Wir verwenden Cookies um Ihnen mehr Benutzerfreundlichkeit bieten zu können. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Infos

Zweimal pro Woche - Kostenlos per E-Mail.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.

Europa: "Wir stehen erst am Anfang"

Weitreichende Privatisierungen, stark verbesserte Management-Qualitäten sowie Expansionen einer Reihe von Unternehmen ins außereuropäische Ausland haben den europäischen Marktindizes bereits massiven Auftrieb gegeben. Chris Complin, JPMorgan Asset Management, sieht darin den Grundstein für weiteres Potential. Managers | 30.01.2006 09:16 Uhr

e-fundresearch: Europäische Aktien haben in den letzten 21 Jahren die wichtigsten Märkte – einschließlich der USA – übertroffen obwohl das Wirtschaftswachstum in anderen Regionen der Welt stärker war (MSCI Europe: 11,2% p.a. / S&P 500 9,4% / TOPIX 4,3%, auf Basis von Euro). Welche Gründe gibt es für diese langfristige Entwicklung?

Complin: Vor 21 Jahren gab es noch keine Aktienkultur in Europa: Aktieninvestitionen waren für europäische Anleger noch lange nicht selbstverständlich. So wurden europäische Unternehmen als schwach gemanagt angesehen und Kapitalerträge waren ein wenig bekanntes Konzept. In einigen europäischen Ländern war sogar noch der Insiderhandel legal. Von Privatisierungen hatte damals noch niemand etwas gehört, außer vielleicht den Briten. Die Bewertung europäischer Aktien betrug damals nur ein Bruchteil dessen, was ihre amerikanischen Pendants in die Waagschale brachten: lag doch der Wert des US-Aktienmarktes bei rund 140 Prozent des US-Bruttoinlandproduktes, in Europa erreichte der vergleichbare Wert eine Größenordnung von 30 Prozent. Eine einfache Regel der Finanzmärkte ist es, dann zu investieren, wenn etwas günstig und wenig beachtet ist und nicht dann, wenn dies alle anderen tun und die Preise konsequenterweise steigen. In Anbetracht dessen lassen sich die letzten 21 Jahre kurz zusammenfassen: die Aktienkultur hat inzwischen in Europa Fuß gefasst, Privatisierungen sind ein häufig anzutreffendes Phänomen und die Management-Qualität der europäischen Unternehmen hat sich stark verbessert. Auch die Erträge des investierten Kapitals sind mit denen in den USA gleichgezogen. So überrascht es wenig, dass die europäischen Aktien andere Märkte übertreffen.

e-fundresearch: Nach der Rallye der europäischen Aktien in den letzten 3 Jahren: wie ist ihr fundamentaler Ausblick für den Markt 2006? Wie viel ist von der erwarteten wirtschaftlichen Erholung bereits eingepreist? Und werden die steigenden Zinssätze die Aktienmärkte beeinträchtigen?

Complin: Wir glauben, dass eine sehr aktive internationale Expansion der europäischen Unternehmen die Aktienmärkte nach oben getrieben hat. In einer Welt der globalen Märkte haben die Unternehmen Europas schnell realisiert, dass sie in ihren heimischen Märkten allein nicht bestehen können. So haben sie ihre Produktionen konsequent ausgegliedert und ins Ausland verlegt, beispielsweise nach Osteuropa und Asien. Der Investitionsfluss nach Osteuropa erhielt eine weitere Beschleunigung durch die EU-Erweiterung im Mai 2004.

Durch diese Internationalisierung haben europäische Produzenten ihre Arbeitskosten reduziert und können sich somit besser im globalen Marktumfeld behaupten. So hat beispielsweise der deutsche Reifenhersteller Continental seine Aktienperformance in den vergangenen Jahren enorm gesteigert, nachdem das Unternehmen den Anteil an ausländischen Mitarbeitern im Ausland zwischen 1998 und 2003 von 0 auf 60 Prozent ausgebaut hat. Dieser Schritt wurde notwendig, nachdem der Marktanteil von Continental immer weiter sank, als Wettbewerber ihre Reifen in anderen Ländern günstiger produzierten.

