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Nur langsame Fortschritte: oekom research Corporate Responsibility Review 2016

Die unabhängige Nachhaltigkeits-Ratingagentur oekom research stellt im aktuellen Corporate Responsibility Review 2016 nach wie vor nur langsame Fortschritte im Bereich der ökologischen und sozialen Unternehmensverantwortung fest. Eine Chance zur Verbesserung der Nachhaltigkeitsperformance kann in den von den Vereinten Nationen verabschiedeten UN Sustainable Development Goals (SDGs) liegen, wenn diese als Richtlinien für mehr Nachhaltigkeitsengagement verstanden werden. Markets | 24.03.2016 11:21 Uhr
©  eyetronic - Fotolia.com
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Nur die wenigsten Unternehmen erfüllen Mindestanforderungen

Nach wie vor erfüllen nur etwas mehr als 16 Prozent der Unternehmen weltweit die  Mindestanforderungen von oekom research an Nachhaltigkeitsmanagement und -leistungen und wurden daher in 2015 mit dem oekom Prime Status ausgezeichnet. Dieser Anteil ist zwar genauso niedrig wie im Vorjahr, insgesamt ist jedoch ein langsamer Trend hin zu einer generellen Verbesserung der Nachhaltigkeitsleistungen zu sehen: Mit knapp 36 Prozent zeigt inzwischen etwas mehr als ein Drittel der Unternehmen erste Ansätze zum Engagement auf diesem Gebiet. Umgekehrt ging der Anteil der als schlecht bewerteten Unternehmen weiter leicht zurück – von rund 50 Prozent in 2014 auf nun knapp 48 Prozent.  

Der Branchenvergleich der Unternehmen verfestigt das Bild, das sich in den letzten Jahren etabliert hatte: Mit einer Bewertung von 47,4 auf einer Notenskala von 0 bis 100 (Bestnote) schnitten die Hersteller von Haushaltsprodukten wie im letzten Jahr auch am besten ab. An zweiter Stelle stand im Beobachtungszeitraum die Automobilindustrie mit einer Bewertung von 44,4. Schlusslichter sind unter anderem die Versicherungen, die Bau- und Immobilienbranche, die Öl- und Gasbranche sowie der Einzelhandel und das Logistikgewerbe mit Bewertungen zwischen 20 und 25 Notenpunkten.

Im Ländervergleich der jeweils besten Unternehmen einer Branche liegt Frankreich mit den meisten Branchenführern deutlich vorne. Im Jahresverlauf 2015 hatten 16 französische Unternehmen eine Platzierung unter den ersten drei Rängen erreicht. Großbritannien und Deutschland folgen auf zweiter und dritter Stelle mit jeweils 13 bzw. 11 Platzierungen.

Kontroverse Geschäftspraktiken und Verstöße gegen die im UN Global Compact definierten Prinzipien einer verantwortungsvollen Unternehmensführung wurden 2015 vor allem im Rohstoffsektor festgestellt. Hier häufen sich Landnutzungskonflikte, Menschenrechtsverletzungen und schädliche Auswirkungen auf Ökosysteme und die Umwelt. Involviert sind dabei besonders Öl- und Gasunternehmen, deren Ausrüster und Serviceunternehmen sowie die Metall- und Bergbaubranche.

Zielformulierungen der SDGs weisen den Weg für nachhaltige Entwicklung
Die Analyse der Unternehmensaktivitäten im Spiegel der durch die SDGs definierten Zielsetzungen macht sichtbar, dass in den meisten Gebieten noch großer Nachholbedarf besteht:

