Nach Spreadausweitung: Attraktiver High-Yield-Einstiegszeitpunkt?

Die Kreditspreads im europäischen High-Yield-Segment sind zuletzt spürbar angestiegen. Im exklusiven Interview mit e-fundresearch.com erläutert Alexia Latorre (Lazard Asset Management), warum die nominal steigenden Ausfallraten kein Grund zur Sorge sind, weshalb sie die EZB-Pfade anders einschätzt als der Markt und warum das europäische Universum gegenüber den USA derzeit deutliche Qualitätsvorteile bietet. Managers | 02.04.2026 12:01 Uhr
Alexia Latorre (Lazard Asset Management) im Gespräch mit e-fundresearch.com / © Lazard Asset Management
Alexia Latorre (Lazard Asset Management) im Gespräch mit e-fundresearch.com / © Lazard Asset Management

Advertorial

Am 18. März traf e-fundresearch.com Chefredakteur Simon Weiler die Fondsmanagerin Alexia Latorre in Wien zu einem ausführlichen Fachgespräch über die aktuelle Dynamik am europäischen Hochzinsmarkt. Das nachfolgende Q&A beleuchtet die strategische Positionierung von Lazard Asset Management in einem volatilen Marktumfeld.

Zahlungsausfälle und die Realität hinter der Statistik

e-fundresearch.com: Frau Latorre, wie viel Sorgen machen Sie sich um das europäische High Yield Segment? Wir haben zuletzt beobachten können, dass die Ausfallraten über den historischen Durchschnitt gestiegen sind. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Alexia Latorre: Die aktuelle Ausfallquote von 3,9 % liegt zwar über dem historischen Schnitt von 2,8 %, doch 90 % dieser Fälle waren sogenannte Distressed Debt Exchanges (DDE). Das bedeutet, dass der reale Verlust für Bondholder deutlich geringer ausfiel, da die Recovery Rates bei DDEs oft über 70 % liegen. Es ist eher eine zweite Chance für Unternehmen, sich über den Zyklus zu retten. Moody’s erwartet für die nächsten zwölf Monate einen Rückgang der Quote auf 2,2 %. Da die Debt Maturity Schedules weitgehend in die Jahre 2026 und 2027 verschoben wurden, besteht aktuell kein akuter Refinanzierungsdruck. Solange das BIP-Wachstum in Europa 2026 positiv bleibt, sehen wir hier keine systemische Gefahr.

e-fundresearch.com: Es handelt sich also eher um ein isoliertes Problem im Distressed-Debt-Bereich bzw. im Triple-C-Universum, wo der Loss-Given-Default (LGD) am Ende überschaubar bleibt?

Alexia Latorre: Exakt. Die Performance im Triple-C-Sektor war im letzten Jahr zwar aufgrund dieser DDEs negativ, aber keineswegs desaströs. Das liegt daran, dass die Haircuts sehr limitiert waren. Viele Anleger betrachten Ausfälle fälschlicherweise als binäres Ereignis, bei dem der Wert auf Null fällt. In Wirklichkeit sind die Wertverluste bei DDEs moderat, mit begrenzten „Haircuts“. So erhalten diese Unternehmen eine zweite Chance, bis sich der Zyklus wieder dreht. In einem Universum mit 340 Emittenten sind Einzelfälle unvermeidbar. Entscheidend ist die Gewichtung: Wir limitieren kritische Titel auf maximal 0,5 %, um die Gesamtrendite des Fonds nicht zu gefährden.

Geopolitik und die Zinspfade der EZB

e-fundresearch.com: Wir erleben derzeit ein turbulentes geopolitisches Umfeld, insbesondere durch die Konflikte im Nahen Osten. Welche unmittelbaren Konsequenzen sehen Sie für Ihr Anlageuniversum?

