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Expansive Geldpolitik: Mehr Problem als Lösung

Warum die expansive Geldpolitik der letzten Jahre mehr schadet als nutzt und keinesfalls die an vielen Orten dringend notwendigen strukturellen Reformen ersetzen kann, erklärt Diplom-Volkswirt Hagen-Holger Apel, Senior Portfolio Manager bei DNB Asset Management, im Gespräch mit e-fundresearch.com. Managers | 16.12.2015 18:00 Uhr
Hagen-Holger Apel, Senior Portfolio Manager, DNB Asset Management / ©  DNB AM
Hagen-Holger Apel, Senior Portfolio Manager, DNB Asset Management / © DNB AM
e-fundresearch.com: Welche persönlichen Schlüsse ziehen Sie aus den Marktentwicklungen 2015? Hagen-Holger Apel: Für alle Marktteilnehmer wird es zunehmend schwieriger, in dem seit Jahren andauernden Niedrigzinsumfeld zu investieren. Die Allokation des Kapitals muss so vorgenommen werden, dass das heutige Investment zukünftige Erträge generieren wird. Diese Aufgabe erfolgreich zu meistern wird zusehends schwieriger, dafür gibt es mehrere Gründe.

Zu nennen sind hier zu aller erst die Zentralbanken, die die Mechanismen eines freien Marktes größtenteils außer Kraft setzen. Der Anleihemarkt ist dadurch stark verzerrt, mangelnde Liquidität ist ein beherrschendes Thema. Hinzu kommt, dass Banken aufgrund neuer Regularien ihren Eigenhandel stark eingeschränkt haben. Verbunden mit einer Flucht in „sichere“ Staatsanleihen führt das vielerorts zu negativen Staatsanleiherenditen. Lange Zeit wurden Aktien als alternative Assetklasse empfohlen. Ganz klar, erstklassige Dividendentitel sollten meiner Meinung nach in jedem Depot vorhanden sein. Allerdings ist auch klar, dass über die zukünftige Rendite im Moment des Investierens entschieden wird.

Sollten dann die prognostizierten Gewinne der Unternehmen revidiert werden läuft man schnell Gefahr in den folgenden Jahren sehr geringe oder sogar negative Renditen einzufahren.

e-fundresearch.com: Sind Sie heute optimistischer oder pessimistischer als am Jahresende 2014 und warum? 

"Es ist kein nachhaltiges Geschäftsmodell, wenn viele Unternehmen günstig Fremdkapital aufnehmen um damit eigene Aktien zurück zu kaufen (...)"

Hagen-Holger Apel: Ehrlich gesagt bin ich etwas pessimistischer gestimmt als am Jahresende 2014. Im Laufe des Jahres 2015 haben wir mehrere große Trends gesehen. Man kann sagen, dass wir einen Crash der Rohstoffpreise sehen und ein Erstarken des USD gegenüber nahezu jeder Währung der Welt, insbesondere gegenüber den Währungen der Schwellenländer. Was für Konsumenten zum Teil ein Segen ist, bedeutet für die rohstoffreichen und –exportierenden Länder massive Rückgänge der Einnahmen und gefährdet Unternehmen sowie Staatshaushalte gleichermaßen.

Gleichzeitig versuchen Zentralbanken rund um den Globus durch die gezielte Abwertung der eigenen Währung Wettbewerbsvorteile zu schaffen. Was aus spieltheoretischer Sicht für die einzelnen Zentralbanken richtig sein mag, kann langfristig zu massiven Glaubwürdigkeitsproblemen führen. Nicht zuletzt wird durch das immer weiter absinkende Zinsniveau eine Fehlallokation des Kapitals vorgenommen und Gläubiger und Sparer werden zugunsten von Schuldnern benachteiligt.

Daher rührt auch meine etwas pessimistischere Haltung für das kommende Jahr. Es ist kein nachhaltiges Geschäftsmodell, wenn viele Unternehmen günstig Fremdkapital aufnehmen um damit eigene Aktien zurück zu kaufen und den Gewinn pro Aktie künstlich zu erhöhen. Eine Ausnahme scheinen hier einige sehr solide und finanzstarke Technologieunternehmen zu sein, deren Bilanzen diese Möglichkeit erlauben ohne nachhaltig die Unternehmensziele zu beeinflussen.

So lange wir keinen nachhaltigen Anstieg der Lohnsummen sehen, wird auch das Wachstumspotential begrenzt sein. Ich bin der Meinung, dass eine negative Reallohnentwicklung in vielen Industrieländern keine nachhaltigen Impulse für Wachstum liefern kann, auch wenn die Inflationsraten (noch) sehr niedrig sind.

Unternehmen sollten forschen, investieren und ihre Mittel effizient einsetzen und nicht fast ausschließlich die Wünsche ihrer Aktionäre bedienen. Nicht zuletzt zeigt auch diese Tatsache, dass die expansive Geldpolitik mehr schadet als nutzt, denn sie überdeckt strukturelle Probleme, die einer nachhaltigen Lösung bedürfen. Wir haben bereits unkonventionelle Wege beschritten und brechen Regeln bei der Staatsfinanzierung durch die Notenbanken. In der Vergangenheit ist jede dieser künstlich erzeugten Assetpreis-Blasen geplatzt und ich befürchte, dass auch diese Blase irgendwann platzen wird.

Aus Anlegersicht wird 2016 also ein spannendes Jahr.

e-fundresearch.com: Anlagen in Technologie-Unternehmen und den Nordics gehören zu den Spezialitäten von DNB Asset Management -  inwieweit konnten jene “Fokus-Strategien“ in diesem Jahr einen Mehrwert generieren und warum sollten Investoren jene Themen auch im nächsten Jahr besonders berücksichtigen? 

