Gröschls Mittwochskommentar: 36/2022

Der wöchentliche Blick auf die Märkte, (Geo-)Politik, Known Unknowns und andere wichtige Entwicklungen. Verfasst von e-fundresearch.com Gastautor Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH. Markets | 07.09.2022 10:06 Uhr
Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH / © e-fundresearch.com & interfoto
Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH / © e-fundresearch.com & interfoto

Allgemeines Chaos würde ich sagen! Wobei zum einen sind wir das ja schon gewohnt und zum anderen – und hier wiederhole ich mich – liegt in jeder Pleite eine Chance, wie der Herr Großpapa immer zu sagen pflegte. (und er war da nicht ganz unerfahren ;-)) Ein bisschen sorgenvoll stimmt in diesem Zusammenhang, dass wir bei der Bekämpfung der Katastrophen seit 2008 nichts gelernt haben und auf alle Imponderabilia kurzfristig und mit der Bereitstellung weitere Liquidität reagieren. Nun wissen wir (jetzt ;-)), dass Liquidität die ins Finanzsystem gepumpt wird, dort verbleibt, zwar die Reichen reicher macht, aber wenigstens auf die Inflation keinen Einfluss hat.

Anders verhält es sich hingegen mit dem Helikoptergeld, dass direkt an den Konsumenten ergeht. Das landet relativ schnell wieder im System und der Spaß geht los. Den Satz „Ich/wir müssen leider die Preise erhöhen, weil alles teurer wird“ dürfte jeder von uns in den vergangen Wochen irgendwo schon gehört haben… Warum dann alle aus lauter Angst vor Inflation diese mit weiteren Geldgeschenken zu bekämpfen versuchen, ist schon irgendwie verwunderlich, oder? Don´t get me wrong, es gibt eine nicht kleine Bevölkerungsgruppe, die durchaus Hilfe benötigt, aber es läuft schon wieder darauf hinaus, dass individuelle Risiken durch die Druckerpresse aufgefangen werden. Es sind halt diesmal nicht die bösen Banken, die gerettet werden, sondern die lieben Energieproduzenten und die armen drei köpfigen Situationen (Familien hat er sich nicht sagen getraut der Herr Kandesbunzler, weil das hätt ja vielleicht irgendwen diskriminiert. ;-) Haushalte wäre gegangen, aber das hätt er vielleicht gendern müssen..). Fürchte das wird nicht funktionieren.

Wo also ansetzen? Möglicherweise doch an den Märkten? Sind Energie-Märkte regulierbar, insbesondere wenn man auf der Nachfrager Seite ist? No idea. :-) Leicht dürfte es jedenfalls nicht werden, Zar Putin zu diktieren, was man bereit ist für das Fassl Öl bzw. den Kubikmeter Gas zu zahlen. Jedenfalls regulieren könnte man die Gebarung der Versorger, wobei das natürlich keinen größeren Einfluss auf die Preise haben wird. Wo´s dann schon ein bisserl schwieriger wird mit der Nachvollziehbarkeit, ist der deutsche Zugang zur Energieproduktion. Abschalten bzw. Standby von Atomkraftwerken, während sich der Strompreis ver-x-facht, scheint ein bisserl hinterfragbar, oder?

Man muss, glaub ich, kein großer Makro-Ökonom sein, um zu vermuten, dass wenn Ressourcen zur Verfügung stehen, es gscheiter ist, diese zu nutzen, als Russlands Krieg durch in Europa gedrucktes Geld zu finanzieren. Oder versteh ich da was völlig falsch? :-) Was wäre, wenn unser großer Nachbar anstatt herumzueiern, die drei zur Debatte stehenden Kraftwerke unter Volllast laufen würde lassen und ins Netz einspeisen würde was geht? Ändert nix an dem – eventuell etwas fragwürdigen – Merit Order System? – Na dann killen wir das doch! Ist alles nicht so einfach. Eh, aber wie ging der Werbespruch des öst. Bundesheeres? – Der Zweck fordert Mittel….

Was also aufgerufen wäre, wäre kompetente, entschlossene, Dogmen freie politische Führung und ein Ende der Strategie, gutes Geld schlechtem hinterherzuwerfen. Wobei wenn das mit der Inflation so weiter geht, dann wissen wir wenigstens womit wir im Winter heizen. ;-) Warum mich das jetzt sozusagen nahtlos zum morgigen EZB Zinsentscheid bringt, weiß ich auch nicht. *lol* Wo Weidmann gefragt wäre, ist Lagarde möglicherweise nicht die ganz optimale Besetzung, oder? Forward Guidance, Perfect Clarity? Muss ja nicht sein, aber (again ;-)) herumeiern geht aktuell gar nicht. Je länger Europa keines Problems Herr wird, desto binärer wird die ganze Geschichte. Ob der Euro bei 0,99 oder 0,80 zum USD steht macht fast schon keinen Unterschied mehr, aber zwischen 0 und 1 wär dann in der Gesamtheit der Auswirkungen doch eine gewisse Differenz.

Wir sehen also: So many things to worry about und wir müssen nicht einmal entscheiden if we trust Truss oder nicht. Aber halt, die Briten hat ja auch keiner gefragt… :-)

Und aus!

Liebe Grüße 

Florian

Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH

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