Sind sozial verantwortliche Investments mit den Schwellenländern vereinbar?

Managers | 18.10.2022 10:00 Uhr
Patricia Urbano, Kévin Net und Xiadong Bao, Portfoliomanager für Schwellenländeraktien, Edmond de Rothschild Asset Management / © e-fundresearch.com / Edmond de Rothschild Asset Management
Patricia Urbano, Kévin Net und Xiadong Bao, Portfoliomanager für Schwellenländeraktien, Edmond de Rothschild Asset Management / © e-fundresearch.com / Edmond de Rothschild Asset Management
Advertorial

Das Jahr 2021 war ein Wendepunkt für sozial verantwortungsbewusste Investments in Europa, und die positive Dynamik scheint anzuhalten. Tatsächlich machen Fonds, die SRI-Komponenten einbeziehen, inzwischen mehr als 24 % am Gesamtvermögen der in Europa1 vertriebenen Fonds aus (von denen sich die Hälfte auf Aktien konzentriert). Die Schwellenländer hingegen haben bisher nur in bescheidenem Maße von dem SRI-Trend profitiert, auf die etwas mehr als 10 Prozent aller SRI-Fonds entfallen. Die Berücksichtigung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren bei Investitionen in diesen Märkten kann sich jedoch als äußerst wertvoll erweisen. Darüber berichten Patricia Urbano, Xiadong Bao und Kévin Net, Portfoliomanager für Schwellenländeraktien bei Edmond de Rothschild Asset Management.

Gibt es einen Unterschied in der Wahrnehmung von SRI in Europa und den Schwellenländern?

Xiadong Bao: Ja, bei der Analyse sozial verantwortungsbewusster Investments gibt es eindeutige Unterschiede zwischen Industrie- und Schwellenländern. In China sind sozial verantwortungsbewusste Investments beispielsweise eng mit den politischen Zielsetzungen der Regierung in Peking verbunden, die sich hauptsächlich auf die CO2-Neutralität – die im Jahr 2020 für das Jahr 2060 angekündigt wurde und im 14. Fünfjahresplan vom März 2021 bestätigt wurde – und den gemeinsamen Wohlstand konzentriert. Dennoch sind 15 % der 170 ESG-Fonds in China an Kohleunternehmen beteiligt2. Folglich ist es durchaus wahrscheinlich, dass ein Teil der chinesischen ESG-Fonds in Europa nicht als solche angesehen würde. Wichtiger ist jedoch, dass trotz dieser unterschiedlichen Visionen das Bestreben, die Berücksichtigung dieser Themen zu verbessern und die Möglichkeiten, die sie bieten, zu erschließen, zunehmend präsent ist. 

Patricia Urbano: Auch Lateinamerika legt großen Wert auf seine Energiesicherheit. Das beinhaltet die schnelle Entwicklung von erneuerbaren Energien, aber auch die Nutzung fossiler Energieträger. Die Unterschiede im Entwicklungsstadium der Schwellenländer spielen eine wichtige Rolle für den Fortschritt dieser Themen. 

Warum sollte man also die SRI-Prinzipien auf die Schwellenländer anwenden?

Kévin Net: Als Investoren sind wir davon überzeugt, dass mit einer ESG-Analyse genau die Unternehmen identifiziert werden können, deren Strategie langfristig am sinnvollsten ist. Dieser Faktor ist in der Tat einer der ersten Aspekte, den wir berücksichtigen, noch vor den reinen SRI-Kriterien (Beziehungen zu den Stakeholdern, nachhaltiges Wachstum). Außerdem haben wir festgestellt, dass aufstrebende Unternehmen, die über ihre Nachhaltigkeitsbemühungen kommunizieren, eher die Aufmerksamkeit ausländischer Investoren auf sich ziehen, die für diese Themen sensibilisiert sind, da diese Aspekte in der Regel weniger in der Berichterstattung berücksichtigt werden.  

Xiadong Bao: Ich würde noch hinzufügen, dass eine Berücksichtigung der ESG-Kriterien in den Schwellenländern eine größere potenzielle Wirkung hat. So werden 80 Prozent aller Solarmodule zum Beispiel in China hergestellt. Sie sind zwar für die weltweit geforderte Energiewende unverzichtbar, ihre Produktion könnte jedoch im Hinblick auf die ökologische und soziale Nachhaltigkeit weiter verbessert werden. Die Unterstützung für chinesische Unternehmen in diesem Segment würde sich in zweifacher Hinsicht positiv auswirken: global für die Energiewende und lokal für die Umwelt und Arbeitnehmer. 

