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Die Autoindustrie und ethisch-nachhaltige Geldanlage

"Die Autoindustrie und ethisch-nachhaltige Geldanlage. Keine Frage, das ist per se schon ein schwieriges Thema" - Im Rahmen eines Gastkommentars beleuchtet Mag. Ernst Krehan, Geschäftsführer, Bankhaus Schelhammer & Schattera KAG, den Volkswagen-Skandal aus Sicht eines Nachhaltigkeitsinvestors. Markets | 27.09.2015 22:00 Uhr
©  zentilia - Fotolia
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Mag. Ernst Krehan, Geschäftsführer, Bankhaus Schelhammer & Schattera KAG
Mag. Ernst Krehan, Geschäftsführer, Bankhaus Schelhammer & Schattera KAG
Aus gegebenem Anlass: Die Autoindustrie und ethisch-nachhaltige Geldanlage. Keine Frage, das ist per se schon ein schwieriges Thema. Aber ein Thema, wo es objektive Analysen gibt, die sich wiederum auf offizielle und somit geprüfte Angaben stützen – und die, basierend auf dem so genannten Best-in-Class Prinzip eindeutig Platz in Nachhaltigkeitsrankings zuordnen. Sogar einen sehr guten Platz, wenn man beispielsweise den aktuellen oekom research Corporate Responsibility Review 2015 („Umgang mit den nachhaltigkeitsbezogenen Herausausforderungen“) zur Hand nimmt, wo die Automobilindustrie generell an zweiter Stelle liegt. Und unter den einzelnen bewerteten und  aufgelisteten Unternehmen der Automobilbranche nimmt Volkswagen, Europas größter Autobauer, Rang 3 ein, genießt „oekom Prime Status“. Hauptkriterien: Umfang und Qualität der nachhaltigkeitsbezogenen Anstrengungen, sowie Dokumentation und Bewertung, inwiefern die analysierten Unternehmen in kontroverse Geschäftsbereiche, z. B. Atomenergie, grüne Gentechnik und Rüstung, sowie kontroverses Geschäftsverhalten involviert sind. 


Nun mussten wir vor wenigen Tagen zur Kenntnis nehmen, dass der VW-Konzern in den Vereinigten Staaten einer massiven Manipulation bei Abgaskennzahlen (Unregelmäßigkeiten einer verwendeten Software bei Diesel-Motoren) verdächtigt wird, wobei auf Bloomberg Michael Horn, Chef der Marke VW in den USA, folgendermaßen zitiert wird: “Our company was dishonest with the EPA, and the California Air Resources Board, and with all of you.” 

Während ansonsten noch keine Details bekannt sind, ist dies doch als Eingeständnis eines führenden VW-Repräsentanten und Verantwortlichen zu werten, das man in der ganzen Bandbreite zwischen „Unehrlichkeit und Betrug“ auslegen kann. 

Der Volkswagen-Konzern informiert auf seiner offiziellen Website relativ lapidar: „Die US-Behörden CARB und EPA haben die Öffentlichkeit in den USA darüber informiert, dass bei Abgastests an Fahrzeugen mit Dieselmotoren des Volkswagen Konzerns Manipulationen festgestellt worden sind und damit gegen amerikanische Umweltgesetze verstoßen worden ist. Der Vorstand der Volkswagen AG nimmt die festgestellten Verstöße sehr ernst und bedauert zutiefst, das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht zu haben…“ 

Das Problem ist in seiner Dimension für die Wirtschaft insgesamt heute noch nicht absehbar. Die Automobilindustrie und insbesondere die deutschen Autohersteller und ihre nachgeschalteten Zulieferketten sind in Summe ein zentrales Standbein der europäischen Wirtschaft. Alleine in Deutschland hängt jeder sechste Arbeitsplatz im weitesten Sinn an der Autobranche, auch in Österreich hängt daran ein großes Job-Potenzial. 

