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Anfang März 2026 versammelte sich ein exklusiver Kreis professioneller Investoren im Wiener Büro von Flossbach von Storch, gelegen im geschichtsträchtigen Haus am Schottentor. Roland Sinkovits, Head of Sales Österreich bei Flossbach von Storch, eröffnete den Fachnachmittag mit einem Verweis auf die drängende Aktualität des Themas: Nach einer mehrjährigen Durststrecke befinden sich die Emerging Markets (EM) heute in einem dynamischen Spannungsfeld aus strukturellem Wachstum, attraktiven Bewertungen und neuen geopolitischen Vorzeichen. Als Medienpartner begleitete die e-fundresearch.com Redaktion die Veranstaltung, die eindrucksvoll verdeutlichte, warum die bloße Abbildung von Indizes im Jahr 2026 zu kurz greift.
Die „Flossbach-DNA“: Ownership und Unabhängigkeit
Im Zentrum der Diskussion stand das Verständnis von aktivem Management, das bei Flossbach von Storch unter dem Leitbegriff „Ownership“ zusammengefasst wird. Michael Altintzoglou, der seit der Fondsauflage im Jahr 2014 die globale EM-Aktienstrategie des Hauses verantwortet, skizzierte den konsequenten Qualitätsfokus des Teams. Mit einem Active Share von rund 0,8 weicht das Portfolio substanziell von der Benchmark MSCI Emerging Markets ab.
Die Strategie basiert auf einem disziplinierten Bottom-up-Ansatz: Nur Unternehmen mit hochwertigen Geschäftsmodellen, berechenbaren Kapitalrenditen und soliden Bilanzen qualifizieren sich für ein Investment. „Das, was draufsteht, muss auch drin sein“, so das Credo von Altintzoglou, der insbesondere in volatilen Phasen davor warnt, dem Momentum kurzfristiger Narrative blind zu folgen. Ein wesentlicher Teil dieser DNA ist zudem die strikte Governance-Prüfung: Staatlich dominierte Unternehmen werden aufgrund potenziell kollidierender Interessen oft gemieden, während das Management auf Integrität und die Wahrung von Minderheitsaktionärsrechten geprüft wird.
Marktanalyse: 388 Strategien und eine extreme Konzentration
Simon Weiler, Managing Partner und Chefredakteur von e-fundresearch.com, lieferte in seiner Keynote die nötige Faktenbasis für die Einordnung des Fondsuniversums. Die Daten zeigen ein hochkonzentriertes Bild:
- Fondslandschaft: In Österreich und Deutschland stehen aktuell 388 unterschiedliche EM-Aktienfonds und ETFs zur Verfügung, die ein Gesamtvolumen von rund 370 Mrd. EUR verwalten.
- Marktmacht: Gemäß dem Pareto-Prinzip verwalten lediglich 17 % der Anbieter rund 80 % des Volumens. Der Marktführer überragt den kleinsten Anbieter volumenmäßig um den Faktor 135-zu-1.
- Index-Falle: Während im MSCI World die Top-5-Werte etwa 15 % ausmachen, entfallen im MSCI Emerging Markets über 33 % auf die fünf größten Titel.

Geopolitik: USA als „Emerging Markets light“
Ein Höhepunkt der von e-fundresearch.com moderierten Diskussion war die provokante Neubewertung globaler Risikoprämien. Altintzoglou vertrat die These, dass politische Instabilität kein exklusives Merkmal der Schwellenländer mehr sei. Er bezeichnete die aktuellen Entwicklungen in den USA – von Interventionen in die Privatwirtschaft bis hin zum Infragestellen der Notenbank-Unabhängigkeit – als „Emerging Markets light“.
Dies führe dazu, dass die Risikoprämie für US-Aktien tendenziell steige, während viele Schwellenländer durch sinkende Inflationsraten und eine disziplinierte Geldpolitik an relativer Attraktivität gewinnen. In diesem Umfeld setzt Flossbach von Storch verstärkt auf ein „smartes Investmentuniversum“, das auch sogenannte EM-Proxies nutzt. Dabei handelt es sich um Qualitätsunternehmen aus den Industrienationen, deren ökonomischer Erfolg jedoch untrennbar mit dem Wachstum in den Schwellenländern verknüpft ist – wie etwa der niederländische Lithographie-Spezialist ASML.

Regionale Schwerpunkte: China, Indien und Brasilien
Die Experten diskutierten zudem die differenzierte Lage in den Kernregionen:
- China: Nach einer Phase drastischer Regulierung zeigen innovative Bereiche wie KI-Modelle (z.B. DeepSeek) und die industrielle Automatisierung Fortschritte. Flossbach von Storch bleibt hier jedoch aufgrund politischer Eingriffsrisiken und Überkapazitäten vorsichtig selektiv.
- Indien: Trotz zyklischer Gewinnrevisionen im Jahr 2025 bleiben die strukturellen Treiber wie Demografie und Digitalisierung intakt. Im Finanzsektor favorisiert Altintzoglou Institute wie die HDFC Bank, die kontinuierlich Marktanteile von ineffizienten Staatsbanken gewinnt.
- Brasilien: Hier antizipiert der Markt erste Zinssenkungen nach einer restriktiven Phase. Auf Unternehmensebene überzeugen digitale Champions wie Nu Holdings, während man sich bei staatlich beeinflussten Rohstoffwerten wie Petrobras zurückhält.
Das Fazit der e-fundresearch.com Redaktion: Die Emerging Markets bieten 2026 ein enormes Potenzial für einen fundamentalen „Catch-Up“-Effekt. Obwohl diese Länder 41 % der globalen Wirtschaftsleistung erbringen, machen ihre Aktien lediglich 12 % der weltweiten Marktkapitalisierung aus. Roland Sinkovits verabschiedete die Gäste mit dem klaren Appell, dass in diesem anspruchsvollen Umfeld vor allem eines zählt: Qualität und aktive Steuerung statt passiver Index-Klumpen.