Alexia Latorre: Der primäre Transmissionskanal ist der Ölpreis. In ihrer Rede vom 19. März betonte Christine Lagarde, dass die aktuelle Krise im Nahen Osten das Risiko einer steigenden Inflation und einer Abschwächung des Wachstums neu entfacht. Die EZB geht inzwischen davon aus, dass das Wachstum im Euroraum in diesem Jahr bei +0,9 % liegen dürfte – gegenüber +1,2 % im Dezember – und dass die Inflation 2026 bei 2,6 % statt der zuvor prognostizierten 1,9 % liegen wird. Trotzdem teilen wir die derzeitige Markterwartung nicht, dass die EZB die Zinsen bis Ende des Jahres anheben wird. Im Falle einer Rezession wäre sogar eher eine erneute Zinssenkung denkbar.

Lazard Asset Management Fondsmanagerin Alexia Latorre (Managing Director und Head of Corporate High Yield) traf e-fundresearch.com zum Interview in Wien. 

KI: Bedrohung oder Chance für Kreditinvestoren?

e-fundresearch.com: Vor Beginn der jüngsten Spannungen gab es massive KI-Sorgen im Softwaremarkt. Wie groß ist die Bedrohung oder die Chance durch KI aus Sicht eines Bondholders?

Alexia Latorre: Zunächst ist festzuhalten, dass der Anteil von Softwareunternehmen im Euro-High-Yield-Universum mit 3 % sehr gering ist – im Vergleich zu über 25 % im Private-Credit-Bereich. Für Anleihegläubiger ist KI oft eher eine Chance zur Kostensenkung und Margenoptimierung als eine Bedrohung. Atos beispielsweise berichtete uns, dass sie durch KI tausende IT-Stellen einsparen können. Solange Unternehmen stabilen Free Cashflow generieren, ist die Bewertung der Multiples eher ein Problem für Equity-Investoren. In Europa verläuft die Adaption zudem langsamer als in den USA, was den hiesigen Unternehmen mehr Zeit gibt, sich an das neue Umfeld anzupassen.

Europa versus USA: Der Qualitätsvergleich

e-fundresearch.com: Was sind die primären Gründe, warum man derzeit den europäischen Hochzinsanleihen-Markt gegenüber dem US-Markt bevorzugen sollte?

Alexia Latorre: US-High-Yield ist im Vergleich schlicht teurer. Wir sehen dort ähnliche Spreads wie in Europa, obwohl das US-Universum eine deutlich aggressivere Qualitätsstruktur aufweist. Der Anteil an CCC-Papieren liegt in Europa bei nur 4 %, während er in den USA 9 % beträgt. Zudem hat der europäische High Yield Markt den Vorteil kürzerer durchschnittlicher Laufzeiten (4 Jahre gegenüber 4,7 Jahren in den USA), was ihn weniger zinssensitiv macht. Und dennoch bietet der europäische Markt nahezu identische Spreads – und damit ein ebenso attraktives Niveau wie die USA.

Sektorfokus: Chancen in der Chemieindustrie

e-fundresearch.com: Wenn wir auf die Sektoren blicken: Die Chemiebranche lieferte innerhalb des High Yield Universums zuletzt besonders schwache Ergebnisse. Finden Sie dort nach dem Rerating bereits attraktive Bottom-Up-Gelegenheiten?

Alexia Latorre: Ja, wir sehen mittlerweile sehr attraktive Emittenten im Chemiesektor. Die aktuelle Lage im Nahen Osten verbessert das Verhältnis von Angebot und Nachfrage, das zuvor unter den chinesischen Exporten gelitten hatte. Zum einen sind die Exporte aus dem Nahen Osten stark eingeschränkt, zum anderen konzentrieren sich asiatische Produzenten zunehmend wieder auf ihre Heimatmärkte. Auch die gestiegenen Transportkosten stärken die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen. Wir bevorzugen Unternehmen, die sowohl in Europa als auch in den USA produzieren, um von den jeweiligen Vorteilen bei den Energiekosten zu profitieren. Globale Diversifikation ist in diesem Sektor entscheidend. Einige Unternehmen sind fundamental solide, werden aber aufgrund der negativen Sektorwahrnehmung weiterhin mit attraktiven Risikoaufschlägen gehandelt.