Man wird sehen, ob, wie bereits vermutet, dieses Problem auch auf andere Erzeuger und Marken übergreift. Alleine der Imageschaden ist jedenfalls vor allem auch auf den Exportmärkten wie den Vereinigten Staaten (und die Konkurrenz wird das ihre dazu tun, dass man das nicht zu schnell vom Tisch wischen kann) gewaltig. 

Abgesehen von möglichen gigantischen Strafzahlungen in Milliardenhöhe und drohenden Sammelklagen nach zivil- und strafrechtlichen Verfahren geht Volkswagen davon aus, dass weltweit insgesamt rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen sind. 

Die Finanzmärkte reagierten mit massiven Verlusten der VW-Aktie, deren Wert sich in wenigen Tagen in etwa halbierte. Für Verkaufsdruck sorgt zusätzlich eine Gewinnwarnung. Der VW-Konzern sieht sich gezwungen, im Zuge dieser Abgas-Affäre 6,5 Milliarden Euro im dritten Quartal ergebniswirksam zurückzustellen. Aber zurück zum Thema Automobilindustrie bzw. konkret VW und Nachhaltigkeit: Die US-Umweltschutzbehörde EPA wirft dem Wolfsburger Konzern vor, in Volkswagen- und Audi-Modellen eine Software eingesetzt zu haben, mit der die Verringerung bestimmter Abgasemissionen im normalen Fahrbetrieb ausgeschaltet werden könne. Die Folge solcher Manipulationen sei, dass die Autos für den Umweltschutz festgesetzte Emissionslimits um das bis zu 40-Fache übertreffen können. Gemäß einer Studie aus dem Jahr 2014 des International Council on Clean Transportation (ICCT) sind Echtemissionen von Stickoxid beim VW Jetta 35-fach, VW Passat 20-fach über dem zulässigen Limit; im Gegensatz dazu hat ein anderer deutscher Autobauer bei (zumindest) einem Fahrzeug die Standards eingehalten. 

Übersetzt heißt das, dass man offensichtlich nicht an einer objektiven Verbesserung der Abgaswerte interessiert ist, die einer Verbesserung der Umweltstandards zugutekommen, also z.B. einen aktiven Beitrag im Kampf gegen die CO2 Belastung und Erderwärmung leisten, sondern primär an geschönten Zahlen, die als „grüne“ Verkaufsunterstützung dienen. Um zu diesem Ziel zu gelangen wird auch in Kauf genommen (Stichwort Governance), dass Gesetze missachtet oder gebrochen werden. 

In jeder Hinsicht steht hier am Ende massiver Missbrauch und Vertrauensbruch gegenüber den Käufern und gegenüber den Investoren, die an VW Papiere, in welcher Form auch immer (Aktien, Anleihen) nicht nur wegen ihrer Werthaltigkeit und Performancepotenziale glauben, sondern auch wegen ihrer ehrlichen Absichten, was konkrete Nachhaltigkeitskriterien betrifft. 

Grundsätzlich gilt die Voraussetzung: Nur wer effizient mit Energie und Rohstoffen umgeht, die Mitarbeiter im eigenen Unternehmen und bei den Zulieferern fair behandelt sowie umwelt- und sozialverträgliche Produkte und Leistungen für die sich wandelnden Verbraucherbedürfnisse anbietet, kann auch wirtschaftlich erfolgreich sein. VW scheint nun ein Beispiel zu geben, wo auf einen wesentlichen Punkt dieser Aussage verzichtet wurde. Diese Kalkulation konnte auf Dauer nicht gutgehen, die Folgen sind verheerend, nicht nur für den Verursacher selbst. Aus dem Ziel „wirtschaftlicher Erfolg“ wurde ein unermesslicher wirtschaftlicher Schaden. Gesundes Misstrauen im Sinne des Faust’schen Mottos „Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“ wird sich nun seitens jener, denen Nachhaltigkeit ein Kernanliegen ist, wohl auch auf viele andere Anbieter übergreifen. Unmittelbar stellen sich aus Sicht eines nachhaltigen Investors einige Fragen: 

Waren wir in der Lage, das Fehlverhalten des Unternehmens zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren? 

