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Der Streit um das Gas : Ein alter Konflikt

Der Streit um Erdgaslieferungen und Transitbedingungen zwischen Russland und der Ukraine ist vorläufig beigelegt und die Lieferblockade, die auch die EU tangierte, aufgehoben. Am 19. Januar 2009 haben sich die beiden Nachbarstaaten auf ein neues Abkommen geeinigt. Markets | 23.01.2009 14:22 Uhr

Die Verträge mit einer Laufzeit von zehn Jahren sehen vor, dass der Gaspreis für die Ukraine bis 2010 schrittweise dem europäischen Niveau angepasst wird. Danach zahlt die Ukraine in diesem Jahr den in Europa üblichen Gaspreis mit einem Abschlag von 20 Prozent.

Ursachen sind vor allem geopolitische Faktoren

Ab 2010 entfällt dieser Rabatt. Umgekehrt will Russland der Ukraine ab 2010 Transitgebühren zahlen, die ebenfalls an das europäische Preisniveau angepasst sind. Der Konflikt zwischen den Nachbarstaaten um Gaslieferungen, Preise und Steuern war in den vergangenen Jahren immer wieder aufgeflammt. Ursachen sind nicht nur wirtschaftliche, sondern vor allem geopolitische Faktoren.

Als ehemalige Sowjetrepublik befindet sich die Ukraine im Spannungsfeld zwischen dem Wunsch, einer internationalen Organisation (EU und NATO) anzugehören, und der Notwendigkeit, gute Beziehungen zu ihrem mächtigeren Nachbarn Russland zu erhalten. Für die Ukraine ist dies auch mit erheblichen wirtschaftlichen Vorteilen verbunden. So zahlte die Ukraine beispielsweise bis anhin nur halb so viel für russisches Erdgas wie andere Länder Ost- und Westeuropas. Als Durchgangsland für Gaslieferungen nach Europa nutzt die Ukraine ihre günstige Position gerne, um sich internationale Unterstützung zuzusichern, indem sie sich als Opfer darstellt. Die Schuld für die Eskalation des Konflikts liegt allerdings wohl auf beiden Seiten.

Russland und die Ukraine in der Krise

Neu ist indes die Tatsache, dass sich mittlerweile sowohl Russland als auch die Ukraine in einer Wirtschafts- und Finanzkrise befinden. 2008 führte das klaffende Leistungsbilanzdefizit, das durch den Verfall der Stahlpreise noch verschärft wurde, in der Ukraine zu ernsten finanziellen Problemen. Stahl ist der wichtigste Exportartikel des Landes. Die Ukraine sah sich veranlasst, beim Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Darlehen in Höhe von 16,5 Milliarden US-Dollar zu beantragen, das ihr auch gewährt wurde. Die Devisenreserven des Landes schrumpfen indes ständig, während seine Währung stetig an Wert verliert: rund 52 Prozent gegenüber dem US-Dollar seit Oktober 2008.

Im Zuge der Liquiditätskrise haben die Finanzinstitute die Kreditvergabe eingestellt. Gleichzeitig kam die Wirtschaftstätigkeit gegen Ende des vergangenen Jahres praktisch zum Erliegen. Zusammen mit einer Verschlechterung der politischen Instabilität des Landes (d.h. Spannungen zwischen der pro-russischen Premierministerin Tymoschenko und Präsident Juschtschenko, der als stärker pro-westlich eingestellt gilt) hat diese Entwicklung zu erheblicher sozialer Unzufriedenheit und Protestmärschen geführt. Hinzu kommt die reale Gefahr von Unterbrechungen der Gasversorgung in einem kalten Winter: alles in allem das Bild einer ausgewachsenen wirtschaftlichen, finanziellen, politischen und gesellschaftlichen Katastrophe.

Verfall der Rohstoffpreise belastet Exporteinnahmen

Auch Russland ist von einigen dieser Probleme betroffen: Der Verfall der Rohstoffpreise belastet die Exporteinnahmen, während das knappere Angebot an Auslandsfinanzierung zu einem deutlichen Abzug von Kapital und einer schwächeren Währung führt. Allerdings hat Russland einen auskömmlicheren Puffer (Devisenund Handelsüberschüsse), um diese Phase zu überstehen. Und vor allem genießt Russland politische Stabilität.

In dieser Situation gibt es jedoch nur Verlierer. Angesichts des im kommenden Jahr drohenden Leistungsbilanzdefizits kann Russland nicht auf seine Exporteinnahmen aus Europa verzichten. Für die Ukraine gibt es wiederum keine preisgünstigere Alternative für russisches Erdgas, selbst wenn der Preis im laufenden Jahr wie nun vereinbart von 210 US-Dollar je Million Kubikmeter („mcm“) auf 360 USD/mcm bzw. 2010 auf das europäische Preisniveau von 450 USD/mcm erhöht wird.

Bei Streitereien zwischen Russland und der Ukraine bleiben die kleineren (und geopolitisch machtlose) osteuropäischen Länder auf der Strecke. Am stärksten sind Länder wie Bulgarien, Ungarn und die Slowakei auf russisches Gas angewiesen, während Rumänien und Polen wohl weniger betroffen sind, da sie in puncto Energieversorgung weniger vom Ausland abhängen. Hinzu kommt, dass das Wachstum in Osteuropa von mehreren Faktoren bedroht wird: Exportabhängigkeit vom rezessionsgeschüttelten Westeuropa; Abhängigkeit von der Bereitschaft westlicher Banken, die mitunter enormen Defizite per Kredit zu finanzieren; hoher Anteil extrem zyklischer Sektoren (vor allem der Automobilindustrie) am Bruttoinlandprodukt insgesamt.

In der Ukraine ist mit einer Rezession zu rechnen

Die Lösung des Konflikts ist angesichts der bereits angeschlagenen Konjunkturaussichten für die Region ein Lichtblick. Im laufenden Jahr ist mit einer schweren Rezession in der Ukraine zu rechnen. In Russland wird man sich sehr anstrengen müssen, um das Wachstum im positiven Bereich zu halten. In den neuen EUMitgliedstaaten dürfte sich das Wachstum deutlich verlangsamen und in Ungarn sowie den baltischen Staaten sogar in den negativen Bereich abrutschen. Dieses Ereignis hat sich nicht wesentlich auf die Rohstoffmärkte ausgewirkt. Der Erdölpreis ist sogar auf den tiefsten Stand seit Anfang 2008 gefallen. Es hat allerdings eindrücklich in Erinnerung gerufen, wie wichtig die Sicherung der Energieversorgung für Verbraucherländer ist, da die aktuelle Krise deutlich macht, welcher Preis unter Umständen für Untätigkeit zu zahlen ist.

Der frisch vereidigte US-Präsident scheint diese Einschätzung zu teilen. Insofern könnten sich die nächsten beiden Jahre für zwei Anlagethemen als günstig erweisen: Infrastruktur (vor allem im Hinblick auf Erzeugung, Speicherung und Transport von Energie) und erneuerbare Energien, da sie vor Ort erzeugt werden. Doch Anleger sollten nicht zu optimistisch sein und die Situation weiterhin kritisch betrachten. Es besteht weiterhin eine Reihe von Negativfaktoren, insbesondere die außerordentlich niedrigen Preise sowie eine Kreditklemme und geringe Profitabilität. Sofern zusätzliche staatliche Maßnahmen ergriffen werden, könnten sich hier indes noch Chancen ergeben. 

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