Woher bekommt man zuverlässige Daten zu diesem Thema?

Kévin Net: Das ist nach wie vor ein Problem, allerdings verbessert sich die Lage hier deutlich. Einige Länder, wie z. B. Südkorea, haben Transparenzvorschriften verabschiedet. Auch Indien steht kurz davor, diesbezüglich rechtliche Vorgaben einzuführen, und in China ist die Erstellung von ESG-Berichten ab 2023 vorgeschrieben. Während 83 Prozent der größten Unternehmen Chinas bereits ESG-Informationen vorlegen, liegt der Gesamtprozentsatz bei nur 30 Prozent, so dass in diesem Bereich erhebliche Verbesserungen zu erwarten sind.

Wichtig ist, dass es möglich ist, Daten direkt von Unternehmen zu erhalten. Wenn wir uns mit der Unternehmensleitung treffen, werden ESG-Kriterien systematisch erörtert. Dies war kürzlich bei Varun Beverages der Fall, einem indischen Unternehmen, das Getränke für Pepsi Co produziert, abfüllt und vertreibt. Das Unternehmen, das externen Anbietern kaum bekannt war, beginnt, Maßnahmen im Bereich Nachhaltigkeit zu ergreifen - vor allem in Bezug auf Umweltfragen - und hat ein sehr hohes Potenzial für Verbesserung. Außerdem dürfte es von Fachwissen von Pepsi Co. profitieren, die in diesem Bereich sehr aktiv sind. 

Patricia Urbano: Beispielsweise haben innerhalb des Bovespa-Index (der die 50 größten Marktkapitalisierungen des Landes umfasst) 56 Prozent der Unternehmen ihre Scope-1- und Scope-2-Emissionen und 52 Prozent ihre Scope-3-Emissionen offengelegt. Als Ergänzung zu unseren Analysen nutzen wir außerdem einen Datenanbieter, der sich auf die chinesischen Märkte spezialisiert hat: MioTech. Das in Hongkong ansässige Unternehmen konzentriert sich bei seinen Analysen auf Bruttodaten und ermöglicht es uns damit, unsere Überzeugungen weiter zu verfeinern. 

Welche Kriterien sollten angewandt werden und unterscheiden sich von Land zu Land?

Xiadong Bao: Unsere zugrundeliegenden Kriterien sind immer die gleichen, sie sind von Land zu Land identisch. Allerdings können die Toleranzgrenzen je nach dem Entwicklungsfortschritt des jeweiligen Landes variieren. Trotzdem ist festzustellen, dass sich die Schwellenländer in Richtung einer stärkeren Berücksichtigung von ESG-Kriterien bewegen. Dieser Trend wird auch durch einen permanenten Druck der Anleger in diese Richtung verstärkt. Darüber hinaus verfolgen immer mehr Vermögensverwaltungsgesellschaften aus Schwellenländern sozial verantwortungsbewusste Investmentansätze.  

Kévin Net: Auch die Geschichte jedes Landes spielt bei diesen Überlegungen eine große Rolle. Südkorea beispielsweise ist anderen Schwellenländern in der sozialen Dimension voraus, da die Gewerkschaften seit den 1990er Jahren eine wichtige Rolle spielen. Was hingegen die Governance-Aspekte angeht, so sind verflochtene Eigentumsstrukturen nach wie vor häufig und tendenziell eher undurchsichtig. Die kürzlich erfolgte Verabschiedung eines Transparenzkodexes dürfte es dem Land jedoch ermöglichen diesem Punkt zu verbessern. 

Patricia Urbano: Die in den Schwellenländern verfügbaren Ressourcen haben ebenfalls einen Einfluss. China ist beispielsweise einer der größten Ölimporteure weltweit. Daher gehört es zu den Prioritäten der Regierung, den eigenen Energiemix über einen deutlichen Ausbau der erneuerbaren Energien zu sichern. 

Kann SRI sektorale und geografische Verzerrungen mit sich bringen?

