Gröschls Mittwochskommentar: 43/2022

Der wöchentliche Blick auf die Märkte, (Geo-)Politik, Known Unknowns und andere wichtige Entwicklungen. Verfasst von e-fundresearch.com Gastautor Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH. Markets | 25.10.2022 17:34 Uhr
Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH / © e-fundresearch.com & interfoto
Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH / © e-fundresearch.com & interfoto

Traditioneller Weise geht es im Mittwochsmail immer um Themen, die die Welt bewegen, das heute obwohl noch nicht einmal Mittwoch ist. Ahead of the curve sozusagen… ;-) Das ist als Aufgabenstellung diesmal insbesondere ein bisserl schwierig, weil fast alle Katzen momentan aus ihren jeweiligen Säcken gekrochen sind und über die Unknown-Unknowns zu spekulieren ein gewisses Paradoxon darstellen würde. Im Gegensatz zum Schrödinger, der sich ja zumindest sicher war, dass im Kisterl ein Katzerl ist, wäre, wüssten wir übers das Katzenkisterl grundsätzlich Bescheid, es ein Known Unknown und mithin dann wieder fad usw… ;-) 

Personell dreht sich dieser Tage alles um den neuen britischen Premier Rishi Sunak. Dieser ist nicht nur der jüngste britische Premier der Neuzeit, hat einen ausgesprochen ausgeprägten Hang zu teuren Schuhen, gehört einer ethnischen Minderheit an, ist super-bright, super-rich, Ex-Goldmann und Partner diverser Hedgefunds. Es ist also davon auszugehen, dass Neo-Liberalismus ihm auch nicht ganz fremd ist und – Überraschung ;-) – das mögen die Märkte. Dass er kaum andere Möglichkeiten haben wird, als harte ökonomische Reformen durchzuführen, ist auch kein Geheimnis. Die Frage, die sich stellt, ist, verfügt er über das politische Geschick und das Charisma (da scheint´s ein bisserl zu happern…), die Briten darauf einzuschwören? If so wird er zukünftig wohl neben Churchill und Thatcher in den Geschichtsbüchern stehen. Allerdings ist die Chance, dass auch er den kommenden Winter of Discontent nicht überstehen könnte, relativ groß. Wie heißt´s in unserer Verfassung (sinngemäß!): Die Macht geht vom Volke aus!  - und zwar dann, wenn es auf die Straße geht. Halten wir Herrn Sunak also die Daumen, dass er kein Cromwell´sches Ende nimmt. :-)

In China hat unterdessen Xi Jinping seine Position an der Spitze (apropos Cromwell :-)) scheinbar weiter einzementiert. More of the same, also. Dass das aus westlicher Perspektive keinen besonders vielversprechenden Fortgang der Ereignisse verspricht, ist selbstredend. Insbesondere wirtschaftlich, gäbe es die eine oder andere Baustelle, die mit den bisher eingesetzten Mitteln wohl eher schwer zu bereinigen sein dürfte. Auf der positiven Seite ist zu verbuchen, dass wir Xi kennen, er – so er nicht wie sein russischer Kollege, dem Alters-Größenwahn (oder nennt man das Torschlusspanik?!) verfällt- bisher nicht dazu geneigt hat, Entscheidungen vom Zaun zu brechen und völlig sinnlose Kriege zu beginnen. Ob wir, ob der inner-chinesischen Problematik ein Abflauen der wirtschaftlich expansiven Bestrebungen (Belt & Road usw.) sehen, wird sich zeigen. Kurzfristig scheint die internationale Anlegerschaft jedenfalls mit den Entwicklungen nur mittel-glücklich zu sein, schaut man sich so die Kursbewegungen der letzten Tage an.

Auf der Markt-kalmierenden Seite verbuchen wir dieser Tage die bevorstehenden US-MidTerms. Hier führen Demokraten eine Up-Hill Battle gegen Inflation, Wirtschaftsabschwung und gegen sich selbst. Ob Sleepy Joe Biden genau der Richtige sein mag, mit Ruhe, Verlässlichkeit (oder war es Vergesslichkeit ;-)), den Kahn durch die aktuell etwas welligen Wasser zu führen, werden wir an dieser Stelle eher nicht klären. Sicher ist aber, dass auch er ein hohes persönliches Interesse hat, zumindest nicht völlig lahm aus den Wahlen hervorzugehen. Ein Schlingel wer hier denkt, dass das Freigeben von einem bisserl Öl aus der strategischen Reserve und die etwas akkommodierendere Wortwahl der diversen FED Vertreter damit was zu tun haben. ;-) 

Wie auch immer die Geschichte ausgeht, eine Seite des Marktes wird wohl falsch liegen. Entweder die US-Wirtschaft ist resilienter als erwartet, dann sind die langen Anleihen noch immer viel zu teuer oder aber die Zentralbank würgt die Wirtschaft tatsächlich völlig ab, dann sollten sich die Multiples der großen US Aktienindizes eher denen ihrer europäischen Pendants annähern. Für den professionellen Risk-Taker also eigentlich eine super Sache, eventuell ein bisserl binär halt. Aber und hier schließen wir an die Erkenntnisse vergangener Tage an, mit dem Multi-Dimensionalen haben wir Turbo-Casino-Kapitalisten es eh nicht so, oder… *lol*

Die Fragen: „Wieviel Krise braucht die Demokratie? Ist Wissen Macht oder macht nichts wissen eh auch nichts? Und müssen immer alle alles wollen?“ Heben wir uns für die kommenden kalten Wintertage auf, an denen wir dann das zu Höchstpreisen gekaufte Gas aus den diversen Speichern verheizen… :-)

So oder so ähnlich! *lol*

Alles Liebe

Florian

Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH

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