Gröschls Mittwochskommentar: 38/2022

Der wöchentliche Blick auf die Märkte, (Geo-)Politik, Known Unknowns und andere wichtige Entwicklungen. Verfasst von e-fundresearch.com Gastautor Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH. Markets | 21.09.2022 10:31 Uhr
Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH / © e-fundresearch.com & interfoto
Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH / © e-fundresearch.com & interfoto

So, irgendwie schaut´s so aus, als wär´s jetzt bald soweit. Alles geht den Bach hinunter. Kann natürlich sein. Putin scheint jedenfalls das Seine dazu zu tun. Nur der Markt ist sich anscheinend noch nicht ganz so sicher bzw. gibt´s da ein paar Inkonsistenzen, wobei es den Eindruck macht, als könnten sie grade – während des Schreibens – ausgepreist werden.

Blicken wir zum Beispiel auf die US-Zinsen: Heute wird die FED wohl nochmal 75bp Punkte drauflegen. Das Ende wird von vielen Marktteilnehmern so bei ca 4,5% gesehen. Soll so sein. Nur, so die Welt bzw. die US-Wirtschaft nicht völlig untergeht (was natürlich sein kann!), sollten die 10 jährigen US-Zinsen eher bei 9% bis 10% sein und nicht bei 3,5%. Andernfalls, falls wir glauben, dass JP derartig in die Bremsen treten kann, dass der Super-Tanker USA wie ein 911er zum Stehen kommt und die Inflation deswegen verschwindet, weil die Nachfrage einfach aufhört, können wir wahrscheinlich davon ausgehen, dass die Aktien nicht ganz to Perfection gepreist sind und noch so 30% bis 50% fallen sollten. 

Ob der amerikanische Konsument, der wohl – wie schon Weiland Froschauer in den frühen 2000er Jahren zu sagen pflegte – der am meisten unterschätzte Marktteilnehmer ist,  weiß, dass er jetzt aufhören muss Geld auszugeben, das er ja bisher eigentlich auch nicht gehabt hat, muss man zumindest in Zweifel ziehen. Natürlich verringert sich das Volksvermögen, wenn die Assetmärkte sich verabschieden, aber die Demographie ist eine völlig andere als zum Beispiel während der großen Depression in den 1930 Jahren. Der Arbeitsmarkt ist so eng, dass er den Kübel kalten Wassers, der da über ihm ausgeschüttet wird, ganz gut aushalten sollte. Natürlich wird er sich, wie ein nasser Hund, von vorn nach hinten beuteln und die Flöhe und die Wanzen (die auch gehören zum Ganzen ;-)), die sich nicht gut festgebissen haben, wird´s rausschleudern, aber auch das ist möglicherweise gar nicht so schlecht. Wie eng (oder weit)maschig das Auffangnetz für die Abgebeutelten gespannt werden kann, müsste natürlich besprochen werden. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo zwischen den beiden saturierten Kontinenten und ich meine das explizit nicht geographisch! :-)

Dass die Angelegenheit in Europa weniger brüllend ausschaut – und das nicht nur wegen der räumlichen Nähe zu Russland, ist selbsterklärend. Wäre da nicht das Inflationsgespenst, könnte man hier sogar eine gewisse Ratio auf den Assetmärkten erkennen, handeln die italienischen 10-Jährigen zum Beispiel rund 250 Basispunkte über den Deutschen und sogar ca 75 bps über denen der USA. Das absolute Niveau ist freilich auch diskutierbar, betrachtet man die Erzeugerpreise, die gestern mit einem Anstieg von 45,8% veröffentlicht wurden. Mein längst verstorbener Vater pflegte zu sagen: Schein ist das einzig wahre. Das stimmt und stimmte vor allem für die großen, untergegangen Reiche der Vergangenheit. Ein Blick auf die britischen Inseln, während der letzten Tage, erübrigt wohl jede weitere Diskussion.

Warum mir nach der Queen hier gleich Mutter Merkel einfällt, weiß ich auch nicht ;-). Die Fassade bröckelt jedenfalls, ob dahinter dann ein altes, verstaubtes, unansehnliches Gebäude steht, dass aber in der Grundsubstanz in Ordnung ist, oder wir es mit einem Potemkinschen Dorf zu tun haben, wird sich zeigen. Freude werden wir wohl weder mit dem einen noch mit dem anderen haben. Einen zumindest philosophischen Ausweg finden wir eventuell bei Schumpeter, weil was wir bei all der Zerstörung, die so kreativ dann gar nicht war, schon sehen ist eine immense Veränderung der Wertschöpfung durch die weitestgehende Produktlosigkeit der virtuellen Ökonomie. Deppert ist nur, dass man das Internet nicht essen kann… ;-)

Was also tun? Kanada, Neuseeland, Fidschi (wobei das ist mit den schmelzenden Polkappen vielleicht keine so gute Idee)? :-) Oder aber wir beobachten das Ganze mit professioneller Gelassenheit, umarmen die Volatilität, suchen Unternehmen (Aktien und kurze Bonds), von denen wir ausgehen, dass man sie auch in Zukunft noch brauchen wird, ärgern uns nicht zu sehr über unsere Goldposition (warum steigt das Zeug eigentlich nicht? :-)) und hoffen, dass es die unsere Immobilien finanzierenden Banken vor uns aufstellt. 

So oder so ähnlich! Nächste Woche muss das Mittwochsmail leider ausfallen, weil wir uns bei einem Lokalaugenschein in Britannien davon überzeugen werden, wie das Ende tatsächlich ausschaut… *lol

Glück auf! 

Florian

Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH

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Florian Gröschls obiger Kommentar stellt eine Markteinschätzung aufgrund von selbstentwickelten Systemen und persönlichen Erfahrung dar. Keinesfalls ist obiger Kommentar eine Empfehlung oder Meinung der ARC und/oder Florian Gröschl, Positionen welcher Art auch immer einzugehen.

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