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Biodieselbranche: Vertrauen in Regierung erschüttert

Sven-Roger von Schilling, Finanzvorstand der Petrotec AG, beleuchtet im Interview mit Frau Anja Rosengart warum das Vertrauen der Biodiesel-Industrie in die Regierung in Deutschland nachhaltig erschüttert ist sowie aktuelle Entwicklungen in der Biodiesel-Branche. Managers | 27.08.2007 16:45 Uhr

Herr von Schilling, oft hört man der Biotreibstoffsektor erhalte weltweit so viele Subventionen aus öffentlichen Geldern wie kaum eine andere Branche

von Schilling: Fast wäre ich geneigt zu sagen: „Schön wärs!“. Von weitreichenden Subventionen oder Steuergeschenken kann nicht die Rede sein. Im Gegenteil, die Biodieselindustrie wird von der Politik stiefmütterlich behandelt. Der Gesetzgeber hat mit dem Energiesteuergesetz (EnStG), das seit 1. August 2006 in Kraft ist, eine stufenweise Besteuerung des Biodiesels als Reinkraftstoff beschlossen. Der Steuersatz wird von aktuell 9 Cent ab 1. Januar 2008 auf 15 Cent und dann jährlich um 6 Cent bis 2012 sukzessive angehoben. Damit hat der Gesetzgeber bewusst in Kauf genommen, dass der B100 Markt für die Nachfrager unattraktiv wird. Bereits heute, keine zehn Monate nach In-Kraft-Treten des Gesetzes ist der B100-Markt quasi zusammen gebrochen. Viele – auch mit öffentlich geförderten Mitteln - Investitionen in diesem Bereich sind somit ins Leere gelaufen. Das Vertrauen der Biodiesel-Industrie in die Regierung ist nachhaltig erschüttert.

Wie bewerten Sie dann das Biokraftstoffquotengesetz?

von Schilling: Dieses Gesetz legt seit 1. Januar dieses Jahres die von den Mineralölgesellschaften zwingend beizumischenden Mengen Biodiesel zum mineralischen Diesel fest. Der Haken dabei: die per Gesetz festgelegte Nachfragemenge ist viel zu klein und berücksichtigt in keiner Weise die in Deutschland zur Verfügung stehende Produktionskapazität. Die Konsequenzen für die deutsche Biodiesel-Industrie aus beiden Gesetzen sind dramatisch. Die Branche verliert ihren technologischen Vorsprung, da keine Investitionsanreize mehr gegeben sind. Sie verliert ihre führende Stellung im Markt als Produzent und Exporteur. Die Auslastung ist deutlich zurück gegangen und damit stehen Produktionsstandorte still, werden aufgegeben oder arbeiten mit deutlich reduzierter Kapazität. Und das nicht genutzte CO2-Minderungspotenzial bei Verzicht auf 2,5 Millionen Tonnen Biodiesel für den B100-Markt entspricht 6,25 Millionen Tonnen CO2 im Jahr! Hier wird eine Zukunftsindustrie leichtfertig aufs Spiel gesetzt.

Wie läuft Ihr Geschäft?

von Schilling: Die deutsche Biodiesel-Branche ist sowohl hinsichtlich ihrer Technologie als auch hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Produktionskapazitäten weltweit führend. Lag die Produktionskapazität 2004 noch bei 1,2 Millionen Tonnen, lag sie zwei Jahre später bereits knapp unter 5 Millionen Tonnen. Den entscheidenden Wachstumsimpuls hat die Branche mit dem Erlass der sogenannten EU Biokraftstoff-Richtlinie im Jahr 2003 erhalten. In der Richtlinie hat die EU indikative Zielvorgaben für die Erzeugung von Kraftstoff aus Biomasse-Rohmaterial (2 Prozent bis 2005 und fast 6 Prozent bis 2010) festgesetzt. Diese Richtlinie wird sukzessive in den europäischen Ländern in nationales Recht umgesetzt. Für die deutschen Produzenten bedeutet das eine steigende Nachfrage aus ganz Europa, da außerhalb Deutschlands nur eingeschränkte Produktionskapazitäten für Biodiesel existieren.

