Risikomanagement: Was Fondsmanager von Banken lernen können

Die Entwicklungen an den Finanzmärkten in den letzten fünf Jahren haben deutlich gezeigt, welche Risiken mit Finanzanlagen verbunden sind. Was können Portfoliomanager aus diesen Erfahrungen lernen? Ein Gastkommentar von Prof. (FH) Michael Jeckle. Funds | 31.08.2004 10:47 Uhr
Archiv-Beitrag: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Kann man mit dem Risiko in Zukunft besser umgehen, um eventuell bei ähnlichen Entwicklungen eine bessere Performance zu erzielen? Hier lohnt sich meiner Meinung ein Blick auf die im letzten Jahrzehnt entwickelten Methoden im Risikomanagement von Banken, die vor allem auf Druck von Änderungen in den aufsichtsrechtlichen Bestimmungen zustande gekommen sind. Gerade was das Marktrisiko betrifft, so unterscheidet sich die Situation einer Bank kaum von der eines Investmentfonds, wenn man einmal davon absieht, dass die Verschiedenheit der Positionen in einem Bankportfolio wesentlich größer ist und letzteres auch wesentlich mehr Short Positionen umfasst.

Wie definiert man Risiko?

Wenn man die Herangehensweise im Marktrisiko von Banken und der derjenigen von  Portfoliomanagern vergleicht, so fällt auf, dass sich die Zielfunktionen deutlich unterscheiden. Portfoliomanager orientieren sich oft an der Portfoliotheorie von Markowitz, welche eine simultane Optimierung von Ertrage und Risiko, gemessen als Standardabweichung, vorsieht. Schaut man nun auf das Risikomanagement von Banken, so fällt zum einen auf, dass dort das Risiko nicht auf Basis der Standardabweichung gemessen wird, sondern Risikokennzahlen wie der Value at Risk, das Shortfall Risk oder der Expected Shortfall eine große Rolle spielen.

Im Unterschied zur Standardabweichung, welche eine Risikokennzahl darstellt, in die alle Abweichungen vom Erwartungswert eingehen - also auch Szenarien, wo das Ergebnis besser als erwartet ist - messen die im Risikomanagement von Banken verwendeten Kennzahlen lediglich negative Szenarien. Dies dürfte wesentlich eher dem intuitiven Verständnis der Menschen von Risiko entsprechen, zum Ausdruck kommt dies auch in der Beliebtheit kapitalgeschützter Produkte.

Neben der anderen Messung von Risiko fällt der im Risikomanagement von Banken übliche Ansatz einer dualen Steuerung auf. Auf einer ersten Ebene wird zunächst ein Risikolimit auf Basis der verwendeten Risikokennzahl definiert, nur innerhalb dieses Limits spielen Ertragsgesichtspunkte eine Rolle.

Standardabweichung noch sinnvoll?

Es gilt also zu überlegen, ob es nicht sinnvoller wäre, auch im traditionellen Portfoliomanagement die Standardabweichung durch ein anderes Risikomaß zu ersetzten und ein Risikolimit zu definieren. Schaut man sich in der neueren Literatur zur Portfoliotheorie um, so sieht man, dass diese Ideen immer mehr Anhänger findet.

Ein weiterer interessanter Aspekt im Rahmen des Risikomanagement von Banken ist die Allokation von Risikolimite auf dezentrale Entscheidungseinheiten. Da die Anlageentscheidungen von verschiedensten Einheiten durchgeführt werden, stellt sich auf der Makroebene die Frage, wie gewährleistet werden kann, dass die auf dieser Ebene formulierten Ziele eingehalten werden. Dies geschieht durch die Zuweisung von Risikolimiten auf alle dezentralen Entscheidungsebenen. Ein besonderes Problem bei der Bestimmung dieser Risikolimite besteht darin, dass das Gesamtrisiko nicht einfach die Summer der Einzelrisiken darstellt und damit Interdependenzen zwischen den  Positionen der verschiedenen dezentralen Einheiten herrschen. Ein ähnliches Problem stellt sich auch für einen Investmentfonds, wo mehrere Personen unabhängige Anlageentscheidungen treffen. Besonders virulent wird dies bei Dachfonds, die bei Pensionskassen eine große Rolle spielen.

Fazit

Mit den vorangegangenen Überlegungen soll gezeigt werden, dass es Ansätze im Rahmen des Risikomanagements von Banken gibt, die auch für das traditionelle Portfoliomanagement von Interesse sein können.   



Prof. (FH) Dipl. Vw. Michael Jeckle ist inhaltlicher Koordinator des MBA Risk Management und Lektor im Studiengang Bank- und Finanzwirtschaft an der Fachhochschule des BFI Wien, Weitere Infos: www.fh-vie.ac.at bzw. hier.





Gastkommentare werden von anerkannten Finanzmarktexperten verfasst, deren Meinungen nicht mit jener der e-fundresearch.com Redaktion übereinstimmen müssen.
Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.