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Kluft zwischen Arm und Reich gilt als weltweit größte Bedrohung

Das chronische Einkommensgefälle zwischen Arm und Reich verfügt über das größte Potenzial, im kommenden Jahrzehnt weltweit schwerwiegenden Schaden zu verursachen. Dies geht aus einer Einschätzung von mehr als 700 Sachverständigen aus aller Welt hervor, die zum kürzlich veröffentlichten Bericht Global Risks 2014 des World Economic Forum beigetragen haben. Markets | 16.01.2014 11:57 Uhr
In einer Vorschau auf die kommenden zehn Jahre beleuchtet der Bericht 31 Risiken von weltweiter Bedeutung, die im Eintrittsfall über ganze Länder und Industriezweige hinweg erheblichen ökonomischen Schaden anrichten könnten. Die Risiken sind unterteilt in fünf Kategorien: Wirtschaft, Umwelt, Geopolitik, Gesellschaft und Technologie. Innerhalb dieser Kategorien werden die Risiken anhand ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit und möglichen Auswirkungen eingestuft.

Video: Global Risks Report 2014

Wahrscheinlichste Risiken: Extreme Wetterereignisse weisen nach dem Einkommensgefälle die zweithöchste Wahrscheinlichkeit auf, weltweit systemische Erschütterungen zu verursachen. Dahinter folgen die Risiken Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung, Klimawandel und Cyber-Attacken. Risiken mit größten potenziellen Auswirkungen: Staatshaushaltskrisen stehen unter den weltweiten Risiken, die in den kommenden zehn Jahren nach Expertenmeinung die größte Bedrohung für Systeme und Länder darstellen, an der Spitze. Zwei Umweltkrisen, Klimawandel und Wasserkrisen, folgen auf dieses wirtschaftliche Risiko an zweiter und dritter Stelle. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nehmen den 4. Rang ein. An fünfter Stelle steht das technologische Risiko eines Zusammenbruchs der grundlegenden Informationsinfrastruktur.

„Jedes im vorliegenden Bericht beleuchtete Risiko birgt das Potenzial, ein weltweites Versagen zu verursachen. Die eigentliche Gefahr steckt aber im Umstand, dass diese Risiken miteinander verknüpft sind und dadurch eine gesteigerte Wirkung entfalten können“, erklärt Jennifer Blanke, Chefökonomin des World Economic Forum. „Eine enge Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Interessengruppen ist von entscheidender Bedeutung, wenn wir uns wirksam mit der Existenz dieser Risiken auseinandersetzen und an sie anpassen wollen.“

Der Bericht Global Risks 2014 bewertet nicht nur das  Ausmaß, die Eintrittswahrscheinlichkeit und die potenziellen Auswirkungen dieser 31 weltweiten Risiken, sondern nimmt auch drei spezifische Themen näher unter die Lupe: Zum einen das immer größere Risiko eines „Cybergeddon“ in der Online-Welt, die zunehmende Komplexität geopolitischer Risiken angesichts der Verlagerung von Macht und Einfluss hin zu einer multipolaren Welt, sowie Jugendarbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung.

Ein besonderes Augenmerk legt der Bericht auf die doppelte Herausforderung der verminderten Beschäftigungschancen bei gleichzeitig steigenden Bildungskosten für jene Menschen, die im aktuellen Jahrzehnt volljährig werden. In bestimmten Industriestaaten sind mehr als die Hälfte der jungen Menschen auf Arbeitssuche. Die informelle Beschäftigung in Entwicklungsregionen, wo 90% der jungen Menschen dieser Welt leben, nimmt zu. Vor diesem Hintergrund zeigt der Bericht auch auf, mit welchen technologischen und anderen Maßnahmen dieses Risiko eingedämmt werden kann.