  • Obwohl im Kampf gegen den Klimawandel der Kohle eine zentrale Rolle zukommt, stellt oekom research bei lediglich 18 Prozent derjenigen  Energieversorgungsunternehmen, die in ihrem Erzeugungsmix noch zu mehr als 30 Prozent auf Kohle setzen, umfangreiche Pläne zur Emissionsreduzierung fest.
  • Die Ausrichtung nach einer Klimastrategie, wie sie bei den meisten Unternehmen noch fehlt, ist dagegen bereits bei immer mehr institutionellen Investoren vorhanden und äußert sich in verstärktem Carbon Divestment. Bis Ende 2015 waren mehr als 3 Billionen Euro an Assets in Divestment-Strategien gebündelt.
  • Zur Erreichung des beim Weltklimagipfel in Paris verabschiedeten 2-Grad-Ziels ist eine Neustrukturierung des weltweiten Energiesystems hin zur verstärkten Nutzung erneuerbarer Energien nötig. Hier ist ein positiver Trend erkennbar, bei dem derzeit die Wasserkraft den größten Anteil stellt. Sie nimmt bei der weltweit installierten Leistung erneuerbarer Energien mit über 64 Prozent den weitaus größten Anteil ein, gefolgt von Windenergie mit 20 Prozent und Solarenergie mit 10 Prozent.
  • Wasser ist zudem eines der Themen, die in den SDGs am stärksten adressiert werden. Es ist elementar für eine sichere Nahrungsmittelversorgung, ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum sowie für Gesundheit und Frieden. Die häufigsten Verstöße wurden 2015 hier bei Unternehmen der Metall- und Bergbaubranche festgestellt.
  • In Umwelt- und Menschenrechtskonflikte ist zudem ein Großteil der Unternehmen verwickelt, die im Bereich Palmöl tätig sind. Aus der Perspektive der SDGs zählt Palmöl neben Kohle zu den problematischsten Rohstoffen.
  • Auch die nach wie vor verbreitete Verwendung problematischer Chemikalien – als Agrarchemikalien in der Produktion von Lebensmitteln sowie als endokrine disruptive Chemikalien bei den Herstellern von Haushaltsprodukten, in der Chemie-, Kosmetik- und Elektronikindustrie – steht der Zielsetzung der SDGs entgegen. Es häufen sich Anzeichen dafür, dass Unternehmen hier auf die Entwicklung und den Einsatz alternativer Substanzen setzen.
  • Abfallentsorgung und Recycling werden von den SDGs als wichtige Maßnahmen zur Erreichung von nachhaltigem Konsum und Verbrauch von Gütern verstanden. Allein in der IT-Branche sieht oekom research einen 20-prozentigen Anstieg der von Unternehmen zurückgenommenen Abfallmenge in den letzten drei Jahren.
  • Ein weiteres Ziel innerhalb der SDGs ist es, die Ungleichheit zwischen Staaten zu verringern. In Bezug auf den Unternehmenssektor hat oekom research vor allem Steuervermeidung und Steuerflucht als entscheidende Problemfelder identifiziert. Die im oekom Corporate Rating abgefragte Transparenz bei der Berichterstattung von Unternehmen zu ihren Gewinnen und Steuerzahlungen zeigt eine überwiegend ungenügende Berichterstattungsqualität: Lediglich 1,1 Prozent erreichen hier die Bestbewertung.

Robert Haßler, CEO von oekom research, kommentiert: „Die Ergebnisse unseres Jahresberichts zeigen, dass es noch ein weiter Weg hin zu gelebtem nachhaltigen Wirtschaften ist. Nur ein kleiner Teil der Unternehmen hat die Wichtigkeit und Bedeutung einer umfassenden Integration von Nachhaltigkeitskriterien in das Kerngeschäft erkannt. Wir hoffen, dass in Zukunft mehr Unternehmen den positiven Zusammenhang zwischen ökologischer und sozialer Verantwortung und dem Geschäftserfolg erkennen. Institutionelle Investoren sind hier schon einen Schritt weiter und fordern dies mehr und mehr von Unternehmen ein. Wenn sich Unternehmen ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung stellen wollen, können ihnen die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen dabei gute Orientierungshilfe leisten.“

oekom Corporate Responsibility Review 2016

Als Jahresbericht zur globalen Unternehmensverantwortung dokumentiert der oekom Corporate Responsibility Review seit 2009 die zentralen Entwicklungen bei der Integration von Nachhaltigkeitskriterien in die Unternehmensführung. Die Auswertungen beziehen sich auf rund 1.600 international tätige Großunternehmen mit Sitz in den Industrieländern, die Teil des insgesamt mehr als 3.700 Unternehmen umfassenden Universums von oekom research sind.

Hinweis: Interessierte Leser können den "oekom Corporate Responsibility Review 2016" hier kostenlos als PDF-Dokument herunterladen.

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