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Keine Emerging Markets Krise?

Trotz jüngsten Kurseinbrüchen und der Tatsache, dass sich die Wachstumsdifferenzen zwischen Industrie- und Schwellenländern immer weiter angleichen bleibt Martin Bruckner, Vorstandsmitglied der Allianz Investmentbank AG, der Assetklasse gegenüber positiv gestimmt. "Langfristig stehen Schwellenländer solide da", so Bruckner im Rahmen des Allianz Invest Quarterly 4/2013. Markets | 09.10.2013 13:11 Uhr
Martin Bruckner (Allianz Invest) langfristig positiv für Schwellenländer / © Allianz
Martin Bruckner (Allianz Invest) langfristig positiv für Schwellenländer / © Allianz

„Langfristig stehen Schwellenländer solide da, auch wenn der Impuls für das globale Wachstum für 2013 von den Industrieländern kommt“, erklärte Martin Bruckner, Vorstandsmitglied der Allianz Investmentbank AG und Chief Investment Officer der Allianz Gruppe in Österreich, am Mittwoch (09.10.2013) vor Journalisten.

Wachstumsdifferenzen zwischen Industrie- und Schwellenländern gleichen sich an

Wirft man einen Blick auf die volkswirtschaftlichen Prognosen, so scheint die erwartete Verbesserung der Weltwirtschaftslage im zweiten Halbjahr gesichert, allerdings hat sich der Impuls regional verschoben. Die Schwellenländer wachsen weiterhin deutlich stärker absolut, das relative Momentum liegt jedoch bei den Industrienationen. Die Geldpolitik bleibt weltweit stark expansiv, trotzdem wird das Ausstiegsszenario aus dieser Geldschwemme laufend an Bedeutung gewinnen. Die US-Notenbank Fed hat die Ankündigung, ihre Anleihenkäufe zurück zu fahren, noch nicht umgesetzt. Vor dem Hintergrund einer möglichen Reduktion des Anleihenkaufprogramms („Tapering“) seitens der US-Notenbank zogen Investoren Kapital aus den Emerging Markets ab: „Die jüngsten Kursrückgänge bei Emerging Markets-Assets sind vor allem durch die massiven Kapitalabflüsse bedingt, strukturelle Faktoren spielen aber auch eine Rolle“, erklärt Mag. Christian Ramberger, Geschäftsführer der Allianz Invest KAG. Im Vergleich zu 1997 seien beispielsweise die asiatischen Länder deutlich stabiler finanziert, verfügen über höhere Währungsreserven und bessere Leistungsbilanzen. Vor allem nach dem Kollaps von Lehman Brothers vor fünf Jahren hat es, bedingt durch die Niedrigzinspolitik der Industrieländer, massive Zuflüsse in Emerging Markets-Bonds gegeben. Seit Jahresbeginn haben jedoch Anleihen aus Emerging Markets gegenüber anderen Anleihemärkten underperformt und mussten starke Abflüsse hinnehmen. Belastet haben auch der Anstieg der Zinsen in den USA und die relativ schlechten konjunkturellen Aussichten in manchen Schwellenländern, die doch deutlich hinter den entwickelten Märkten zurück geblieben sind. Lokalwährungsanleihen haben besonders unter der Entwicklung gelitten, zumal die Währungen selbst im Vergleich zum Euro ebenfalls stark abgewertet haben.

Christian Ramberger, Allianz Invest KAG
Christian Ramberger, Allianz Invest KAG
Für Aktien aus Emerging Markets sind die Abschwächung des über Jahre hinweg hohen Wirtschaftswachstums und steigende US-Yields negative Treiber. Das Gewinnwachstum hält schon länger nicht mehr mit dem Wirtschaftswachstum mit, die Abflüsse haben sich über den Sommer verstärkt, die Fed-Entscheidung konnte diesen Trend kurzfristig bremsen. „Die Wachstumsdifferentiale zwischen Industrie- und Schwellenländern gehen zurück – wir gehen aber weiterhin langfristig von einer Wachstumsprämie der Emerging Markets gegenüber den Industrieländern aus“, so Ramberger.

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Chancen für Anleger: Europa-Aktien und Unternehmensanleihen

„Im derzeitigen Umfeld raten wir den Anlegern, Aktien gegenüber Anleihen überzugewichten“, erklärte Bruckner die Anlagestrategie der Allianz für das vierte Quartal. Die seit der Fed-Ankündigung im Juni stark gestiegenen Bondrenditen haben zu positiven Realrenditen geführt und die Anleihemärkte wieder etwas attraktiver gemacht. Nach der letzten Gegenbewegung in Folge der Fed-Entscheidung im September gehen die Allianz Experten aber nur von einer kurzfristigen Stabilisierung aus. Aktienmärkte haben sich trotz negativer Gewinnrevisionen stark positiv entwickelt, die Bewertungen sind gestiegen, liegen jedoch unter den langfristigen Durchschnittswerten. Kurzfristig bringen die deutsche Regierungsbildung und der „Shut-Down“ in den USA leicht erhöhte Unsicherheit, mittelfristig dürfte vor allem die weitere Fed-Politik die Märkte bewegen.

 Auf der Aktienseite empfiehlt die Allianz, Europa und Japan über- und Emerging Markets unterzugewichten. Für europäische Aktien sprechen weiter rückläufige Risikospreads und die Verbesserung der Konjunkturindikatoren. Gewinnrevisionen sind noch negativ, jedoch sind europäische Aktien vergleichsweise günstig bewertet und profitieren von der Erholung von „Value“-Aktien. Internationale Investoren sind zuletzt verstärkt als Käufer in den europäischen Märkten aufgetreten. Japan ist weiterhin der Markt mit der höchsten YTD-Performance. Investoren vertrauen dabei den „Abenomics“ und bauen auf weitere wachstumsfördernde Maßnahmen seitens Regierung und Notenbank. Gewinnseitig können die Unternehmen mittlerweile deutlich von der Schwächung des Yen profitieren. So gab es bereits positive Gewinnrevisionen. Für eine Untergewichtung in den Emerging Markets spricht die Abschwächung des über die Jahre hinweg hohen Wirtschaftswachstums und steigenden US-Yields. Das Gewinnwachstum hält schon länger nicht mehr mit dem Wirtschaftswachstum mit. Outflows haben sich über den Sommer verstärkt, die Fed-Entscheidung konnte diesen Trend kurzfristig bremsen.

 Auf der Anleihenseite empfiehlt die Allianz, Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen aus den USA und Europa leicht überzugewichten. Unternehmensanleihen im Investmentgrade-Bereich sind etwas teuer, allerdings unterstützt die gute Liquiditätssituation und starke Nachfrage die Assetklasse.

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