Dieses Streben nach geringeren Arbeits- und Herstellungskosten sowie Steueroptimierung haben europäische Unternehmen auf breiter Front umgesetzt: Gemäß einer Studie der Deutschen Bank lag der durchschnittliche Anteil der im Ausland beschäftigten Mitarbeiter von DAX 30 Unternehmen 1998 noch bei 41 Prozent, bis 2003 war dieser Anteil auf 56 Prozent angestiegen. Dieses Phänomen ist europaweit anzutreffen.

Neben geringeren Lohnkosten ermöglicht es die Expansion europäischen Unternehmen auch, in die stark wachsenden ausländischen Märkte einzutreten. Ein Besuch in einem führenden Einkaufszentrum in Hong Kong, Shanghai oder Taipei zeigt die Dominanz europäischer Marken in den Wachstumsmärkten Asiens. Bulgari, Louis Vuitton, Chanel oder Autos wie BMW sind nur einige der Produkte, die bei den jungen, aufstrebenden Asiaten auf große Nachfrage stoßen.

Daraus ergeben sich für die europäischen Unternehmen enorme Möglichkeiten, ihr Gewinnwachstum zu steigern, ohne weiterhin von den stagnierenden Heimatmärkten abhängig zu sein. Das bedeutet auch, dass Bruttosozialprodukt, Zinsen und andere Parameter zunehmend weniger signifikant für europäische Unternehmen – und somit auch für die Aktienmärkte – werden. Die Korrelation des europäischen Aktienmarktes mit dem Bruttosozialprodukt hat sich beispielsweise auf fast null reduziert. Das Wirtschaftswachstum Frankreichs und Deutschlands etwa stehen scheinbar im Widerspruch zur Outperformance europäischer Aktien. Was für diese inzwischen viel mehr zählt ist internationales Handelswachstum, das in den letzten Jahren bei 5 Prozent und mehr lag.

Diese Expansion ins außereuropäische Ausland hat den europäischen Marktindizes bereits massiven Auftrieb gegeben. Und wir stehen erst am Anfang: zu erwarten ist, dass der Prozess weiter anhält. Wenn man dazu die im Vergleich zu anderen entwickelten Märkten sehr niedrigen Bewertungen für europäische Aktien betrachtet, sind die Aussichten für 2006 und darüber hinaus mehr als gut.

e-fundresearch: Zum Thema Bewertungen: Sind die europäischen Aktien nach ihrem Anstieg im Vergleich zu anderen wichtigen Märkten teuer oder ist noch Luft für weitere Steigerungen? Und ist es für einen Stock-Picker, der nach günstigen Werten sucht nicht mittlerweile zu schwierig geworden, „Value“ in Europa zu finden?

Complin: Europäische Aktien sind im Vergleich zu anderen Märkten in der entwickelten Welt sehr günstig. Unsere Zahlen zeigen derzeit Kurs-Gewinn-Verhältnisse (PEs) von 13 x, während diese in den USA bei 17 x und in Japan bei 18 x liegen. Parallel beträgt die historische Rendite auf den S&P 500-Index 1,75 Prozent, während sie für den FTSE Eurofirst 300 bei 2,9 Prozent liegt – ein beachtlicher Unterschied. Dieser Abschlag ist sicherlich historisch begründet aber nicht länger zeitgemäß – und die Bewertungslücke wird sich in den nächsten Jahren aller Voraussicht nach schließen.

Die Bewertungsunterschiede zwischen den teuersten und den günstigsten Aktien haben sich in den letzen fünf Jahren – die übrigens „Value“-Jahre waren – bereits verkleinert. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir mit unserem Investmentprozess nun keine Mehrertragsmöglichkeiten mehr finden, denn dieser ist so angelegt, dass er sowohl in einem „Value“ als auch in einem „Growth“-Umfeld greift. Alle Aktien in Europa werden relativ zueinander klassifiziert und zwar aufgrund einer Kombination von drei unterschiedlichen Wachstums- und Momentum-Faktoren. Mit diesem Ansatz ist es uns gelungen, die Benchmark über 13 Jahre in Folge zu übertreffen.

e-fundresearch: In welchen Sektoren ist derzeit die beste Wertentwicklung zu finden? Und welche sind derzeit zu teuer? Spielt die Fußballweltmeisterschaft 2006 in diesen Überlegungen eine Rolle?

