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Mohamed El-Erian über Tiger und Schiedsrichter

Wer Pimco sagt, meint in den Regel Bill Gross - den "König der Anleihen". So nennt ihn zumindest das Magazin Fortune. Doch die Fondsgesellschaft aus Kalifornien ist keine One-man-show. Neben Gross ist Mohamed El-Erian einer ihrer Vorzeige-Manager. Er managt den Pimco Emerging Markets Bond Fund. Gegenüber e-fundresearch sprach er über seinen Anlagestil. Managers |

e-fundresearch: Herr El-Erian, im Pimco Emerging Markets Bond Fund haben Sie Brasilien übergewichtet und die erste Welle der EU-Beitrittskandidaten untergewichtet. Woher rührt dies?

El-Erian: Wir denken weniger in Ländern als in Risikogruppen. Denn es gibt Zeiten, da möchte man ein Risiko eingehen und Zeiten, wo dies nicht der Fall ist.

e-fundresearch: Was heißt das konkret?

El-Erian: Wir teilen die Emerging Markets in zwei Gruppen ein: in Länder mit hoher Qualität, die sich eher wie die klassischen Bondsmärkte in den USA oder Europa verhalten. Und in Länder mit niedriger Qualität, die sich eher wie Aktienmärkte verhalten.

Mexiko und Brasilien sind übergewichtet

e-fundresearch: Welche Gruppe halten Sie derzeit für attraktiver?

El-Erian: Wir sind insgesamt übergewichtet im High-Quality-Bucket, so nennen wir die Gruppe mit hoher Qualität. Darin wiederum sind Mexiko und Panama übergewichtet, Russland neutral und die Philippinen untergewichtet.

e-fundresearch: Sie haben Länder mit niedriger Qualität also untergewichtet. Warum?

El-Erian: Das so genannte High-Risk-Bucket haben wir untergewichtet aufgrund der hohen Risikoscheu der Anleger. Innerhalb dieser Gruppe haben wir Brasilien übergewichtet, die Türkei untergewichtet und Venezuela gar nicht mehr im Fonds.

e-fundresearch: Wie stark können Sie über- oder untergewichten?

El-Erian: Ich nenne Ihnen dazu ein Beispiel. In 2001 betrug der Anteil Argentiniens im Index bei 20 Prozent, unsere Position lag bei Null. Die Performance des Index lag mit Argentinien jedoch bei minus sieben Prozent, ohne Argentinien bei plus 20 Prozent. Wir haben mit plus 28 Prozent abgeschnitten. Dennoch sagten mir viele Kritiker, das sei doch unmöglich, weil der Tracking-Error dann zu hoch wäre.

Niedriger Tracking-Error ist kein Selbstzweck

e-fundresearch: Was sagen Sie zu dieser Kritik?

El-Erian: Richtig. In einem solchen Fall ist der Tracking-Error sehr hoch. Aber in diesem Fall war das ein guter Tracking-Error. Wir versuchen die Unvollkommenheit der Asset-Klasse zu nutzen. Wir streben zwar einen niedrigen Tracking-Error an, dieser kann aber kein Selbstzweck für uns sein. Deshalb sagen wir nie, unsere Position ist neutral, damit der Tracking-Error niedrig ist. Deshalb haben nicht einen einzigen Venezuela-Bond, obwohl der Indexanteil bei sechs Prozent liegt. Unsere Kunden erwarten Outperformance. Denn am Ende zählt die Rendite.

e-fundresearch: Sie sind derzeit in der risikoreichen Gruppe untergewichtet. Was muss passieren, damit sich das ändert?

El-Erian: Der Risikoappetit der Anleger muss zurück kommen. Dazu muss aber mehr Klarheit über die US-Wirtschaft herrschen. Dabei geht es nicht nur um Wirtschaftsfaktoren, sondern auch um ein besseres Gefühl über nicht-ökonomische Risiken.

Die vier Schiedsrichter des amerikanischen Kapitalismus

e-fundresearch: Konkret?

El-Erian: In Deutschland kennen sie Fußball. Was passiert, wenn der Schiedsrichter, merkwürdige Sachen macht? Also, wenn er nur gelbe und rote Karten verteilt? Das ganze Spiel wird abgewürgt. Derzeit stehen die vier Schiedsrichter des amerikanischen Kapitalismus unter Druck: die Analysten, die Wirtschaftsprüfer, die Rating-Agenturen und die Regulatoren (SEC). Das verunsichert die Anleger. Deshalb brauchen wir zuerst mehr Klarheit in den USA. Zusätzlich müssen die Banken weltweit ihre Bilanzen in Ordnung bringen. Besonders die Aktien von US-Banken sind nach Enron und Worldcom gefallen, weil Sorge um ihre Kreditportfolios besteht. Um also die Gruppe mit niedriger Qualtität überzugewichten, brauchen wir Klarheit in den USA.

e-fundresearch: Werden wir eine Double-Dip-Rezession bekommen?