Was heißt das für Ihre Unternehmenszahlen?

von Schilling: Petrotec hat im Geschäftsjahr 2006 rund 56 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet und ein EBITDA-Ergebnis in Höhe von 9,6 Millionen Euro erzielt. Für 2007 erwarten wir einen Umsatz von rund 70 Millionen Euro und ein gegenüber 2006 deutlich reduziertes EBITDA-Ergebnis. Unser Unternehmen bedient sowohl den B100 Markt, das sind überwiegend Spediteure, als auch den B5 Markt, das sind in der Regel mittelständische Mineralölhändler. Basierend auf der derzeit in Deutschland bestehenden gesetzlichen Regelung wird der B100 Markt auf Grund einer jährlich steigenden Besteuerung spätestens Anfang 2009 ohne Nachfrage sein, da die Spediteure beim Tanken von Biodiesel keinen wesentlichen Preisvorteil mehr gegenüber mineralischem Diesel haben werden.

Was ist die Grundlage des Biodiesels bei Petrotec?

von Schilling: Petrotecs Ursprung liegt seit 1991 in der Entsorgung von Altspeisefetten in der Gastronomie. 1998 begann das Unternehmen, ein eigenes Verfahren zur Herstellung von Biodiesel aus Altspeisefetten zu entwickeln. Zwei Jahre später lief die erste Produktionsanlage mit einer Kapazität von 12.000 Tonnen pro Jahr an. Die jahrelange Erfahrung mit Altspeisefett war die Voraussetzung, eine Technologie entwickeln zu können, die bei der Verarbeitung von Rohstoffen mit einem hohen Fettsäureanteil qualitativ hochwertigen Biodiesel garantiert. Altspeisefett ist - im Vergleich zu den pflanzlichen Frischölen wie Palm-, Raps- und Sojaöl – ein relativ günstiger Rohstoff für die Biodieselproduktion. Zudem wird Abfall, der nicht in den Nahrungsmittelkreislauf zurück gelangen darf, von Petrotec fachgerecht entsorgt, aufbereitet und zu einem umweltfreundlichen Produkt verarbeitet. Werden Rohstoffe, wie beispielsweise behandelte Altspeisefette, anstatt frischer Pflanzenöle aus Raps oder Palm für die Herstellung des Biodiesels verwendet, fällt der Aufwand für den Anbau der Pflanze weg, da der Anbau für die Humanernährung erfolgt ist. Folglich fällt die CO2-Bilanz noch besser aus. Man kann gar sagen, dass Biodiesel auf Basis von Altspeisefetten ein wirklich CO2-neutraler Kraftstoff ist.

Und was ist ein Nachteil bei Biodiesel, der aus Altspeisefetten produziert wird?

von Schilling: Bei kalten Temperaturen im Winter kann er nicht als Reinkraftstoff, sogenannter B100 Biodiesel, gefahren werden. Ab Temperaturen von minus 2 Grad Celsius beginnt der Kraftstoff zu flocken (sogenannter Cold Filter Plugging Point, CFPP) und verstopft Kraftstofffilter und Einspritzdüsen. Wir mischen daher unserem Biodiesel (auf Basis von Altspeisefetten), Biodiesel auf Basis von Raps bei. Damit kann das Flocken vermieden werden.

Woher kommt dann der Biodiesel aus Raps?

von Schilling: Unterstützen Sie damit nicht doch die Produktion von CO2? Petrotec mischt Biodiesel auf Rapsbasis nur in den Wintermonaten zu. Würden wir nur Biodiesel auf Basis von Altspeisefett verkaufen, wäre die Ökobilanz noch besser. Aber mit der saisonalen Beimischung bieten wir auf ein Jahr gesehen immer noch einen gemäß der Ökobilanzierung vorteilhafteren Biodiesel als unsere Mitbewerber an. Generell gilt: Altspeisefette und tierischen Fette sind die umweltschonendsten Rohstoffe für die Biodieselindustrie. Leider hat der Gesetzgeber im Biokraftstoffquotengesetz für den B5 Markt beide Rohstoffe von der Beimischung im Winter ausgeschlossen. Es gibt dafür keine nachvollziehbaren Gründe. Ab 2012 sollen tierische Fette als Rohstoff sogar ganz verboten sein.