David Cole, Group Chief Risk Officer der Swiss Re, meint: „Viele junge Leute stehen heute vor einem schwierigen Unterfangen: Infolge der Finanzkrise und Globalisierung sieht sich die jüngere Generation in den reifen Märkten mit immer geringeren Beschäftigungschancen konfrontiert, gleichzeitig muss sie aber die alternde Bevölkerung unterstützen. Obwohl die Schwellenländer mehr Arbeitsplätze bieten, verfügen die Arbeitskräfte dort noch nicht über die breit gefächerten Kenntnisse, die zur Erfüllung der Nachfrage erforderlich wären. Es ist von zentraler Bedeutung, dass wir den Dialog mit den jungen Menschen aufnehmen und damit beginnen, Lösungen zu erarbeiten, um zweckmäßige Bildungssysteme, funktionierende Arbeitsmärkte, einen effizienten Wissensaustausch und jene nachhaltige Zukunft zu schaffen, auf die wir alle angewiesen sind.“

Die immer bedeutendere Rolle, die das Internet bei der Erledigung grundlegender Aufgaben spielt, sowie die grenzenlose Ausbreitung internetfähiger Geräte sorgen gemäß dem Bericht dafür, dass das Risiko eines Systemversagens im Jahr 2014 jedes bisherige Ausmaß übersteigen wird. Aufgrund der jüngsten Enthüllungen über staatliche Überwachungsmaßnahmen hat die Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft abgenommen, gemeinsam Governance-Modelle für den Umgang mit dieser Schwäche zu entwickeln. Als Folge davon könnte es zu einer Balkanisierung des Internets oder einem so genannten „Cybergeddon“ kommen, also einer Situation, in der in erster Linie Hacker das Sagen haben und massive Funktionsstörungen an der Tagesordnung sind.

„Das Vertrauen in das Internet nimmt wegen Datenmissbrauchs, Hacking und Verletzung der Privatsphäre ab“, erklärt Axel P. Lehmann, Chief Risk Officer von Zurich Insurance Group. „Eine Fragmentierung des Internets wäre jedoch der falsche Ansatz, um dieses Problem zu lösen. Sie würde nur den Nutzen, den wir alle aus dem Internet ziehen, zerstören. Wir sollten uns nicht in unserem eigenen Garten einmauern, sondern dringend handeln und die nötigen Sicherheitsnormen erarbeiten, um Vertrauen zurückgewinnen.“

In der multipolaren Welt von heute gibt es im Wesentlichen vier Bedrohungen, von denen jede in den kommenden fünf bis zehn Jahren in unterschiedlichem Umfang massive Instabilität verursachen könnte:

    • Unwägbarkeiten in den Schwellenländern: Die bedeutendsten Schwellenländer könnten unter gesellschaftlichem, politischem oder wirtschaftlichem Druck instabil werden.
      • Politische und Handelskonflikte zwischen Ländern: Handel und Investitionen könnten zunehmend als geopolitisches Machtmittel eingesetzt werden, wodurch neue Krisenherde entstehen könnten.
        • Ausbreitung von Konflikten niedrigen Niveaus: Solche Konflikte könnten durch technologischen Wandel und eine mangelnde Eingriffsbereitschaft bedeutender Mächte ausgelöst werden und sich unvermittelt zu einem ausgewachsenen Kriegszustand entwickeln.
          • Langsamer Fortschritt in der Bewältigung weltweiter Herausforderungen: Die anhaltende Passivität in den Internationalen Organisationen könnte dazu führen, dass Umwelt- und Entwicklungsfragen von höchster weltweiter Bedeutung nicht wirksam angegangen werden.

             

            „Ein stärker fragmentiertes geopolitisches Umfeld könnte den Fortschritt in für die weltweite Entwicklung zentralen Industriezweigen wie der Finanzdienstleistungsbranche, dem Gesundheitswesen und der Energiewirtschaft wieder erschweren“, meint John Drzik, Vorsitzender von Global Risk and Specialties bei Marsh. „Die Welt braucht eine stärker koordinierte Governance, damit verhindert werden kann, dass sich latente Systemrisiken schleichend zu ausgewachsenen Krisen entwickeln.“

            Der Bericht Global Risks 2014 ist unter Mithilfe von Sachverständigen von Marsh & McLennan Companies, Swiss Re, der Zurich Insurance Group, der Oxford Martin School (Universität Oxford), der National University of Singapore und des Wharton Risk Management and Decision Processes Center (Universität Pennsylvania) verfasst worden.

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