e-fundresearch.com: Frau Mantzel, was hat Sie dazu bewogen, eine Karriere in der Finanzbranche und speziell im Asset Management anzustreben? Gab es Vorbilder oder Schlüsselpersonen, die Sie inspiriert oder beeinflusst haben? Wie haben diese Ihre berufliche Orientierung und Ihre Ansichten über die Branche geformt?
Susette Mantzel: Mein Weg in die Finanzbranche – und speziell ins Wealth und Asset Management – wurde durch mehrere Faktoren geprägt. Zum einen wollte ich unabhängig vom familieneigenen Handwerksbetrieb meinen eigenen beruflichen Weg gehen und entschied mich früh für eine Tätigkeit im Büro. Nach meiner Berufsausbildung mit Abitur zur Finanzkauffrau bot sich mir die Möglichkeit, im Finanzwesen Fuß zu fassen – ein Bereich, der in Ostdeutschland als Frauenberuf mit guten Karrierechancen galt. Ich begann meine Laufbahn nach der Ausbildung direkt in der Betreuung internationaler institutioneller Anleger. Nach über 20 Jahren im Investmentbanking wechselte ich ins Wealth und Asset Management, getrieben von Neugier und meiner inneren Motivation, meinen Arbeitsalltag neu zu gestalten.
Zu Beginn meiner Karriere war die Finanzbranche noch deutlich männlich dominiert, und Frauen hatten es oft schwerer, sich durchzusetzen. Die Rolle von Frauen im Finanzwesen hat sich zwar über die Jahre positiv entwickelt, ist aber noch längst nicht da, wo sie sein sollte. Auch heute sind Frauen in der Branche oft unterrepräsentiert, müssen sich stärker beweisen und werden nicht immer von Anfang an ernst genommen.
Zwar gibt es zunehmend weibliche Vorbilder und eine wachsende Anerkennung für Diversität, doch strukturelle Hürden und unausgesprochene Vorurteile bestehen weiterhin. Diese Realität hat meine Sichtweise auf die Branche geschärft – sie zeigt, dass Veränderung zwar möglich, aber noch lange nicht abgeschlossen ist. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Frauen ihren Platz behaupten, sich gegenseitig unterstützen und aktiv zur Weiterentwicklung der Branche beitragen.
Der Artikel wird nach der Anzeige fortgesetzt.e-fundresearch.com: Welche spezifischen Hindernisse oder Herausforderungen haben Sie in Ihrer Laufbahn im Asset Management erlebt, und wie haben Sie Strategien entwickelt, um diese erfolgreich zu überwinden?
Susette Mantzel: Eine der größten Hürden war es, mich in einer anspruchsvollen und männerdominierten Branche zu orientieren und selbstbewusst meinen eigenen Weg zu gehen. Ich habe mich häufig an erfahrenen Kolleginnen und Kollegen orientiert, die nicht nur ihr Wissen geteilt, sondern mich auch ermutigt haben, eigene Ideen einzubringen und mich weiterzuentwickeln. Mentoring innerhalb der Firma ist daher für mich essenziell, genauso wie das Teambuilding auf Augenhöhe. Regelmäßiges Feedback und ein ehrlicher und offener Austausch innerhalb des Teams sind dabei sowohl für die persönliche als auch für die Weiterentwicklung im Team wichtig.
e-fundresearch.com: Welchen Rat würden Sie Frauen geben, die noch am Beginn ihrer Asset Management Karriere stehen?
Susette Mantzel: Mein Rat an Frauen, die am Beginn ihrer Karriere im Wealth und Asset Management stehen, ist: Nehmt euch regelmäßig Zeit für Selbstreflexion. Fragt euch, ob der eingeschlagene Weg noch zu euren Zielen und Werten passt: Mache ich das, was ich wirklich möchte, und zahlt es auf meine Ziele ein? Haben sich meine Vorstellungen verändert? Entspricht mein aktueller Weg noch meinen persönlichen Umständen? Diese Reflexion hilft, bewusst Entscheidungen zu treffen und den eigenen Karriereweg aktiv zu gestalten.
Gleichzeitig ist es wichtig, nicht leichtfertig aufzugeben. Herausforderungen gehören dazu – sie bieten die Chance zu wachsen und neue Perspektiven zu entdecken. Dranbleiben, sich weiterentwickeln und den eigenen Weg mit Selbstbewusstsein gehen, auch wenn es mal schwierig wird.
e-fundresearch.com: Welche Vorteile sehen Sie darin, dass mehr Frauen in Führungspositionen im Asset Management vertreten sind? Und wie können Unternehmen dazu beitragen, eine diverse und inklusive Kultur noch stärker zu fördern?
Susette Mantzel: Nach meiner Erfahrung können sich Frauen und Männer sehr gut ergänzen – sei es in der Kundenbetreuung oder im Asset Management. Die Vielfalt an Perspektiven kann somit zu besseren Ergebnissen und Entscheidungen führen.
Um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, sollten Unternehmen gezielt Anreize schaffen – etwa durch Fortbildungen, Mentoring-Programme und eine aktive Förderung von Talenten. Gleichzeitig müssen strukturelle Hürden abgebaut werden. Besonders die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt eine Herausforderung, da Kinderbetreuungsangebote oft unflexibel sind. Unternehmen können hier durch flexible Arbeitsmodelle, unterstützende Strukturen und eine offene Unternehmenskultur einen entscheidenden Beitrag leisten.
e-fundresearch.com: Vielen Dank für das Gespräch & weiterhin viel Erfolg, Frau Mantzel!
Über Susette Mantzel:
Susette Mantzel verfügt über rund 30 Jahre Erfahrung in der Finanzbranche und leitet heute das Private Market Solutions Team im Wealth und Asset Management bei Berenberg. Das Team ist verantwortlich für die Finanzinstrumente und Produkte, die im Rahmen des Beratungsgeschäfts des Wealth Managements eingesetzt werden und illiquide Anlageklassen abdecken. Zuvor war Susette Mantzel mehr als 20 Jahre im Aktienvertrieb für institutionelle Kunden in den Benelux-Ländern tätig und betreute danach UHNWI und HNWI im Bereich Wealth Management von Berenberg. Ihre Erfahrung wird durch verschiedene Projekte, etwa im Bereich der Produkt-Governance, ergänzt.
Susette Mantzel hat einen Abschluss als Bankfachwirtin und ist CFA Charterholder.
Im RoleModel-Wordrap: Susette Mantzel
Im gesamten Bildungssystem sollte mehr getan werden,...
...um grundlegendes Wissen aus dem Finanzbereich weiterzugeben und dabei Interesse an der Branche zu wecken.
Was ich anderen Frauen im Finanzbereich mit auf den Weg geben möchte...
...beharrlich bleiben.
Die Wealth-Management-Branche hat mich gelehrt, dass...
...Kunden im Privatkundensegment oft emotional handeln. Berater sollten daher die Fähigkeit besitzen, sensibel darauf einzugehen und ihre Beratung individuell anzupassen.