Von Umweltverbänden und Forschung wird oft kritisiert, dass der Flächenverbrauch, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln für die Rapskulturen und das Produzieren von mehr ozonfördernden Abgasen beim Rapsanbau höher ist, als bei Treibstoff, der aus Erdöl gewonnen wird.

von Schilling: Es muss von der Politik bei der Festlegung von energie- und umweltpolitisch motivierten Förderungen für einzelne Bereiche der erneuerbaren Energien sicher sehr genau darauf geachtet werden, inwieweit die Produktion von Energie tatsächlich nachhaltig ist. Für Biodiesel gilt: generell hat er sehr viele vorteilhafte Umwelteigenschaften, er ist vor allem auch in den benötigten Mengen verfügbar und er ersetzt mineralischen Diesel im Verhältnis 1 zu 1. Für Biodiesel aus Altspeisefett gilt: er ist der nachhaltigste Biodiesel, da ein Abfall als Rohstoff verwendet wird, und er hat die beste CO2-Bilanz, da keine Pflanzen angebaut werden müssen. Zudem steht Altspeisefett nicht in Konkurrenz zu Lebensmitteln.

Es gibt Stimmen, die sagen Biodiesel liefere nur einen relativ geringen Nettoertrag. Der Energieverbrauch bei der Verarbeitung des Rohstoffs zu Kraftstoff, sei fast so hoch wie der Brennwert des Endprodukts.

von Schilling: Bei unserer Produktion ist das sicher nicht der Fall. Altspeisefett ist ein hoch kalorischer Abfall, den wir lediglich einem Reinigungsprozess unterziehen, um Fremdstoffe abzusondern und den Wasser- und Salzgehalt zu reduzieren. Der Energieaufwand dafür ist niedrig. Ein geschlossener Wasserkreislauf, Wärme-Rückgewinnung und ein Produktionsprozess, bei dem keine Abfallstoffe anfallen, zeichnen unsere Technologie aus.

Wer sind ihre wichtigsten Konkurrenten?

von Schilling: Es gibt eine handvoll deutscher und österreichischer Technologien, die sich für die industrielle Biodiesel-Produktion etabliert haben. Dazu gehören im Wesentlichen die Technologien von Petrotec, Lurgi, Connemann, BDI und AT Agrar-Technik. Sie unterscheiden sich hinsichtlich der einsetzbaren Rohstoffe, der Prozesskosten und der Investitionskosten pro Tonne. Biodiesel wie Bioethanol mausern sich vor dem Hintergrund der Klimaschutz Debatte immer mehr zu weltweit handelbaren Gütern mit internationalem Wettbewerb. Die größten Wettbewerber in Deutschland sind zurzeit die börsennotierten Unternehmen Petrotec, Verbio, Biopetrol und EOP Biodiesel und die drei großen amerikanischen Unternehmen ADM, Bunge und Cargill. Natürlich hängt der Erfolg der Biodiesel-Produzenten ganz wesentlich von den Rohstoffkosten ab. Stark steigende Preise für pflanzliche Frischöle haben die Branche seit Mitte 2006 unter Druck gebracht. Dazu kamen ein fallender Rohölpreis und eine steigende Angebotsmenge Biodiesel im Markt. Sinkende Ergebnis-Margen und geringere Kapazitätsauslastungen für die Produzenten waren die Folge.


Finanzvorstand Sven-Roger v. Schilling Sven-Roger von Schilling ist seit der Umwandlung der Gesellschaft in eine Aktiengesellschaft Vorstandsmitglied der PETROTEC AG. Er verantwortet die Unternehmensbereiche Finanzen (Accounting, Planung, Controlling, Treasury), Investor Relations, Legal, Personal, IT.


Die Petrotec AG: Die Geschäftstätigkeit der Petrotec wurde mit der Altspeisefettentsorgung 1991 begonnen. Die Ursprünge der Biodiesel-Produktion gehen zurück ins Jahr 1998. Im November 2006 ging Petrotec an die Börse. Zurzeit entsteht im Hochseehafen von Emden eine Biodiesel-Anlage mit einer Kapazität von 100.000 Tonnen. Weitere Anlagen à 100.000 Tonnen sind zunächst 2008 in Großbritannien und in den USA geplant. In Großbritannien und in den USA setzt Petrotec neben Altspeisefett auch auf tierische Fette zur Produktion von Biodiesel.


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