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Morse: "Wir meiden Venezuela"

Nicholas Morse, Head of Latin America Equities bei Schroders, spricht im aktuellen Schroders Insight Interview über die beeindruckende Entwicklung der lateinamerikanischen Aktienmärkte während der letzten Jahre sowie die künftigen Aussichten dieser Region. Managers | 29.11.2005 12:12 Uhr

Die lateinamerikanischen Aktienmärkte haben in den vergangenen Jahren sehr gute Renditen erzielt. Haben noch nicht in diesen Märkten investierte Anleger „den Zug verpasst” ?

Die starken Kursanstiege dieser Märkte seit Anfang 2003 wurden durch Faktoren wie die höhere Risikotoleranz der Anleger, verbesserte Aussichten für das globale Wachstum, höhere Rohstoffpreise, das starke Inlandswachstum sowie deutlich steigende Unternehmensgewinne begünstigt. Trotz dieser positiven Entwicklung bestehen langfristig auch weiterhin gute Gründe für eine Anlage in lateinamerikanische Aktien. Die makroökonomischen Fundamentaldaten sind in der gesamten Region recht positiv zu beurteilen. Die derzeitigen Haushalte weisen gesunde Überschüsse auf. Unterstützt wird dies durch einen Preisanstieg sowohl von Agrarprodukten und Erdöl als auch von Metallen, während sich das Inflationsumfeld insbesondere im Nahrungsmittelbereich erheblich verbessert hat. Dies ist in Ländern, deren Einwohner überwiegend niedrige Einkommen aufweisen, ein bedeutender Faktor. In den Märkten Brasilien und Mexiko sind die Zinsen rückläufig, und auch der Anstieg ausländischer Direktinvestitionen liegt in den meisten lateinamerikanischen Ländern über den Erwartungen. Globale Anleger werden weiterhin durch die in Lateinamerika mit Aktien erzielbaren hohen Renditen angelockt, wobei die Unternehmen besser geführt werden und
Aktionärsinteressen stärkere Beachtung geschenkt wird. Die kurzfristigen Risiken dieser Region sind primär auf externe Faktoren, insbesondere das Niveau der Rohstoffpreise und eine potenzielle Verschlechterung der Risikobereitschaft globaler Anleger, zurückzuführen.

Müssen sich Anleger wegen der starken Abhängigkeit dieser Märkte von Rohstoffpreisen Sorgen machen?

Die lateinamerikanischen Märkte sind nach wie vor von Rohstoffpreisen abhängig (nicht nur Öl und Kupfer sondern auch Eisenerz, Gold sowie Agrarprodukte wie beispielsweise Sojabohnen). Eine andauernde Stärke Chinas und ein solides Wachstum in den Vereinigten Staaten dürften jedoch unterstützend wirken. Die Rohstoffpreise scheinen ein nachhaltiges Niveau erreicht zu haben, und wir halten einen Rückgang in einem Umfang, der die Handels- oder Steuerbilanzen spürbar beeinträchtigen würde, für unwahrscheinlich.

Insgesamt dürfte die solide weltweite Konjunktur positive Auswirkungen auf die lateinamerikanischen Aktienmärkte und die Rohstoffnachfrage haben. Wenngleich die Rohstoffpreise für diese Märkte wichtig sind, gibt es auch andere Faktoren, die voraussichtlich die künftige Entwicklung der Renditen beeinfl ussen werden, wie z. B. rückläufi ge Kapitalkosten vieler lateinamerikanischer Unternehmen infolge des Zinsrückgangs in Brasilien und Mexiko. Der fast überall in Lateinamerika robuste makroökonomische Hintergrund bietet auch Anlagemöglichkeiten in anderen Sektoren als dem Rohstoffsektor oder sonstigen Exportwerten, wie z. B. in Werten, die von Verbraucherausgaben abhängig sind.

Die Politik hatte in der Vergangenheit einen erheblichen Einfluss auf die Renditen der lateinamerikanischen Märkte. Ist dies noch immer der Fall?

