Gröschls Mittwochskommentar: 47/2022

Der wöchentliche Blick auf die Märkte, (Geo-)Politik, Known Unknowns und andere wichtige Entwicklungen. Verfasst von e-fundresearch.com Gastautor Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH. Markets | 23.11.2022 10:24 Uhr
Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH / © e-fundresearch.com & interfoto
Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH / © e-fundresearch.com & interfoto

Morgen ist Thanks Giving! Yeah… ;-) Für zu hohe Erträge auf den Finanzmärkten müssen wir uns heuer nicht so intensiv bedanken, wie die letzten Jahre, wobei´s tatsächlich hätte viel schlimmer kommen können. Schauen wir also gleich durch den morgigen Tag hindurch auf den schwarzen Freitag, der da folgen wird. Der Terminus „Black Friday“ hat in der (Börsen)Geschichte ja durchaus unterschiedliche Konnotationen (sorry, hör schon wieder auf mit den Fremdwörtern :-)), wobei man in Jahren wie diesen wahrscheinlich zuerst an was nicht ganz so Gutes denkt. Tatsächlich sollte übermorgen aber der amerikanische Konsument einmal mehr die (Börsen)Welt retten, indem er (möglicherweise auch vielmehr sie ;-)) gegen jede Ratio nicht nur die Reste der Corona-Stimis am Schädel haut, sondern auch ordentlich die Kreditkarte belastet.

Ist das am Vorabend einer Zentralbank induzierten Rezession rational? Für uns konservative Mitteleuropäer wohl eher nicht, möglicherweise schätzen wir die Lage aber ein bisserl falsch ein. Der Arbeitsmarkt in den Staaten ist nachwievor sehr eng, da werden auch ein paar Stellenreduktionen im Big-Tech Bereich nicht unmittelbar was ändern. Der Leverage im System ist zwar hoch, aber die Refinanzierungsnotwendigkeit von Corporate America sollte sich noch in Grenzen halten und die Hypothekenzinsen könnten ihrer Spitze bereits nahe sein, bzw. sind in den vergangenen Tagen sogar ein bisserl zurückgekommen. Ob das nachhaltig sein wird, muss sich natürlich erst zeigen.

Was also, wenn die FED nicht nur weiß, was sie tut, sondern es allen Unkenrufen zum Trotz auch noch funktioniert? Möglicherweise finden wir uns irgendwo zwischen einem Soft Landing und einer kleinen konjunkturellen Delle, die wir ohenhin dringend bräuchten, um in eine Periode normaler Zyklen zurückzukehren, wieder. Bedeutet dies zwangsläufig weiterhin irrationale Kursgewinne an den Aktienmärkten? Wahrscheinlich eher nicht. Aber es sollte guten Unternehmen die Chance bieten, gute Ergebnisse zu erzielen und weiter zu wachsen. Das Opportunity-Set für Stock (und Bond :-)) Picker sollte mithin so groß sein wie schon lange nicht. (und das ist nicht nur meiner 2 cent worth, danke Horst! :-))

Persönlich werde ich, danke meiner Family, der es an Wünschen nie mangelt, am Freitag auch meinen Beitrag leisten, dass die amerikanischen Online-Retailer ordentliche Umsätze machen, eine klassische Win-Win-Situation also. :-) Hoffen wir also, dass es nicht zu einem überbordenden Kaufrausch kommt und die FED sich gezwungen sieht doch wieder stärker auf die Bremse zu steigen. Alles mit Maß und Ziel also…

Was aber deutlich wird – und hier gehe ich davon aus, dass ich mit meinen Überlegungen, nicht gänzlich allein dastehe – ist, dass wir schon wieder sehr auf einzelne Datenpunkte und Ereignisse fokussiert sind. Das wiederum könnte (ist?! ;-)) ein Indiz dafür sein, dass die Unsicherheit über die mittelfristige Entwicklung weiterhin hoch ist und alle nach Strohhalmen greifen/suchen. In diesem Zusammenhang müssen wir uns wohl alle gewahr sein, dass, wenn schon die professionellen Assetallocation Strategen, sich nur schwer zu einer eindeutigen Richtungsaussage hinreißen lassen (außer, dass kurze Unternehmensanleihen ziemlich attraktiv ausschauen :-)), unsere Kunden nur mittelglücklich sein dürften, wenn man ihnen jetzt allzu langfristige Dinge vorschlägt…

Abgesehen von unseren wirklichen Sorgen, dreht sich momentan alles wieder um die (für manche) wichtigste Nebensache der Welt: den Fußball und die unsägliche WM in Quatar. Sportlich, bin ich, wie immer, wenn Österreich nicht am Start ist (also eigentlich eh immer ;-)), bei Gary Lineker (90min & am Ende gewinnen die Deutschen…), gäbe aber unumwunden zu, dass ich vom Fußball ungefähr genau soviel verstehe, wie vom Synchronschwimmen. Abgesehen davon gewinnt bzw. hat Quatar schon gewonnen. Die Quataris haben gezeigt, dass mit ausreichend Geld alles möglich ist, unsere westlichen Werte vor allem dort nicht so wichtig sind, wo es genügend Gas gibt und, dass es auch Klimawandel Gewinner geben wird, weil ob es in der Wüste ein, zwei oder drei Grad wärmer wird, wird dem gekühlten Rasen in den Stadien völlig egal sein…

Empfehle mich, und als Soundtrack den Nino aus Wien mit Fuasboi Schaun!

Have a good one! 

Florian

Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH

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