Aktives Management und Ausblick

e-fundresearch.com: Was ist die "Secret Sauce" Ihres Ansatzes, mit dem Sie eine der erfolgreichsten Euro-High-Yield-Strategien verwalten?

Alexia Latorre: Es gibt kein Geheimrezept, aber wir sind extrem reaktiv und flexibel. Unser Portfolio-Turnover liegt nahe bei 1,0, da wir das Portfolio täglich optimieren. Wir verlassen uns auf eigene Finanzmodelle und eine sehr tiefgehende Kreditanalyse. Ein Beispiel war der Ausstieg aus dem Zuckersektor im Sommer 2025: Wir haben die sinkenden Zuckerpreise täglich überwacht und die schwachen Gewinne antizipiert, bevor die Bondkurse einbrachen. Man muss die Treiber jedes einzelnen Emittenten verstehen und antizipieren, wie die nächsten Quartalszahlen ausfallen werden, um den optimalen Ein- oder Ausstiegszeitpunkt zu finden.

e-fundresearch.com: Zusammenfassend: Sehen wir aktuell eine gute Einstiegsgelegenheit, sofern man nicht von einer großflächigen Rezession ausgeht?

Alexia Latorre: Ja. Wenn der aktuelle Konflikt in den nächsten Wochen abklingt, wird das europäische Wachstum kaum beeinträchtigt. Anleger können heute den Carry der Assetklasse vereinnahmen, der zwischen 5,5 % und 6,0 % liegt. Zu Beginn des Jahres lagen die Spreads noch bei 257 Basispunkten; heute stehen wir bei 321 Basispunkten. Das ist ein sehr ordentliches Niveau für ein Umfeld, in dem es den Unternehmen fundamental eigentlich gut geht. Wer vom langfristigen Ausblick überzeugt ist, findet hier derzeit ein sehr attraktives Renditeplus.

e-fundresearch.com: Vielen Dank für das Gespräch, Frau Lattore.

Strategie-Hintergrund: Lazard Euro Corporate High Yield

Die von Alexia Latorre (Managing Director und Head of Corporate High Yield ) geleitete Strategie verfolgt einen disziplinierten Zwei-Säulen-Ansatz. Auf der Top-down-Ebene nutzt das Team das MVST-Modell (Macro, Valuation, Sentiment, Technicals), um das Portfolio-Beta und die Rating-Allokation zu definieren. 

Die Bottom-up-Ebene basiert auf einer proprietären Kreditanalyse von über 340 Emittenten, aus denen circa 130 bis 150 Titel für das Portfolio selektiert werden.

Wesentliche Merkmale der Strategie (Stand 02/2026):

  • Qualitätsfokus: Aktuell besteht ein leichtes Übergewicht in B-Ratings bei gleichzeitiger selektiver Auswahl von CCC-Credits.
  • Duration: Die modifizierte Duration wird dynamisch im Bereich von 0 bis 8 verwaltet und liegt aktuell bei 2,2 (Index: ca. 4,0 Jahre).
  • Sektoren: Größte Allokationen finden sich in den Bereichen Telekommunikation (12 %), Gesundheitswesen (10 %) und Immobilien (9 %).
  • Performance: Die Strategie rangiert laut Morningstar-Daten über 1, 3, 5 und 10 Jahre im 1. Quartil ihrer Vergleichsgruppe.
  • Nachhaltigkeit: Der Fonds ist als SFDR Article 8 klassifiziert und integriert ESG-Kriterien über ein internes Rating-Modell mit rund 90 Kriterien.

Über Alexia Latorre: Alexia Latorre trat 2005 bei Lazard Frères Gestion ein. Sie hält einen Master in Finanzmärkten der Universität Paris-Dauphine und ist seit 2006 CFA-Charterholder. Sie leitet ein spezialisiertes Team von Portfolio-Managern und Analysten für Hochzinsanleihen in Paris.

Disclaimer: Bei diesem Artikel handelt es sich um ein semiredaktionelles Paid Advertorial. Die Inhalte basieren auf einem Interview der e-fundresearch.com Redaktion mit Lazard Asset Management am 18. März 2026 in Wien.


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