Europäische Souveränität: „Selbst mit einem Waffenstillstand ändert sich an der russischen Bedrohung nichts“

Thomas Brenier, Portfolio Manager/Analyst und Head of Equities bei Lazard Frères Gestion, erläutert, warum aus seiner Sicht ein möglicher Waffenstillstand in der Ukraine die strukturellen Treiber des europäischen Verteidigungssektors nicht aushebelt, wie sich europäische Staaten trotz hoher Schuldenstände Souveränitätsinvestitionen leisten können. Managers | 02.06.2026 14:24 Uhr
Thomas Brenier, Portfolio Manager/Analyst und Head of Equities bei Lazard Frères Gestion / © e-fundresearch.com
Thomas Brenier, Portfolio Manager/Analyst und Head of Equities bei Lazard Frères Gestion / © e-fundresearch.com

Advertorial

Die Diskussion um europäische Souveränität ist mit dem Krieg in der Ukraine und der nachlassenden Unterstützung seitens der USA für viele Investoren zu einem zentralen Thema geworden.

e-fundresearch.com: Herr Brenier, welche Auswirkungen hätte ein Waffenstillstand zwischen der Ukraine und Russland auf den Verteidigungssektor, und würde sich dadurch der Investment-Case ändern?

Thomas Brenier: Russland befindet sich heute in einer Kriegswirtschaft und produziert mehr Munition, als im Ukraine-Krieg verbraucht wird. Selbst im Falle eines Waffenstillstands gehen wir davon aus, dass diese Haltung anhält. Russland würde nicht aufhören, Munition zu produzieren, sondern Lagerbestände aufbauen. In Gesprächen mit verschiedenen europäischen Stellen, etwa französischen Behörden oder schwedischen Stellen, wird diese Einschätzung geteilt: Selbst mit einem Waffenstillstand ändert sich an der russischen Bedrohung nichts. Manche argumentieren sogar, ein Waffenstillstand könnte die Lage perspektivisch verschärfen, weil Russland dann sehr schnell große Bestände aufbauen und damit eine noch größere Bedrohung darstellen würde.

Auf die Aktienkurse hätte ein Waffenstillstand sicher kurzfristig Auswirkungen. Wir haben bei jeder Diskussion über einen möglichen Waffenstillstand gesehen, dass die Rheinmetall-Aktie um fünf bis zehn Prozent nachgab. Käme es tatsächlich zu einer Einigung, dürften die Kurse spürbar zurückgehen. Wir würden eine solche Korrektur jedoch als Kaufgelegenheit betrachten: Alles, was die europäischen Regierungen und Staaten zum Wiederaufbau ihrer Verteidigungskapazitäten unternehmen, bleibt davon unberührt.

e-fundresearch.com: Welches Risiko sehen Sie darin, dass sich europäische Staaten Investitionen in Souveränität angesichts ihrer Schuldenstände nicht leisten können, und welche Folgen hätte es, wenn die Herausforderungen nicht angegangen werden?

Thomas Brenier: Das ist eine sehr komplexe Frage, und die Lage ist in Europa unterschiedlich. Einige Länder verfügen über eine sehr solide finanzielle Position, etwa Deutschland oder die nordischen Staaten. Hier wäre die Finanzierung kein Problem. Andere Länder wie Frankreich, wo ich herkomme, stehen finanziell schwächer da. Dort gestaltet sich die Lage komplexer. Dennoch halten wir das Risiko für überschaubar, weil über die Parteigrenzen hinweg ein breiter Konsens besteht, dass in Verteidigung investiert werden muss.

In Frankreich müssen zwar Ausgaben gekürzt und an verschiedenen Stellen Einsparungen vorgenommen werden. Verteidigung gehört angesichts der Bedrohung durch Russland und der nachlassenden US-Unterstützung jedoch explizit nicht zu den Bereichen, in denen gespart werden soll. Selbst die finanziell schwächeren Staaten dürften daher einen Weg zur Finanzierung finden. Hinzu kommt: In den europäischen Haushalten liegen sehr hohe private Ersparnisse, die oft in Geldmarktfonds geparkt sind. Diese Mittel müssten in produktivere Anlagen umgelenkt werden, ein Hebel, der auch zur Finanzierung notwendiger Investitionen beitragen kann.

e-fundresearch.com: Im Rahmen Ihres Fonds für europäische Souveränität sind Sie weder in Banken noch in Lebensmittelunternehmen investiert. Halten Sie diese nicht auch für wichtige Souveränitätsfragen?

Thomas Brenier: Banken und Lebensmittel sind zweifellos zentrale Souveränitätsthemen. Ohne eine sichere Lebensmittelversorgung der Bevölkerung gibt es ein erhebliches Problem, und Banken sind ein wichtiger Kanal, um Finanzierungen und Investitionen für die anstehenden europäischen Aufgaben zu kanalisieren. Ohne funktionsfähigen Bankensektor funktioniert keine Volkswirtschaft.

Der Grund, warum wir im Rahmen unseres Fonds dennoch nicht in beide Bereiche investieren, ist folgender: Im Bankensektor sehen wir einen Bereich der Souveränität, der bereits heute sehr gut funktioniert und stark organisiert ist. Europäische Banken sind kaum übernehmbar, sie sind durch die Regulierung der Europäischen Zentralbank gut geschützt, und der Sektor ist über die vergangenen Jahre kontinuierlich stärker geworden. Banken sind also souveränitätsrelevant, aber nicht das eigentliche Souveränitätsproblem. Wir investieren bevorzugt dort, wo Veränderungsprozesse im Gange sind, etwa im Verteidigungssektor mit dem Aufbau industrieller Kapazitäten oder im Infrastrukturbereich.

Beim Thema Lebensmittel ist es differenzierter: Der souveränitätsrelevante Teil liegt vor allem in der primären Quelle der Nahrungsmittelversorgung, also in Landwirtschaft und Importen. Diese Bereiche finden sich aber kaum am Aktienmarkt. Dort gibt es keine reinen Landwirtschaftsunternehmen. Was am Aktienmarkt vertreten ist, sind weiterverarbeitende Konzerne und Marketing-Unternehmen. Wir haben nichts gegen Nestlé oder Danone, aber Danone-Joghurts oder Nespresso sind aus unserer Sicht keine Souveränitätsthemen. Was am Aktienmarkt verfügbar ist, entspricht insofern nicht unserem Investmentkriterium. Wir adressieren das Thema deshalb indirekt, über Unternehmen, die Ausrüstung für den Agrarsektor liefern. Beispiele sind Alfa Laval aus Schweden mit Ausrüstung für die Lebensmittelverarbeitung oder Michelin aus Frankreich mit Reifen für Lkw und Traktoren. So spielen wir das Thema nicht direkt, sondern über die zuliefernde Industrie.

e-fundresearch.com: Vielen Dank für das Gespräch.

Weitere beliebte Meldungen:

Disclaimer: Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine entgeltliche Einschaltung in Form eines Advertorials. Die geäußerten Ansichten und Einschätzungen geben die persönliche Meinung der zitierten Person zum Zeitpunkt des Gesprächs wieder und können sich jederzeit und ohne Vorankündigung ändern. Dieser Beitrag stellt weder eine Anlageberatung noch ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Performance. Investitionen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals.

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.