Politische Risiken können zwar nach wie vor Kursschwankungen verursachen, sie spielen jedoch eine geringere Rolle als in der Vergangenheit. In einigen Ländern stehen noch in diesem Jahr und im Jahr 2006 Präsidentschaftsund Kongresswahlen an, die mittelfristig eine gewisse Volatilität verursachen könnten. Wir möchten jedoch betonen, dass im Allgemeinen in der Politik Lateinamerikas ein stärkerer Konsens hinsichtlich der Wirtschaftspolitik besteht. In nicht unwesentlichem Umfang ist dies darauf zurückzuführen, dass die Wähler die ihnen persönlich durch eine wirtschaftliche Liberalisierung entstehenden Vorteile erkennen. Vor diesem Hintergrund ist unseres Erachtens aufgrund von Wahlergebnissen nicht mit erheblichen Verschlechterungen für Anleger zu rechnen.

Venezuela bildet die Ausnahme

Eine Ausnahme bildet diesbezüglich jedoch Venezuela. Venezuela ist das einzige lateinamerikanische Land, in dem die Politik erhebliche negative Auswirkungen auf den Aktienmarkt hat. Aufgrund der hohen Ölpreise entwickelt sich die Wirtschaft des Landes gut (Venezuela ist ein bedeutender Ölexporteur). Das Anlageumfeld wird jedoch durch die Wirtschaftspolitik von Präsident Chávez (höhere Haushaltsausgaben als -einnahmen, Enteignungen im Privatsektor, Steuererhöhungen und sonstige Belastungen der Betriebe, einschließlich Preiskontrollen) belastet. Daher meiden wir diesen Markt.

Brasilien ist der bedeutendste Aktienmarkt der Region. Wie sind die Aussichten für diesen Markt?

Brasilien ist der mit Abstand größte Aktienmarkt der Region, und die Wirtschaftszahlen des Landes sind nach wie vor gut. Brasiliens Handelsbilanzüberschuss wächst trotz der Währungsaufwertung (wenngleich es in letzter Zeit Anzeichen dafür gibt, dass die Währungsstärke die Exporte beeinträchtigt). Wir stellen auch eine Zunahme der Investitionen fest, sind jedoch der Ansicht, dass der nächste Konjunkturaufschwung auf Verbraucherausgaben basieren wird. Die Inflation ist unter Kontrolle, die Zinsen sinken beständig, und die staatliche Finanzpolitik ist ebenfalls nach wie vor gut. Ein Risikofaktor, den wir beobachten, besteht darin, wie fl exibel die Regierung auf einen Einnahmerückgang aus einem etwaigen starken Rückgang der Rohstoffpreise reagieren würde. Wir halten es jedoch für unwahrscheinlich, dass die Regierung ihren Haushalt in einem für Anleger unangenehmen Ausmaß belasten würde. Am Aktienmarkt sind die Bewertungen attraktiv. Eine wichtige Frage besteht jedoch darin, woher angesichts des derzeitigen Kursniveaus (aufgrund der zuletzt umfangreichen Auslandskäufe) weitere Käufer kommen sollen und ab wann lokale Anleger von festverzinslichen Papieren in Aktien umschichten werden.

Wie wichtig ist angesichts der bevorstehenden Wahlen die Politik in Brasilien?

Die derzeitige brasilianische Politik beunruhigt die Anleger wesentlich weniger als früher. Die Umfrageergebnisse von Präsident Lula haben sich nach den Skandalen um seine Regierung zu Beginn des Jahres (als damit gerechnet werden musste, dass er die für Oktober 2006 anberaumten Wahlen verlieren könnte) wieder erholt. Wenngleich der andere Präsidentschaftskandidat, José Serra von der in wirtschaftlicher Hinsicht konservativeren PSDB, aus Sicht der Anleger durchaus akzeptabel wäre, könnte die bald bevorstehende Wahl zu einem Anstieg der Marktvolatilität führen, insbesondere wenn die Opposition ihre Bemühungen, Lula in Misskredit zu bringen, verstärkt.

Wie bewerten Sie die Konjunktur und Marktentwicklung in Mexiko?

Die Industrie und der Exportsektor Mexikos entwickeln sich unterdurchschnittlich. Bei den US-Importen verliert Mexiko Anteile an China, und das Engagement in der unterdurchschnittlichen US-Autobranche ist ebenfalls problematisch. Auf Verbraucherebene entwickelt sich die Konjunktur jedoch gut. Aufgrund der jüngsten Zinssenkungen ist ein kräftiges Kreditwachstum zu beobachten. Wenngleich angesichts der rückläufigen Infl ation noch Spielraum für weitere Zinssenkungen besteht, wird die straffere US-Geldpolitik die Zinsen Mexikos wahrscheinlich nach unten begrenzen. Die politischen Aussichten haben sich jedoch eingetrübt, da sich die Umfrageergebnisse der langjährigen Regierungspartei PRI aufgrund von parteiinternen Querelen verschlechtert haben. Dadurch sind für den Populisten Manuel López Obrador (ehemaliger Bürgermeister von Mexiko Stadt) die Chancen auf einen Wahlsieg im kommenden Jahr gestiegen. López Obrador ist eine unbekannte Größe.

