pensionen das größte Problem der westlichen Welt. In den USA ist die nachkommende Generation wahrscheinlich nicht mehr so produktiv wie jende der Babyboomer. Dass hier seitens der Politik nicht viel passiert, ist damit zu erklären, dass jene Menschen, die in drei bis fünf Jahren in Pension gehen, die wichtigste Wählergruppe ist.

e-fundresearch: Wie steht es um die für die Wirtschaft wichtige US-Mittelschicht?

Strasser: Gerade die Mittelschicht hat in den letzten zehn Jahren massiv gelitten.

Görg: Interessant ist, dass das reale Medianeinkommen in den USA in den letzten zehn Jahren deutlich zurückgegangen ist. D.h. die Mittelschicht in den USA muss reale Einkommensverluste verkraften. Ich sehe insgesamt großes Konfliktpotenzial in den USA. Löst sich der Gedanke des American Dream auf, sind auch Unruhen wie wir sie in den 90iger Jahren gesehen haben nicht auszuschließen. Das Land braucht dringend Erfolge.

e-fundresearch: Das globale Wachstum wird 2012 voraussichtlich schwächer ausfallen. Wie stark kann China die Weltwirtschaft antreiben?

Strasser: Man kann sich nicht auf China als Motor der Weltkonjunktur verlassen – das will das Land auch selber nicht sein. Aber China kann durchaus einen positiven Beitrag leisten.

Görg: Auf kurze Sicht kann China nicht zuletzt dank enormer Reserven sicherlich Impulse setzen, die der Weltwirtschaft helfen. Unsicher ist wie sich die heuer anstehende Machtübergabe auf die chinesische Wirtschaft auswirken wird.

e-fundresearch: Kann das Land auch mit einem geringeren BIP-Wachstum als in den vergangenen Jahren über die Runden kommen?

Strasser: Die Zeiten des zweistelligen Wachstums sind in China vorerst vorbei. Aber auch ein BIP-Wachstum von rund acht Prozent ist vernünftig und sollte keinen Anlass zur Sorge geben. China macht gerade eine interessante Entwicklung durch, von einer reinen Werkbank der Welt, hin zu einer Konsumgesellschaft.

Görg: Man darf die Zahlen in China nicht überschätzen. Trübt sich das konjunkturelle Umfeld schlimm ein, so wird die öffentliche Hand wieder einen Stimulus setzen. Dieser wird allerdings nicht so hoch ausfallen, wie 2008 und 2009. Der Supertanker China versucht jedenfalls sein Wachstumsmodell zu ändern. Ein Problem ist bislang, dass der Return auf den Kapitalstock in China immer kleiner wird, wenn die private Nachfrage mit dem Investmentboom nicht mithält.

e-fundresearch: An einer Pleite Griechenlands scheint kaum jemand mehr zu zweifeln?

Görg: Man spricht jetzt Sachen aus, die man zuvor nicht gewagt hätte in den Mund zu nehmen – wie auch eine Pleite Griechenlands. Die Frage ist, ob man das Land gegen die Wand fahren lässt oder nicht. Wenn man über einen Austritt Griechenlands aus dem Euro spekuliert, darf man nicht vergessen, dass das zu einem sofortigen Default des stark verschuldeten privaten Sektors führen würde.

e-fundresearch: Wie kann man dem Land auf die Sprünge helfen?

Strasser: Wichtig wäre es den staatlichen Sektor zurückzudrängen und die ausstehenden Privatisierungen durchzuführen. Insgesamt gibt es viele Teilbereiche der Wirtschaft, wo die Qualität noch extrem verbessert werden kann.

e-fundresearch: Nennen Sie bitte ein Beispiel?

Strasser: Sehr schlecht gemanagt ist etwa der Tourismus. Viele kleine Betriebe zahlen überhaupt keine Steuern. Eine weitere Möglichkeit hat eine McKinsey-Studie aufgezeigt. Demnach hätte Piräus das Potenzial zum wichtigsten China-Hafen zu werden. Gegen eine umfassende Reform des Hafens legt sich allerdings noch die Gewerkschaft quer.

e-fundresearch: Was unterscheidet Griechenland von Italien?

Görg: Italien ist ganz anders als Griechenland. Die italienische Industriebasis ist viel besser, was etliche Weltprodukte unterstreichen. Ist Monti in der Lage einiges flexibler zu gestalten, schaut es für das Land gar nicht so schlecht aus. Den Italienern ist es mittlerweile bewusst, dass gespart werden muss, aber wenn möglich nicht bei ihnen selbst.

e-fundresearch: Wie sehen Sie das Downgrading Österreichs durch Standard & Poor’s ein?

Görg: Für Österreich war der Downgrade letztlich ein Weckruf. Wir haben uns zu lange als Deutsche gefühlt, dabei weisen wir ein ganz anderes Risikoprofil auf. Falls es tatsächlich zu einem Nord-Euro kommt, ist es nicht gesagt, dass wir auch dabei sind.

e-fundresearch: Wie ist die Bank Gutmann aktuell positioniert?

Strasser: Insgesamt sind wir sehr konservativ aufgestellt, setzen einen Fokus auf Qualität. Jetzt ist nicht die Zeit für Experimente. Die Aktienquote bleibt weiterhin neutral. Das Exposure gegenüber Banken liegt nahezu bei null. Gut gefallen uns weiters High-Dividend-Stocks. In Staatsanleihen sind wir nur sehr selektiv positioniert, unter anderem in Deutschland, Österreich, Finnland oder den Niederlanden. Die Peripherie ist dagegen stark untergewichtet. Im Gegensatz zum Vorjahr, gibt es jetzt bei Unternehmensanleihen wieder interessante Emissionen – auch im High Yield-Bereich.

e-fundresearch: Wie sind sie in den Emerging Markets positioniert?

Strasser: Wir haben Lateinamerika derzeit nicht im Portfolio – auch Brasilien nicht. Wir fühlen uns in Asien und der CEE-Region wohler.

e-fundresearch: Herr Strasser, Herr Görg, wir bedanken uns für das Gespräch.

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