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Jens Ehrhardt: Konjunkturaufschwung nur durch Gelddrucken als gefährliche Strategie

Nicht zuletzt aufgrund einer möglichen Ausweitung des EZB QE-Programms steht Dr. Jens Ehrhardt einer Übergewichtung europäischer Aktien positiv gegenüber. Im Hinblick auf eine langfristige Erholung der europäischen Wirtschaft warnt Ehrhardt aber vor übertriebener Euphorie: "Ein Konjunkturaufschwung nur durch Gelddrucken (...) ist auf die Dauer eine gefährliche Strategie." Markets | 09.11.2015 12:00 Uhr
Dr. Jens Ehrhardt, Vorstandsvorsitzender, DJE Kapital AG / ©  DJE Kapital AG
Dr. Jens Ehrhardt, Vorstandsvorsitzender, DJE Kapital AG / © DJE Kapital AG

"Welthandel und Weltwirtschaft sind wenig dynamisch. Grund dafür ist unter anderem die schwache Nachfrage in Europa und in den USA. Hiervon ist die Güterproduktion weltweit betroffen. Die Schwellenländer sind aber gerade jene, die den größten Teil der Güter produzieren – bei einem relativ niedrigen Anteil der Volkswirtschaft in expandierenden, binnenorientierten Bereichen, wie Dienstleistungen. Schaut man sich die Entwicklung der Weltwirtschaft genauer an und berechnet diese in US-Dollar und nicht in Landeswährung, ist der Rückgang ernüchternd. Selbst in den robusten USA schrumpfen die Umsätze – im 3. Quartal bei den 500 S&P-Unternehmen um über 3 Prozent! Das ist eine völlig neue Entwicklung.

Europa erlebt eine Trendumkehr

Markttechnisch gesehen negativ für die Schwellenländer ist darüber hinaus, dass hier in den vergangenen Jahren Anlagegelder in erheblichem Umfang investiert wurden. Inzwischen hat sich dieser Trend umgekehrt. 2015 vermelden viele Schwellenländer-Aktienfonds erneut merkliche Abflüsse. Europa, lange Zeit wachstums- und gewinnschwach sowie mit entsprechend geringen Fondszuflüssen, erlebt gleichzeitig eine Trendumkehr. Und das wiederum dürfte sich fortsetzen, was die Schwellenländer-Aktienkurse drücken und die europäischen Aktienpreise fördern sollte.

Abwertung des Euros als Hauptvorteil

Für Europa sprechen zudem die extrem niedrigen Zinsen, die großen Vorteile aus dem  Ölpreisrückgang wegen der in Europa geringen Rohstoffvorkommen sowie die verstärkten Staatsausgaben zur Konjunkturbelebung. Der Hauptvorteil für Europa liegt allerdings in der Abwertung des Euros. Hier muss man jedoch sehen, dass Dauerabwertungen keineswegs positiv einzuschätzen sind – siehe Italien zu Lire-Zeiten. Dies hilft zwar der Exportindustrie, schädigt aber die (größere) Binnenwirtschaft. In Deutschland hat sich die Exportquote im Zuge der Euro-Einführung auf über 46 Prozent verdoppelt. Die schwache Binnennachfrage führt aber dazu, dass die Unternehmen mehr exportieren müssen. Das wiederum gelang nur aufgrund der Euro-Schwäche. Ob die hauptsächlich für Südeuropa gedachte Abwertungspolitik des Euros – Deutschland bräuchte einen stärkeren Euro – am Schluss nicht als Sünde gegen die Marktwirtschaft zu gefährlichen Konsequenzen führen wird, ist noch offen. Ein Konjunkturaufschwung nur durch Gelddrucken (Quantitative Easing), beziehungsweise durch niedrige Zinsen und Abwertung, ist aber auf die Dauer eine gefährliche Strategie, auch wenn dies kurzfristig wahrscheinlich den Märkten weiter nützen kann.

2015: "Von Anfang an richtig, auf europäische Werte zu setzen"

Einer der positivsten Faktoren für die  Entwicklung an den europäischen Aktienmärkten bleibt  vorerst die Geldmengenausdehnung – nicht zuletzt belegt durch die historische Erfahrung. Während inzwischen die meisten Fondsmanager Europa neben Japan übergewichten, war es in diesem Jahr von Anfang an richtig, auf europäische Werte zu setzen."

Dr. Jens Ehrhardt, Vorstandsvorsitzender, DJE Kapital AG


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