Metzler-Chefvolkswirt Walk: „Das Recht des Stärkeren gilt“

Beim Metzler-Sommerempfang über den Dächern Wiens ordnet Chefvolkswirt Edgar Walk ein, warum die regelbasierte Nachkriegsordnung Geschichte ist, weshalb der globale Aktienindex faktisch nur noch das Thema KI spielt – und wie das Haus mit AAA-Staatsanleihen, kurzen Laufzeiten und Edelmetallen gegen die nächste Volatilitätswelle austariert. Managers | 14.07.2026 11:15 Uhr
Edgar Walk, Chefvolkswirt von Metzler Asset Management / © e-fundresearch.com
Edgar Walk, Chefvolkswirt von Metzler Asset Management / © e-fundresearch.com

Zum Sommerempfang lud Metzler Asset Management in diesem Jahr über die Dächer Wiens – in die Räumlichkeiten von e-fundresearch.com, wo – welch Wunder – natürlich auch unsere Redaktion vertreten war. Geschäftsführer Philip Schätzle eröffnete mit einem Blick auf das Geschäft des Hauses, Chefvolkswirt Edgar Walk übernahm anschließend den makroökonomischen Ausblick. Der rote Faden des Abends: In einem Umfeld, das von einer Krise zur nächsten springt, entscheidet weniger die einzelne Prognose als die Robustheit des Portfolios.

Milliardenzuflüsse und ein Klima-Overlay für die Kirche

Schätzle zog eine positive Zwischenbilanz. Der im Vorjahr aufgelegte Infrastruktur-Dachfonds hat sein erstes Closing hinter sich, zwei weitere stehen an; angepeilt sind rund 300 Millionen Euro. Besonders erfolgreich zeigt sich das Haus im Geschäft mit Multi-Asset-Mandaten, deren Herzstück die individuell mit den Kunden abgestimmte strategische Asset Allocation bildet. Die Strategie verzeichnete in den vergangenen zwölf Monaten ein starkes Wachstum und wird sowohl individuell in Form von Spezialfonds als auch in Publikumsfonds angeboten. 

Beim Thema Nachhaltigkeit verwies er auf ein neu aufgesetztes Klima-Overlay für eine evangelische Landeskirche in Deutschland: Metzler übersetzt deren in den Anlagerichtlinien verankerte Klimaziele ins Portfolio, steuert sie und überwacht die Einhaltung.

„Wir leben in einer Weltunordnung“

Walk stellte seinen Ausblick unter ein großes Vorzeichen: Die regelbasierte Nachkriegsordnung existiere nicht mehr. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar hätten Politiker aus den USA, Europa und Asien im Kern dasselbe konstatiert. „Wir leben eigentlich in einer neuen Weltordnung, die keine Ordnung mehr hat“, so Walk. Historisch folgten Phasen des Friedens und der Konflikte einander in Zyklen – aktuell befinde man sich in einer Phase der Unordnung. Wo keine Ordnung mehr gelte, definiere sich Macht über militärische Stärke und die Kontrolle von Rohstoffen und Lieferwegen. Als Belege nannte er Russlands Gas-Verknappung, die zeitweilige