ESG-Investing: MiFID II als Game-Changer

Wie sich die Deka Investment im Bereich Nachhaltigkeit mit zusätzlichen Ressourcen positioniert und warum das zukünftige Marktwachstum vor allem aus dem Retail-Segment kommen dürfte, konnte e-fundresearch.com in einem Gespräch mit Ingo Speich erfahren, der dort seit April 2019 als Leiter Nachhaltigkeit & Corporate Governance tätig ist. Funds | 02.09.2019 13:00 Uhr
Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit & Corporate Governance, Deka Investment / © Deka Investment
Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit & Corporate Governance, Deka Investment / © Deka Investment
Archiv-Beitrag: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Seit Anfang April 2019 ist Ingo Speich nach Wechsel von der Union Investment (e-fundresearch.com berichtete) als Leiter Nachhaltigkeit & Corporate Governance für die Deka Investment GmbH in Frankfurt tätig. Welche Meilensteine sich Speich für diese neue Rolle gesetzt hat und was bereits konkret auf den Weg gebracht werden konnte, diskutierte der aufgrund seiner direkten Ansprachen bei Hauptversammlungen durchaus bekannte Speich kürzlich mit der e-fundresearch.com Redaktion in Wien.

Speich ist es wichtig zu betonen, dass der Ausbau der Deka-Nachhaltigkeitskompetenz sich nicht auf die Einstellung seiner Person beschränkt, sondern im gleichen Zuge auch auf vielen weiteren Ebenen signifikant investiert wird, um die hauseigenen Ressourcen zu stärken. „Bereits vor meinem Wechsel hat das Haus über ein ernstzunehmendes Nachhaltigkeitsteam verfügt und bereits 12 Milliarden EUR in diesem Bereich verwaltet. Die strategische Bedeutung des Bereichs wurde nun aber nochmals deutlich aufgewertet und wird mit einem konkreten Ausbauplan weiter verstärkt. Wir werden weitere ESG-Analysten einstellen und befinden uns hier gerade im Recruiting-Modus“, erklärt Speich, der seit kurzem auch dem neuen Sustainable Finance Beirats der deutschen Bundesregierung angehört. 

Besser Schutz vor Interessenskonflikten: Zentrales Corporate Governance Team

Für Speich rückt das Thema Nachhaltigkeit immer stärker mit Corporate Governance zusammen: Sowohl was die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten in Vergütungspolitiken als auch in unterschiedlichen Unternehmensgremien und Ausschüssen betrifft. Ein gebündeltes Team – wie es Speich nun bei der Deka Investment leitet – beugt dabei Interessenskonflikten vor: „Wir setzen auf ein zentralisiertes Corporate Governance Team, da wir dann alles aus einer Hand anbieten und mit ein und demselben Qualitätsmaßstab über alle Unternehmen, Branchen sowie teilweise Staaten entscheiden können. Zusätzlich können wir dadurch potenziellen Interessenkonflikten vorbeugen – wenn Sie beispielsweise an einen Sektoranalysten denken, besteht das Risiko, dass  dieser in der Regel nicht in einem gleichen Ausmaß unabhängig agieren kann, da er ansonsten Sanktionierungen der analysierten Unternehmen im Hinblick auf die Bereitstellung von Informationen fürchten würde.“ 

Auch in konventionellen Strategien: Weitreichende ESG-Integrationen geplant

Neben der Festlegung der Deka Investment Corporate Governance Strategie und der aktiven Teilnahme und Reden an Hauptversammlungen („aktives Aktionärstum“) kümmert sich Speich zudem auch um den Ausbau der Deka Investment Nachhaltigkeitsfondspalette sowie um die zunehmende ESG-Integration über alle Portfoliomanagement-Teams hinweg: „Ziel ist es, Nachhaltigkeit in der Breite im Investmentprozess zu verankern. Das bedeutet, dass selbst in konventionelle Produkte Nachhaltigkeitsparameter im Rahmen der Anlageentscheidungsfindung einfließen – und zwar nicht in Form von Ausschlusskriterien oder Verbotslisten, sondern in Form von zusätzlichen und sinnvollen Datenpunkten, die auch die Risiko-adjustierte Performance verbessern können.“ 

Konkret befinde man sich laut Ingo Speich inmitten des Implementierungsprozesses – zum Jahreswechsel 2019/2020 soll ESG-Integration dann über alle von Deka Investment angebotenen Assetklassen Anwendung gefunden haben. Zusätzlich sollen in den kommenden Monaten auch weitere dezidierte Nachhaltigkeitsprodukte in unterschiedlichen Anlagekategorien lanciert werden.

Auf der Überholspur: Nachhaltiges Fondsvolumen wächst überproportional

Dass viele Asset Manager ihre Nachhaltigkeitsteams massiv ausgebaut und aufgewertet haben ist auch aus geschäftspolitischer Sicht durchaus verständlich – nach Angaben von Speich wächst das Volumen der Nachhaltigkeitsfondsindustrie in etwa drei Mal so schnell wie die konventionelle Fondsindustrie. Und zwar aufgrund einer gestiegenen Nachfrage auf Seiten von institutionellen Investoren und zunehmend auch von Privatinvestoren. Größtes Wachstumspotenzial identifiziert Ingo Speich übrigens bei der letztgenannten Zielgruppe: „Regulatorisch bedingt waren institutionelle Investoren schon in den letzten Jahren viel stärker konfrontiert und haben ihre Portfolios entsprechend angepasst. Auf Seite der Privatinvestoren stehen uns diese größeren Effekte aber erst bevor“, so der Leiter des Deka Investment Nachhaltigkeit & Corporate Governance Teams im Gespräch mit e-fundresearch.com.

Regulatorische Lenkungsfunktion könnte zu deutlicher Nachfragesteigerung bei Retail-Kunden führen

Konkret verweist Speich auf das für Ende 2020 erwartete MiFID II Update: Im Rahmen des aktualisierten Geeignetheitstests sollen Privatkunden in Zukunft bei Beratungsgesprächen aktiv zustimmen oder ablehnen, ob ihre Veranlagung nach gewissen Nachhaltigkeitskriterien (der konkrete Wortlaut („Taxonomie“) steht hier noch nicht fest) erfolgen soll. Welches Wachstum sich als Resultat dieser Richtlinie konkret beobachten lassen wird, ist laut Speich derzeit nicht seriös absehbar – der Experte spricht aber jedenfalls von einem echten „Game-Changer“: „Die regulatorische Lenkungsfunktion ist hier nicht zu unterschätzen.“

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