El-Erian: Ich denke nicht. Wir werden kein Wachstum von drei oder vier Prozent haben, aber auch kein Double-Dip. Der Grund liegt in der Refinanzierung von Hypotheken-Schulden in den USA. Viele Amerikaner haben ihre Finanzierungskosten in diesem Jahr bereits um dreißig Prozent reduziert. Und zukünftig wird das noch zunehmen. Das ist eine Brücke – zugebenermaßen keine sehr stabile Brücke – die uns hilft.

Pimco mag keine schlechten Nachbarn

e-fundresearch: Wer entscheidet über ihren Fonds? Sie alleine oder sitzt Bill Gross mit am Tisch?

El-Erian: Unser Emerging Market-Team entscheidet innerhalb des Pimco-Teams. Es gibt drei unterschiedliche Entscheidungen. Erstens: Mögen wir das Land und seine Bereitschaft, seine Schulden zurückzuzahlen. Das entscheidet das Emerging Market-Team. Zweitens: Wenn Sie ein Haus kaufen, reicht es nicht, nur das Haus anzuschauen. Sie müssen auch schauen, ob die Nachbarn in Ordnung sind. Für uns heißt das: Ein gutes Land mit schlechter Nachbarschaft bedeutet den Verlust von Geld. Deshalb müssen wir uns Gedanken über unsere Umwelt machen. Beispielsweise über das Wachstum in den USA. Das passiert im Investmentkomittee. Drittens: Markttechnik. Hier geht es uns um die relative Bewertung von Asset-Klassen. Deshalb nutzen wir hier das Wissen unserer Corporate-Bond-Experten. Das heißt, es ist ein Team-Prozess. Aber wenn etwas schief geht, werde ich gefeuert.

e-fundresearch: Wie oft diskutieren Sie mit Bill Gross?

El-Erian: Das Investmentkomittee trifft sich oftmals täglich.

e-fundresearch: Wer ist alles dabei?

El-Erian: Wir sind acht Mitglieder. Darunter Gross, McCulley, der Corporate-Bond-Experte Kennedy, drei Generalisten und ich. Der Sinn besteht darin, unterschiedliche Blickwinkel zusammenzubringen. Seit dem elften September treffen wir uns täglich, weil die Märkte sehr volatil geworden sind. Dazu haben wir einmal im Quartal unser Economic Forum. Das ist der Prozess bei Pimco.

e-fundresearch: Wozu benötigen Sie einen Experten für Corporate Bonds?

El-Erian: Wir brauchen jemanden, der uns bei der Entscheidung hilft, ob Ford oder AT&T eine bessere Story ist als Brasilien.

Warum El-Erian wissen will, ob Anleger Ford-Bonds kaufen

e-fundresearch: Was nützt das konkret?

El-Erian: Wir haben den Markt um 25 Prozent outperformed. Warum ist das so? Was die Emerging Markets am meisten bewegt ist das, was wir Cross over nennen. Sie zum Beispiel investieren in Emerging Markets, weil diese Ihnen die höheren Rendite-Risiko-Profil bringen. Wenn Sie wollen, können Sie jedoch in Ford-Anleihen investieren, ich nicht. Wenn Sie plötzlich entscheiden, Ford ist besser und Brasilien verkaufen, drückt das die Kurse in Brasilien. Ich muss also wissen, was die Investoren denken.

Das Beispiel mit dem Tiger

e-fundresearch: Und was machen Sie in so einem Fall?

El-Erian: Ich reduziere mein Investment und gehe in Liquidität. Diese Position ändert sich dauernd. Unsere Philosophie beruht auf dem relativen Vergleich von Asset-Klassen. Wir schauen uns also den Zusammenhang von High-Yield-Corporate-Bonds und Emerging Markets Bonds an, ansonsten machen wir Verluste. Das nennen wir technische Marktanalyse. Ich mache es anschaulich: stellen Sie sich zwei Männer und einen Tiger vor. Ein Mann sagt: "Der Tiger ist viel schneller als wir. Wir werden sterben." Der andere Mann sagt: "Wenn ich schneller bin als Du, werde ich überleben."

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen.

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