"Anleger sollten sich der Chancen in den kleinen skandinavischen Volkswirtschaften bewusst sein (...)"

Hagen-Holger Apel: Der DNB Technology Fund ist einer der besten Technologiefonds der letzten Jahre, wenn nicht sogar der beste. Das Team um Anders Tandberg-Johansson hat in der Vergangenheit gezeigt, wie Alpha generiert wird und über lange Jahre den Markt sowie Mitbewerber outperformed. Technologie-Investments werden auch in 2016 und damit 15 Jahre nach der Tech-Bubble Anfang 2000 eine große Rolle spielen. Technologie wird unser Leben in einem immer größeren Umfang begleiten und im Vergleich zu der Tech-Bubble vor 15 Jahren verfügen viele Technologie Unternehmen heute über gesunde Bilanzen mit genügend Barmitteln sowie ausreichenden Cash-Flows.

DNB verfügt insbesondere über eine ausgezeichnete Expertise in den skandinavischen Ländern und greift dort zum Beispiel auf eines der besten Fixed-Income-Teams um Svein Aage Aanes, Head of global Fixed Income, zurück. Wir konnten in den letzten Jahren im Bereich Equity und Fixed Income für unsere Kunden Mehrwert generieren. Anleger sollten sich der Chancen in den kleinen skandinavischen Volkswirtschaften bewusst sein und die vielen dort beheimateten Global Player bei der Auswahl ihrer Assets nicht unberücksichtigt lassen. Hinzu kommt, dass wir mittel- bis langfristig von einem Erstarken der skandinavischen Währungen ausgehen, Anleger können also durch ein Investment in Skandinavien doppelt profitieren.

e-fundresearch.com: Mögliche Leitzinswende in den USA – weiteres QE in Japan und Europa: Wie reagiert Ihr Haus auf ein Umfeld zunehmend divergierender Notenbankpolitiken?

"Es ist noch lange nicht ausgemacht, dass wir in den USA eine Wende sehen werden."

Hagen-Holger Apel: Ich würde, was die USA angeht, nicht von einer nachhaltigen Zinswende sprechen. Es ist noch lange nicht ausgemacht, dass wir in den USA eine Wende sehen werden. Ein moderater Anstieg der Zinsen ist meiner Meinung nach in den Märkten eingepreist und verschafft der FED erneuten Spielraum um im Falle einer durchaus nicht unwahrscheinlichen Rezession gegenzusteuern. Die Zentralbanken dieser Welt haben sich durch ihre expansiven Maßnahmen meiner Meinung nach in ein Dilemma begeben.

DNB geht davon aus, dass die Wachstumsraten in Europa mittelfristig wieder anziehen und somit seitens der EZB genug getan sein wird um die deflationären Ängste zu überwinden, eine anziehende Kreditvergabe könnte stimulierend wirken. Demzufolge sollten die skandinavischen Währungen sowie der Euro mittelfristig gegenüber dem USD erstarken.

e-fundresearch.com: Welche Konsensus-Trades bereiten Ihnen im aktuellen Umfeld die größten Sorgen? 

"Die Flucht aus den Schwellenländern ist meiner Meinung nach übertrieben (...)"

Hagen-Holger Apel: Negative Renditen beim Erwerb von Staatsanleihen sind meiner Meinung nach ein Anzeichen für eine Dysfunktionalität der Märkte.

Diese negativen Renditen sind allerdings künstlich geschaffen durch verschiedene Maßnahmen der Zentralbanken. Auch hier gilt, dass strukturell dringend nötige Reformen durch expansive Geldpolitik verdeckt werden. Ein Konsensus-Trade mit negativen Folgen könnte also die Flucht in Aktienanlagen sein. Sollten die Zentralbanken eines Tages die Zinsen deutlich anheben könnte das für den Aktien- und Bondmarkt negative Folgen haben. Die Flucht aus den Schwellenländern ist meiner Meinung nach übertrieben, insbesondere China wird weiter wachsen, wenn auch verlangsamt. Zudem glaube ich, dass Anleger nicht von einer weiter deflationären Tendenz beim Rohöl und anderen Rohstoffen ausgehen sollten.

e-fundresearch.com: Wo lauern 2016 die größten Herausforderungen und welche generellen Volatilitätsniveaus erwarten Sie für das nächste Jahr? 

"Etwas in Vergessenheit geraten scheint die Euro-Schuldenkrise, Investoren sollten auch hier sehr wachsam die Vorgänge beobachten."

Hagen-Holger Apel: Wie eingangs beschrieben wird die Allokation von Kapital in 2016 nicht unbedingt einfacher als in 2015.

Ich erwarte keine großen Auswirkungen durch eine eventuelle Zinsanhebung seitens der FED in den USA. Ich bin der Meinung, dass moderate Zinsanhebungen bereits vom Markt eingepreist sind und weggesteckt werden können.

Ich sehe die Herausforderungen eher auf der geopolitischen Seite. Einige Krisenherde sowie eine massive Flüchtlingskrise in Europa stellen die einzelnen Länder vor große  Herausforderungen.

Etwas in Vergessenheit geraten scheint die Euro-Schuldenkrise, Investoren sollten auch hier sehr wachsam die Vorgänge beobachten.

Demzufolge rechne ich mit erhöhten Volatilitäten. Der August 2015 hat einen Vorgeschmack auf das gegeben, was passieren kann, wenn Investoren sich aus dem Markt zurückziehen und mangelnde Liquidität zu großen Verwerfungen führt. Herausfordernd werden auch die globalen Währungsströme zugunsten des USD sein, denen man meiner Meinung nach nicht unbedingt folgen sollte.

e-fundresearch.com: Wir danken für das Gespräch!

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen.

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