Falls sich herausstellen sollte, dass mit seinem Wahlsieg tatsächlich zu rechnen ist, könnte dies die Währung und den lokalen Aktienmarkt beeinträchtigen. Sollte er tatsächlich gewählt werden, könnte er sich jedoch eher als pragmatisch denn populistisch erweisen, auch da nicht damit zu rechnen ist, dass der Kongress kontroversen Gesetzen zustimmt. Positiv ist zu vermerken, dass sich das Bottom-Up-Szenario in letzter Zeit verbessert hat. Einige bedeutende mexikanische Unternehmen weisen über den Erwartungen liegende Ergebnisse aus, und auch die Gewinnaussichten haben sich verbessert.

Chiles Wirtschaft hat stark vonden hohen Rohstoffpreisen profitiert. Wird diese Entwicklung anhalten?

Die gute Konjunkturentwicklung Chiles wird unserer Einschätzung nach so lange andauern, wie der Kupferpreis (ein bedeutendes Exportprodukt) stabil bleibt.
Dies hängt im Wesentlichen von der weiteren Entwicklung der Nachfrage aus China ab. Momentan profi tiert Chile von deutlichen Außenhandelsüberschüssen (die Kupferexporterträge liegen deutlich über den Ausgaben für Ölimporte). Wie in Brasilien stellt die Reaktion der chilenischen Regierung auf einen etwaigen Rückgang der Kupfereinnahmen einen Schlüsselfaktor dar. In diesem Zusammenhang ist jedoch damit zu rechnen, dass in naher Zukunft ein Gesetz über das Festsetzen eines Haushaltsüberschusses in Höhe von 1 % des BIP verabschiedet wird.

Die Präsidentschaftswahlen stehen im Dezember an, und die Wiederwahl von Michelle Bachelet (die Kandidatin der Regierungskoalition) scheint gesichert, sodass der Wahlausgang ohne Folgen für den Aktienmarkt bleiben dürfte. Insgesamt gehört Chile trotz des günstigen Konjunkturumfelds nicht zu unseren bevorzugten Märkten, da die Bewertungen unattraktiv sind und die chilenische Zinsentwicklung angesichts des beschleunigten Inflationsanstiegs nach oben deutet.

Welche Aussichten haben kleinere Märkte der Region?

Argentiniens Wirtschaft steht vor einem Scheideweg. Zurzeit profi tiert sie von niedrigen Zinsen und einem günstigen Wechselkurs. Beide Faktoren begünstigen die wachstumsfreundliche Politik der Regierung. Präsident Kirchner ist gestärkt aus den Kongresswahlen im Oktober hervorgegangen, und die Regierung muss den Umfang und den zeitlichen Ablauf potenzieller Straffungsmaßnahmen festlegen, die notwendig sind, um Inflationsbefürchtungen entgegenzuwirken. Das Risiko besteht darin, dass Kirchner populistisch bleiben und die Inflationsgefahr ignorieren wird, wenngleich es Hinweise zum künftigen Kurs der Regierung gibt. Im Rahmen des Bottom-Up-Szenarios sind die Bewertungen nach der jüngsten Kursschwäche attraktiver. In Peru sind die Inflationsaussichten günstiger als in Argentinien. Die Wirtschaft profitiert von einem Anstieg der Rohstoffpreise, einschließlich Gold, und eine Erholung in der Fischereibranche hat dazu geführt, dass das BIP die Markterwartungen übertreffen konnte. Auch die Exporte sind gestiegen, und das Haushaltsdefi zit des Landes ist relativ niedrig. Der peruanische Markt ist jedoch vom Umfang her recht begrenzt und wird von Metall- und Finanzwerten dominiert. Ein Schlüsselfaktor besteht darin, ob dieser Markt den Status Investment Grade erreicht. Damit ist jedoch nicht vor Bekanntgabe des Ergebnisses der Wahlen im kommenden Jahr zu rechnen.

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen.

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