Bedauerlicherweise ist die Antwort auf diese Frage ein klares Nein. Vorsatzhandlungen und kriminelle Handlungen sind im Vorfeld nicht erkennbar und werden erst aufgrund von Ermittlungen und/oder eines Geständnisses erkennbar. Damit ist aber auch klargestellt, dass Nachhaltigkeit wie andere sensible Bereiche Kontrolle benötigt. Die romantische Vorstellung, dass Nachhaltigkeit durch ein weltweites Netz von Freiwilligenorganisationen gesichert werden kann, wird durch solche Vorfälle in aller Deutlichkeit ad absurdum geführt. Positiv ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass es in den letzten Jahren, nicht zuletzt ausgelöst durch die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008, die staatlichen und auch überstaatlichen Anstrengungen, Nachhaltigkeit zu sichern, deutlich angestiegen sind und dies nicht nur in der westlichen Welt. 

Was kann ein einzelner (Nachhaltiger Investor) tun, um Nachhaltigkeit zu unterstützen und zu sichern? 

Aus unserer Sicht ist es heute mehr denn je notwendig, nachhaltiges Verhalten zu reflektieren und sich seine eigene Meinung zu den Themen der Nachhaltigkeit zu bilden und diese auch zu vertreten. Im gegenständlichen Fall stehen wir vor der Entscheidung, das Unternehmen aus unserem Anlageuniversum auszuschließen oder nicht. Eine solche Entscheidung erscheint auf den ersten Blick trivial – wann, wenn nicht jetzt? - , je mehr Fakten über den Vorfall bekannt werden umso differenzierter muss eine Entscheidung erarbeitet werden. 

Pressestimmen sprechen bereits jetzt davon, dass nicht VW alleine solche Manipulationen vorgenommen haben könnte. US-Regulatoren haben bereits mit Untersuchungen bei anderen Automobilherstellern begonnen um ähnliche Manipulationen nachweisen zu können. Was, wenn ein großer Teil der gesamten Branche solche Manipulationen vorgenommen hat? Natürlich mindert das nicht das Fehlverhalten von VW, aber die Lösung des Problems liegt dann wahrscheinlich nicht ausschließlich in der Bestrafung eines Unternehmens oder mehrerer Unternehmen sondern vielmehr in einer Überarbeitung der Standards und der Überwachung ihrer Einhaltung. Anders formuliert: gibt es keine Differenzierung im Sinne der Nachhaltigkeit, so gibt es auch kein investierbares Universum für einen nachhaltigen Investor.   

Aus heutiger Sicht gibt es zwar viele Aussagen und Meinungen zu dem Skandal, welcher das Potential hat, nicht nur einen internationalen Großkonzern schwer zu beschädigen, sondern auch gravierende Auswirkungen auf politische Entscheidungen weltweit, wie z.B. die in vielen Ländern aufrechte steuerliche Förderung der Dieseltechnologie, nach sich zu ziehen. Ein klares Bild ergibt sich jedoch noch nicht. So berichtet das Unternehmen Emissions Analytics, dass bei einem hauseigenen Test von 250 Dieselfahrzeugen im Echtbetrieb zwar nur fünf Fahrzeuge die vorgegebenen Standards eingehalten haben (darunter ein VW), aber Emissions Analytics der Auffassung ist, dass VW „einige der saubersten Autos in Europa produziert“. 

So gesehen werden wir als nachhaltiger Investor die Situation rund um VW weiter beobachten, entsprechend Informationen aufnehmen und beurteilen und gemäß unserem Auftrag, qualitativ hochwertige ethisch nachhaltige Portfolios zu verwalten, zu gegebener Zeit die notwendigen Maßnahmen setzen. 

Mag. Ernst Krehan
Geschäftsführer, Bankhaus Schelhammer & Schattera KAG
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