Gröschls Mittwochskommentar: 31/2022

Der wöchentliche Blick auf die Märkte, (Geo-)Politik, Known Unknowns und andere wichtige Entwicklungen. Verfasst von e-fundresearch.com Gastautor Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH. Markets | 03.08.2022 13:00 Uhr
Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH / © e-fundresearch.com & interfoto
Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH / © e-fundresearch.com & interfoto

Normalerweise sind Damen und Herren über 80 hoffentlich gesund und munter, im wohlverdienten Ruhestand, spielen mit ihren Enkeln, kultivieren ihren Garten oder tun sonst was ihnen Spaß macht. Manchmal brechen sie auch allein oder in Gruppen zu diversen mehr oder weniger touristischen Kaffeefahrten auf, wo früher ihnen dann beim Kärntner Wirtn die sprichwörtliche Heizdecke offeriert wurde. Nicht so in den USA. Dort ist offensichtlich 80 das neue 50, man besteigt munter irgendwelche Flieger, gondelt in der Weltgeschichte herum und testet, wie ernst es die Chinesen wirklich meinen. Das natürlich nicht ohne, dass der unwesentlich jüngere Presi nicht müde wird zu betonen, dass sich an der offiziellen Einstellung zu Taiwan nichts geändert hat und dass auch die militärische Führungsriege die Reise für keine besonders gute Idee hält.

Da fragt man sich doch: Cui bono? Dass China auf das doch relativ plumpe Stänkern der Amerikaner nicht militärisch reagieren würde, war zu hoffen. Wobei ich persönlich es durchaus für möglich gehalten hätte, dass man Pelosis Flieger aus dem taiwanesischen/chinesischen Luftraum abdrängen bzw. wieder hinauseskortieren würde, aber das war dann anscheinend doch zu heiß. Die Amerikaner haben also ihr Statement gemacht, die Taiwanesen freuen sich natürlich, aber an der Strategic Ambiguity hat sich nichts geändert. Das Gesprächsklima der beiden Supermächte dürfte sich allerdings kaum verbessert haben, nach dem Atomic Wedgie dem Xi da von Pelosi verpasst wurde. ;-) An einem Handelskrieg zwischen den USA und China haben beide Nationen kein Interesse, wächst China anämisch und die USA versuchen sich die aktuelle Rezession schön zu rechnen.

Profiteure sind also schwer auszumachen, eindeutig eine auf´s Dach dürfte aber Taiwan bekommen. China hat bereits begonnen, den Handel mit der Insel einzuschränken und wird den wirtschaftlichen Druck wohl weiter verstärken. Ob und wie wiederum die USA drauf reagieren werden, wird sich zeigen, aber Deeskalation geht wohl anders. Da kann man nur hoffen, dass alle die (militärischen) Füße weitere zwei Jahre stillhalten, bis DJ Trump zurückkommt und sich aus allen Auslandseinsätzen zurückzieht. Aber halt, Xi und er waren gar nicht so große Freunde, nicht so wie er und Putin… Wär ja fast komisch das Ganze, wenn nicht ganz soviel auf dem Spiel stünde.

Unterdessen in Europa: Die Russen und die Ukrainer hauen sich nach wie vor die Schädel ein, aber das öffentliche Interesse schwindet stetig. Wir gewöhnen uns, die Spritpreise sind wieder unter zwei Euro (in Ö.Reich) gefallen und überhaupt wird´s die Energiepreisbremse schon richten. :-) Dass unsere Regierung nichts bremsen kann, dürfte dabei die einzig wirklich unumstößliche Wahrheit sein. Ansonsten schaut es aber tatsächlich so aus, als würde man sich in diversen wirtschaftlichen Bereichen mal öffentlicher, mal weniger öffentlich annähern. Getreideexporte sehen wir bereits, die Sanktionen gegen einzelne russische Öl-Firmen scheinen zu bröckeln und wie aus gewöhnlich gut informierten Kreisen zu erfahren war ;-), geht das Zeitfenster für Putin, die Gaslieferungen auf diesem Niveau zu halten, ohne die Förderung für die nächsten vier bis sechs Monate ernsthaft zu gefährden, relativ bald zu. Addieren wir dazu die grundsätzliche Tendenz einiger europäischer Länder, gern viel zu versprechen, aber dann doch nicht immer alles gleich zu liefern und die offensichtlich begrenzten militärischen Ressourcen Russlands, wird man sich wohl in nicht allzu ferner Zukunft an den Verhandlungstisch setzen. Was bleibt: Ein Statement, viele Opfer und wenige - die dafür aber heftig – Profiteure eines vollkommen sinnlosen Kriegs.

Abseits der Konfliktherde dieser Welt gefällt sich der Markt in der aktuellen Sommererholung recht gut. Ein bisserl schnell, ein bisserl viel ist dabei allerdings schon wieder passiert, sowohl bei den Aktien als auch bei den Renten. Gesund wäre, wenn wir jetzt einmal innehalten würden, den Status quo ermittelten, unsere Prognosen zurecht rückten und dann mit in einer Strategie in den, sicherlich wieder heißen, Herbst starten würden. Was allerdings passieren wird, ist, dass jetzt alle auf Urlaub gehen, alles einmal durchspülen und dann vollkommen überrascht, aber voller Tatendrang zurückkommen und dann irgendwas machen. Hoffen wir also, dass uns die FED in der Zwischenzeit ein Narrativ an die Hand gibt, das zum einen leicht verständlich (Nachrichten in einfacher Sprache und so ;-)) und zum anderen auch glaubbar ist, damit wir dann im September/Oktober nicht wieder die ganze Baby-Badewanne ausschütten müssen, bevor wir die gelben von den schwarzen Quietsche-Entchen trennen.

So genug geblödelt! Schöne Sommertage!

 Florian

Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH

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