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Long/Short als Alternative für Bullen und Bären?

Die positive Entwicklung auf den internationalen Aktienmärkten im vergangenen Jahr kam für viele institutionelle Investoren überraschend. Long/Short Strategien sind grundsätzlich eine sinnvolle Alternative - konnten jedoch nicht immer die Erwartungen erfüllen. GLG verweist auf langjährige Erfahrung und stellt zu Beginn des Jahres Bullen- und Bären-Argumente gegenüber. Funds | 03.01.2013 21:00 Uhr

Allen Unkenrufen zum Trotz haben sich die weltweiten Aktienmärkte im vergangenen Jahr wacker geschlagen. Und auch wenn die Volatilität über weite Strecken anhielt, scheinen viele Anleger in den vergangenen Monaten optimistischer geworden zu sein.

Damit stellt sich zu Jahresbeginn mehr denn je die Frage: Ist diese Zuversicht noch angemessen oder aber angesichts vielfach hoher Bewertungen übertrieben? Und können die Märkte trotz der nach wie vor ungelösten Schuldenkrise immer weiter neue Höchststände erklimmen? Wie immer gibt es für beide Sichtweisen gute Gründe.

Die Man-Einheit GLG hat deshalb erneut den „Bullen“ gegen den „Bären“ antreten lassen: Jamil Baz, Chief Investment Strategist, und Ben Funnell, Chief Equity Strategist, tauschen ihre Argumente aus.

Ben Funnell vertritt dabei traditionell die Rolle des „Bullen“ – übrigens ohne dabei die tief verwurzelten und strukturellen Probleme der Weltwirtschaft zu übersehen. Auch geht er davon aus, dass sich diese auf mittlere und langfristige Sicht durchaus an den Aktienmärkten niederschlagen werden. Kurzfristig hingegen muss dies keineswegs der Fall sein.

Hierfür spricht aus Sicht des Investmentexperten auch der Umstand, dass innerhalb der Eurozone mittlerweile ein „langsamer aber stetiger Heilungsprozess“ eingesetzt hat. So nähern sich seit ein bis zwei Jahren die Lohnstückkosten kontinuierlich an und fallen insbesondere in den weniger wettbewerbsfähigen Ländern wie Spanien, Irland und Griechenland.

Für Deutschland lässt sich hingegen ein moderater Anstieg beobachten. Zugleich haben die Europäische Zentralbank und ihr Präsident Mario Draghi in mehrfacher Hinsicht zur Beruhigung der Märkte beigetragen. Durch die längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte wurde ein belastbares „Sicherheitsnetz“ unter Dividendentitel gespannt – insbesondere Bankenwerte. Zugleich wurden die Bewertungsmultiplikatoren angefeuert.

Unternehmensgewinne sollten auf hohem Niveau bleiben

Aus struktureller Perspektive spricht einiges dafür, dass Unternehmen in den nächsten ein bis zwei Jahren weiter mit einem positiven Umfeld rechnen können. Da sind zum einen die in vielen Teilen der entwickelten Welt weiter sinkenden Lohnkosten. Hinzu kommen die niedrigen Zinsen sowie der Umstand, dass aufgrund der hohen Liquidität des Unternehmenssektors auch die Verschuldung weiter fällt. Zugleich dürfte die Politik kaum bereit sein, die Steuern zu erhöhen. In Summe sprechen diese Faktoren dafür, dass sich die Unternehmensgewinne weiter auf hohem Niveau halten.

Abschließend lohnt sich auch ein taktischer Blick auf Aktien. Denn gerade europäische Aktien werden angesichts der Schuldenkrise weiter mit einer gewissen Skepsis betrachtet. Vergleicht man ihre Bewertungen mit anderen Vermögensklassen, so kommt Ben Funnell zu dem Schluss, dass Rohstoffe nach wie vor teuer und Anleihen – gemessen an ihrer geringen Rendite – sogar sehr teuer sind.

Bei Aktien rechnet Ben Funnell hingegen 2013 mit einer Verzinsung von 4,5 Prozent. Noch deutlicher zeigen sich die Chancen im Finanzsektor, wo Banken im Mittel mit einem Abschlag von 20 Prozent auf ihren Buchwert gehandelt werden. Für Ben Funnell ist das Fazit somit klar: „Hier liegt eine Menge Wert.“

Der „Bär“ warnt vor Verschuldung, Demographie und Überkapazitäten Jamil Baz hingegen sieht weiter keinen Anlass, seinen skeptischen Blick auf die Aktienmärkte zu ändern. Drei wesentliche Faktoren bestimmen seine Sicht: Die nach wie vor hohe Verschuldung der westlichen Welt, die zunehmende Überalterung in vielen Regionen sowie Überkapazitäten.

Aus Sicht des Experten steht der Abbau der immensen Verschuldung der Industrienationen nach wie vor erst am Anfang. Fünf Jahre nach Ausbruch der Krise liegt das Verhältnis der gesamten privaten und öffentlichen Verschuldung zum Bruttosozialprodukt sogar über dem Stand von 2007. Folglich lässt sich aus Jamil Baz‘ Sicht argumentieren, dass eine Entschuldung bislang noch gar nicht stattgefunden hat. Wenn diese aber kommt, ist mit massiven Auswirkungen auf Wirtschaft und Unternehmen zu rechnen. Da ein Schuldenabbau zudem nur in Maßen erfolgen kann, um soziale Effekte in Grenzen zu halten, dürfte der Prozess Jahre dauern.

Hinzu kommt die demographische Entwicklung, die in vielen großen Volkswirtschaften dazu führen wird, dass der Anteil der Bevölkerung im Alter von 35 bis 59 Jahren signifikant abnehmen wird. Dies dürfte oftmals auch die Nachfrage beeinträchtigen – insbesondere in vermeintlich wachstumsstarken Schwellenländern wie China. Gerade dort dürfte die strikte Ein-Kind-Politik spürbare Folgen haben. Schließlich verweist Jamil Baz auch auf die weltweit bestehenden Überkapazitäten. Wenn man davon ausgeht, dass – vereinfacht – Gewinne der  Summe aus Investitionen und Veränderung des Verschuldungsgrads entsprechen, können die Unternehmensgewinne nur sinken. Denn angesichts bestehender Überkapazitäten ist der Anreiz für Investitionen mangels attraktiver Renditen eher gering.

Long-Short-Strategien für beide Szenarien

Beide Standpunkte machen deutlich, dass es derzeit gute Argumente gibt, um sowohl in Aktien einzusteigen als auch diese zu verkaufen. Gerade in solchen Phasen können Long-Short-Strategien eine sinnvolle Lösung darstellen. Selbst für den Fall, dass die Aktienmärkte ihren Höhepunkt überschritten haben, dürfte es kurzfristig immer wieder zu kurzzeitigen
Rallys kommen, die Investoren nutzen möchten. GLG, eine Einheit von Man, stellt für diese Szenarien vor allem Long-Short-Produkte, wie die European Long-Short-Strategie (ELS) in den Mittelpunkt, die im September 2000 erstmalig von GLG aufgelegt wurde.

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