Complin: Unser Prozess basiert nicht auf einer "Top Down" Investmentstrategie und so betrachten wir auch keine Sektoren und stellen Überlegungen über deren Outperformance an. Unser reiner Value-Fonds, der JPMF Europe Strategic Value Fund, nimmt beispielsweise nur solche Werte auf, die sich im Segment der günstigsten 30 Prozent des Marktes befinden. Daraus wählen die Fondsmanager die Aktien mit den besten Wachstums- und Momentum-Charakteristika aus, bei denen sie eine Fundamentalanalyse vornehmen, um sicherzustellen, dass die Substanzwerte auch grundlegend solide sind.

Der JPMF Europe Strategic Value Fund ist derzeit in Banken, Versicherungen, Energie- und Industrieunternehmen übergewichtet sowie in den Bereichen Lebensmittelindustrie, Telekom, Pharma und Medizin untergewichtet.

e-fundresearch: Wie sehen Sie nach der Rallye seit 2002 österreichische Aktien?

Complin: Österreichische Aktien haben sehr stark von den beträchtlichen Investitionen einiger führender österreichischer Unternehmen in osteuropäische Firmen profitiert. Ein kluger Schritt der Manager, der insbesondere im Banken- und Ölsektor zum Tragen kam. Die zunehmende Expansion der osteuropäischen Marktwirtschaften, die von der EU-Integration profitieren und sich wirtschaftlich zunehmend an Westeuropa annähern, wird dem österreichischen Aktienmarkt noch einige Jahre Auftrieb geben.

e-fundresearch: Die Erträge von Small Caps haben Large Caps erneut in hohem Maße übertroffen. Wie ist ihr Ausblick für die nächsten 12 – 24 Monate?

Complin: Viele Investoren sind der Meinung, dass nach 5 aufeinander folgenden Jahren mit Small Cap-Outperformance nun eine Phase folgen müsse, in der die Large Caps sich besser entwickeln. Aber es gibt ein stichhaltiges Argument, warum dies nicht zwangsweise der Fall sein muss: das Ertragswachstum. Zwar haben auch die europäischen Large Caps in den letzten drei Jahren eine exzellente Performance erbracht, aber die Nebenwerte können ihre Erträge einfach noch schneller steigern.

Unsere Zahlen legen nahe, dass die Small Cap Bewertungen immer noch einen Abschlag im Vergleich zu den Large Caps erfahren. Bei Betrachtung der Vergangenheit fällt auf, dass immer, wenn die Small Cap-Erträge schneller gewachsen sind als die der Blue Chips, ihre Bewertung auch einen Aufpreis erfuhr. Dies war zumindest in den frühen 1980er Jahren der Fall und es besteht kein Grund, warum das nicht wieder so eintreffen sollte.
Ein Small Cap-Engagement ist ein wichtiger Bestandteil eines gut diversifizierten Portfolios. Diese Aktien werden grundsätzlich von Analysten weniger stark beachtet. Das bedeutet, dass die Chance für Bewertungsanomalien höher ist als bei Large Caps. Diese Anomalien können von Fondsmanagern nutzten. So lassen sich mit einem Small Cap-Fonds sowohl Large Cap- als auch Small Cap-Indizes übertreffen.

e-fundresearch: Wie ist ihr langfristiger Ausblick bezüglich der Wertentwicklung europäischer Aktien? Wie viel Outperformance lässt sich generieren?

Complin: Wir halten es aus den oben aufgeführten Gründen nicht für abwegig, dass die europäischen Indizes weiterhin auch langfristig die weltweiten Aktienmärkte übertreffen werden. Die Höhe der Zusatzerträge, die wir mit unseren Fonds erzielen, hängt davon ab, wie risikobereit die Anleger sind. Das Risiko der Über- oder Unterperformance gegenüber einem Index wird üblicherweise mit dem so genannten „Tracking Error“ ermittelt, wobei 2 Prozent als geringes Risiko und 10 Prozent als hohes Risiko angesehen werden. JPMorgan Asset Management folgt Strategien, die an beiden Enden sowie innerhalb des Spektrums angesiedelt sind. Grundsätzlich heißt das, unsere Fonds haben eine Information Ratio von ungefähr 1 während eines Zyklusses, das bedeutet, dass unsere Fonds mit niedrigem Risiko (2 Prozent Tracking Error) 2 Prozent Zusatzerträge ohne Gebühren erzielen sollten und unsere Fonds mit hohem Risiko (10 Prozent Tracking Error) entsprechend 10 Prozent.

e-fundresearch: Eine Frage zum JPMF Europe Strategic Value Fund: In den Investmentprozess haben Sie Behavioural Finance-Elemente integriert und versuchen damit, Marktineffizienzen auszunutzen. Können Sie einige aktuelle Beispiele für solche Ineffizienzen im europäischen Investmentverhalten nennen?

