Chefökonom Dr. Karsten Junius: „Die regelbasierte Weltordnung ist endgültig vorbei“

Zu Beginn des Jahres 2026 ordnet Karsten Junius, Chief Economist bei der Bank J. Safra Sarasin, die wirtschaftlichen und marktbezogenen Entwicklungen ein. Im Interview spricht er über die Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft trotz geopolitischer Spannungen, die anhaltende Bedeutung des KI-getriebenen Investitionsbooms und die Folgen einer dauerhaft erhöhten Unsicherheit für die Finanzmärkte. Zudem erläutert Junius seine Einschätzung zu Gold, zur Asset Allocation in einem volatilen Umfeld, zur Geldpolitik im Euroraum sowie zu den konjunkturellen und strukturellen Perspektiven Deutschlands. Managers | 16.01.2026 10:56 Uhr
Simon Weiler im Gespräch mit  Dr. Karsten Junius, Chief Economist bei J. Safra Sarasin
Simon Weiler im Gespräch mit Dr. Karsten Junius, Chief Economist bei J. Safra Sarasin

Simon Weiler: Herr Junius, wir befinden uns zu Beginn des Jahres 2026. Wenn Sie noch einmal auf das vergangene Jahr zurückblicken: Wie fällt Ihr Gesamtfazit für 2025 aus? Was hat Sie besonders positiv, was besonders negativ überrascht?

Dr. Karsten Junius: Die negativen Aspekte würde ich ehrlich gesagt lieber vergessen. Dazu zählen unter anderem die Zölle und die Unordnung in der politischen Landschaft. Diese Faktoren haben das Umfeld sicher nicht einfacher gemacht. Was für mich jedoch klar überwiegt, sind die positiven Entwicklungen, insbesondere die Wachstumsdynamik und die Anpassungsfähigkeit der Weltwirtschaft. Wir befinden uns immerhin in einem Handelskrieg, und dennoch ist der Welthandel weiter angestiegen. Das ist bemerkenswert. Der zentrale Treiber dafür war die dominante Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz. Sie hat Investitionen in vielen Ländern angeschoben, vor allem in den USA, und damit auch einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass die Finanzmärkte im vergangenen Jahr insgesamt positiv verlaufen sind.

Simon Weiler: Zu Beginn des neuen Jahres hat es...