Kévin Net: Die Anwendung eines SRI-Ansatzes führt unweigerlich dazu, dass bestimmte Sektoren ausgeschlossen oder untergewichtet werden, und damit können auch kurzfristige Auswirkungen verbunden sein. Wir sind jedoch überzeugt, dass die Schwellenländer bei diesem langfristigen Thema große Chancen bieten. Einmal mehr hat das aufstrebende Asien eine Schlüsselrolle bei der Energiewende inne. 

Ist es interessanter, die derzeitigen Marktführer zu unterstützen oder Unternehmen, die sich noch verbessern?

Patricia Urbano: Beide, das steht völlig außer Frage. Die Marktführer einerseits, weil sie im Mittelpunkt eines SRI-Ansatzes stehen und in dieser Hinsicht unserer Ansicht nach ein sehr attraktives Potenzial bieten, und die sich verbessernden Unternehmen andererseits, weil wir auch das als Teil unserer Rolle als Anleger ansehen.  

SLC in Brasilien ist ein Beispiel für ein Unternehmen, das Fortschritte macht. An 23 Industriestandorten produziert SLC hauptsächlich Baumwolle, Soja und Mais, ist aber auch in der Rinderzucht tätig. So wird bei SLC in Zukunft zunehmend auf die ESG-Auswirkungen und insbesondere auf die Abholzung von Wäldern geachtet. Zu diesem Zweck soll die Produktivität verbessert werden, anstatt die bewirtschafteten Flächen weiter auszubauen. 

Kévin Net: Reliance in Indien ist ebenfalls ein interessantes Beispiel für ein Unternehmen, das sein Geschäftsmodell zugunsten einer nachhaltigen Entwicklung angepasst hat. Das Unternehmen, das auf die petrochemische Industrie spezialisiert ist, konzentriert derzeit einen Großteil seiner Investitionen in Tätigkeitsbereiche, die mit der nachhaltigen Entwicklung im Zusammenhang stehen. So hat das Unternehmen insbesondere eine Investition über 25 Mrd. US-Dollar in den Ausbau der 5G-Telefonie angekündigt, um die Digitalisierung auf dem indischen Subkontinent zu beschleunigen und vielen Menschen in Indien, die bislang noch keine Internetverbindung haben, Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen zu ermöglichen. Außerdem möchte Reliance zu einem wichtigen Anbieter im Bereich der erneuerbaren Energien werden. Dieses Vorhaben passt gut zum Ziel der CO2-Neutralität bis zum Jahr 2070, das von der indischen Regierung im Jahr 2021 angekündigt wurde. 

Stellt die Energiewende einen Umbruch dar? 

Xiadong Bao: Die jüngsten geopolitischen Ereignisse führen zu einer Beschleunigung der bereits von zahlreichen Schwellenländern eingeleiteten Entwicklung. In China ist bereits angekündigt worden, dass die CO2-Neutralität bis zum Jahr 2060 erreicht werden soll, allerdings dürften die Investitionen noch weiter steigen. Zwar ist das Land nach wie vor in hohem Maße auf Kohleraftwerke angewiesen, aber die Dynamik zugunsten eines nachhaltigeren Energiemixes ist eindeutig vorhanden. Mit 1250 Milliarden Kilowattstunden Strom im ersten Halbjahr 2022 ist China zugleich auch der weltweit größte Produzent im Bereich der erneuerbaren Energien3. Ein weiteres Beispiel sind die über eine Million Ladestationen für Elektrofahrzeuge, die im gleichen Zeitraum geschaffen wurden. All das zeigt, wie komplex sozial verantwortungsbewusste Investments in den Schwellenländern sind, vor allem verdeutlicht es jedoch die großen Chancen, die damit verbunden sind, und welche Bedeutung einer entsprechenden Berücksichtigung bei unseren Anlageüberzeugungen zufällt. 

Patricia Urbano, Kévin Net und Xiadong Bao, Portfoliomanager für Schwellenländeraktien, Edmond de Rothschild Asset Management

1.  Quelle: Observatoire Quantalys de l'Investissement Socialement Responsable – Juni 2021 
2. Quelle: Bloomberg September 2022 – „Xi's ESG Boom Funnels Billions Into Coal, Liquor, Defense Stocks“  
3. Quelle: Nationale Energiebehörde (NEA) in China - Juli 2022 

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