Complin: Alle unsere Europa-Aktienfonds basieren auf dem Prinzip, langfristig und nachhaltig die durch menschliches Verhalten verursachten Anomalien der Finanzmärkte – bekannt als „Behavioural Finance“ – auszunutzen. Wir konzentrieren uns dabei auf spezielle Charakteristika der Aktien, die aufgrund der Verhaltenstendenzen an den Finanzmärkten bekanntermaßen Einfluss auf deren Outperformance haben. Im JPMF Europe Strategic Value Fund gewichten wir dafür „Value-“ – auch Substanzaktien genannt – über. Gemäß unserer Definition sind diese Werte grundlegend solide, aber “out of fashion“ und deswegen unterbewertet, d.h. sie haben ein niedrigeres kurzfristiges Kurs-Gewinn-Verhältnis als der Marktdurchschnitt.

Aktien mit diesen Charakteristika können wegen des so genannten „Herdentriebs“ im Zeitverlauf höhere Renditen erzielen: Denn Anleger fühlen sich wohler, wenn sie sich mit dem Trend bewegen und in Werte investieren, die auch andere Anleger bevorzugen. Value-Aktien sind Werte, die nicht in der Gunst der Anleger liegen, und sie sind deshalb häufig extrem unterbewertet. Der Markt gleicht das periodisch immer wieder aus und wertet diese Aktien schließlich auf, was wir immer wieder beobachten können, beispielsweise nach dem Ende des Dotcom-Booms im Jahr 2000.

Die Wertentwicklung des JPMF Europe Strategic Value Fund ist ein gutes Beispiel für die durch menschliches Verhalten verursachten Marktineffizienzen. Wir haben den Fonds im Februar 2000 aufgelegt – auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase. Zu dieser Zeit war der Anleger-Herdentrieb voll auf die Internet- und Hightech-Aktien ausgerichtet. Jeder wollte an dem Boom partizipieren und niemand interessierte sich mehr für scheinbar langweilige Unternehmen die so veraltete Dinge taten wie Häuser bauen, Stahlträger herstellen, nach Öl bohren oder Lebensmittel produzieren. Diese wenig beliebten Aktien hatten absurd niedrige PE-Kennziffern von 6 - 7x.

Unser Value-Fonds basiert darauf, in die günstigsten 30 Prozent des Marktes zu investieren. Seit seiner Auflegung hat er den Markt kumuliert um über 80 Prozent übertroffen. In einem so genannten effizienten Marktumfeld, das sich Outperfomance-Versuchen durchaus zu widersetzen weiß, ist das schon eine ordentliche Leistung.

Value und Herdentrieb sind nicht die einzigen auf Behavioural Finance beruhenden Anomalien, die auf den Finanzmärkten zu finden sind. Andere Anomalien führen zu konsistenter Outperformance im Bereich von Groth/Momentum, die wir bei anderen Fonds erfolgreich ausnutzen. So konnte JPMorgan Asset Management zu einem der führenden Anbieter von Europäischen Aktienfonds mit über 40 Milliarden US-Dollar verwalteten Assets werden.

e-fundresearch: Vielen Dank für das Gespräch!


Zur Person:
Chris Complin ist Chief Investment Officer für europäische Aktien bei JPMorgan Asset Management

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.

Für diesen Suchebgriff konnten wir leider keine Ergebnisse finden!
Fonds auf e-fundresearch.com

Weitere Informationen zu diesem Fonds Kennzahlen per 30.09.2019 / © Morningstar Direct
Bereiche auf e-fundresearch.com
NewsCenter auf e-fundresearch.com
Kontakte auf e-fundresearch.com

{{ contact.email }}

{{ contact.phonenumber }}

{{ contact.secondary_phonenumber }}

{{ contact.address }}

Weitere Informationen im {{ contact.newscenter.title }} Newscenter
Artikel auf e-fundresearch.com