Kann man mit dem Risiko in Zukunft besser umgehen, um eventuell bei ähnlichen Entwicklungen eine bessere Performance zu erzielen? Hier lohnt sich meiner Meinung ein Blick auf die im letzten Jahrzehnt entwickelten Methoden im Risikomanagement von Banken, die vor allem auf Druck von Änderungen in den aufsichtsrechtlichen Bestimmungen zustande gekommen sind. Gerade was das Marktrisiko betrifft, so unterscheidet sich die Situation einer Bank kaum von der eines Investmentfonds, wenn man einmal davon absieht, dass die Verschiedenheit der Positionen in einem Bankportfolio wesentlich größer ist und letzteres auch wesentlich mehr Short Positionen umfasst.
Wie definiert man Risiko?
Wenn man die Herangehensweise im Marktrisiko von Banken und der derjenigen von Portfoliomanagern vergleicht, so fällt auf, dass sich die Zielfunktionen deutlich unterscheiden. Portfoliomanager orientieren sich oft an der Portfoliotheorie von Markowitz, welche eine simultane Optimierung von Ertrage und Risiko, gemessen als Standardabweichung, vorsieht. Schaut man nun auf das Risikomanagement von Banken, so fällt zum einen auf, dass dort das Risiko nicht auf Basis der Standardabweichung gemessen wird, sondern Risikokennzahlen wie der Value at Risk, das Shortfall Risk oder der Expected Shortfall eine große Rolle spielen.
Im Unterschied zur Standardabweichung, welche eine Risikokennzahl darstellt, in die alle Abweichungen vom Erwartungswert eingehen - also auch Szenarien, wo das Ergebnis besser als erwartet ist - messen die im Risikomanagement von Banken verwendeten Kennzahlen lediglich negative Szenarien. Dies dürfte wesentlich eher dem intuitiven Verständnis der Menschen von Risiko entsprechen, zum Ausdruck kommt dies auch in der Beliebtheit kapitalgeschützter Produkte.
Neben der anderen Messung von Risiko fällt der im Risikomanagement von Banken übliche Ansatz einer dualen Steuerung auf. Auf einer ersten Ebene wird zunächst ein Risikolimit auf Basis der verwendeten Risikokennzahl definiert, nur innerhalb dieses Limits spielen Ertragsgesichtspunkte eine Rolle.
Standardabweichung noch sinnvoll?
Es gilt also zu überlegen, ob es nicht sinnvoller wäre, auch im traditionellen Portfoliomanagement die Standardabweichung durch ein anderes Risikomaß zu ersetzten und ein Risikolimit zu definieren. Schaut man sich in der neueren Literatur zur Portfoliotheorie um, so sieht man, dass diese Ideen immer mehr Anhänger findet.
Ein weiterer interessanter Aspekt im Rahmen des Risikomanagement von Banken ist die Allokation von Risikolimite auf dezentrale Entscheidungseinheiten. Da die Anlageentscheidungen von verschiedensten Einheiten durchgeführt werden, stellt sich auf der Makroebene die Frage, wie gewährleistet werden kann, dass die auf dieser Ebene formulierten Ziele eingehalten werden. Dies geschieht durch die Zuweisung von Risikolimiten auf alle dezentralen Entscheidungsebenen. Ein besonderes Problem bei der Bestimmung dieser Risikolimite besteht darin, dass das Gesamtrisiko nicht einfach die Summer der Einzelrisiken darstellt und damit Interdependenzen zwischen den Positionen der verschiedenen dezentralen Einheiten herrschen. Ein ähnliches Problem stellt sich auch für einen Investmentfonds, wo mehrere Personen unabhängige Anlageentscheidungen treffen. Besonders virulent wird dies bei Dachfonds, die bei Pensionskassen eine große Rolle spielen.
Fazit
Mit den vorangegangenen Überlegungen soll gezeigt werden, dass es Ansätze im Rahmen des Risikomanagements von Banken gibt, die auch für das traditionelle Portfoliomanagement von Interesse sein können.
Prof. (FH) Dipl. Vw. Michael Jeckle ist inhaltlicher Koordinator des MBA Risk Management und Lektor im Studiengang Bank- und Finanzwirtschaft an der Fachhochschule des BFI Wien, Weitere Infos: www.fh-vie.ac.at bzw. hier.
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