Gröschls Mittwochskommentar: 49/2022

Der wöchentliche Blick auf die Märkte, (Geo-)Politik, Known Unknowns und andere wichtige Entwicklungen. Verfasst von e-fundresearch.com Gastautor Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH. Markets | 07.12.2022 11:38 Uhr
Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH / © e-fundresearch.com & interfoto
Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH / © e-fundresearch.com & interfoto

So nun ist es soweit, das vorletzte Mittwochsmail 2022 steht an (nächste Woche muss ich leider schwänzen und zwischen Weihnachten und dem 11. Jänner werde ich mich auch zurückhalten ;-)). Wie versprochen, werden wir uns heute dem Jahr 2023 und den diesbezüglichen Erwartungen und Prognosen widmen. Tatsächlich ist das heuer nicht ganz so leicht (wie sonst immer ;-)), weil 2022 wirklich viel an möglichen Langzeitprognosen mit unterschiedlichen Eintrittswahrscheinlichkeiten herausgenommen hat. Die Aktien sind gefallen. Musste ja mal sein. Die Zinsen sind gestiegen. War auch irgendwie im Talon, dass das irgendwann passieren muss. Charles ist König geworden, obwohl wir der Queen durchaus ein ewiges Leben gewünscht hätten. Sogar Tail-Risiken, die fast schon als Schwäne in diversen Grauschattierungen gelten könnten, wie ein unsäglicher Krieg auf europäischem Boden, sind eingetroffen.

Das Gute daran ist, dass uns 2023 eigentlich nicht mehr viel erschrecken können sollte. Wobei der Mensch als solches und der Marktmensch im Speziellen mental ein ausgesprochener Trendfolger ist, auch wenn er das auf der technischen Seite oft gerne verleugnet. Soll heißen, kurzfristige Erfahrungen und Wahrnehmungen werden immer stärker gewichtet und wir tendieren dazu nach einem schmerzvollen Ereignis eher mit einem weiteren solchen zu rechnen, als damit, dass jetzt alles besser wird. Das wiederum könnte bedeuten, dass die Erwartungen für 2023 schon recht reduziert sind. Aber schau mer mal. :-)

Was erwarten wir/ich also für´s kommende Jahr:

  1. Der Arbeitsmarkt bleibt eng, die Inflation kommt zurück, aber eher auf vier bis fünf Prozent und nicht auf zwei! Sowohl in den USA, dort wohl etwas schneller, als auch in Europa.
  2. Die FED weiß, was sie tut (oder hat Glück ;-)) und die anderen großen Zentralbanken folgen, jedenfalls kühlt die US-Konjunktur ab, es kommt eventuell zu einer schwachen Rezession, aber zu keinem Hard Landing.
  3. Europa kämpft mit sich und dem Rest der Welt, aber da das allgemeine Chaos allenthalben auch recht groß ist, agiert man sowohl nach innen (zB. Ungarn) wie nach außen (UK) zunehmend selbstbewusst. Wer zahlt schafft an!, gewinnt wieder an Bedeutung.
  4. Großbritannien steht ein weiteres schweres Jahr bevor. Geblendet vom Glanz vergangener Tage hat man den sicheren Schoß Europas verlassen und sich auf Gedeih und Verderb einem Partner ausgeliefert, der niemals seine Interessen hinter das Gemeinwohl stellen wird.
  5. China köchelt im eigenen Safterl weiter, die dortige Konjunktur kommt nicht wirklich in Schwung, Xi hat zunehmend mit Interna zu kämpfen und startet keinen Krieg um Taiwan, um sich nicht noch eine weitere Baustelle zu eröffnen.
  6. Der Ukraine Krieg wird uns leider auch 2023 begleiten, Russland lernt aus seinen Fehlern, passt Taktik und Nachschubsituation an und lässt sich mithin auf einen längeren Abnutzungskrieg West gegen Ost ein. Wie lange die europäischen Bevölkerungen die Angelegenheit noch mitzufinanzieren bereit sind, wird sich zeigen.
  7. Die Aktienmärkte – und jetzt wird´s leider wirklich wenig aufregend – tendieren volatil seitwärts, aufwärts. Value wird mittelfristig nur auf der Downside outperformen. Stock Picking rulez! :-) Wenn nicht alles den Bach hinunter geht (Base Case!) lohnt sich ein Blick auf die EMs!
  8. Unternehmensanleihen bleiben attraktiv. (Kunststück, steht ja endlich wieder was drauf!) Die Ausfallsraten werden in der Breite nicht signifikant ansteigen, auch hier wird die Titelselektion wieder wichtiger! Hier liegt die Würze bis auf weiteres in der Kürze.
  9. Die Zinskurven in Europa und den USA normalisieren sich über´s lange Ende, i.e. die Inversion löst sich auf, in dem die langen Zinsen steigen. Das könnte also noch ein bisserl weh tun…
  10. Arbeit und Leistung werden wieder wichtiger und die allgemeine gesellschaftliche Aufgeregtheit nimmt, direktproportional zum Druck das eigene Auskommen bestreiten zu müssen, ab. Möglicherweise kommt es sogar so weit, dass wir uns wieder darüber definieren, was wir im Kopf haben und nicht zwischen den Beinen und nein, es geht grad nicht um Fußball… *lol*

Fürchte konkreter wird´s nicht, zumindest nicht in einem nachlesbaren Rahmen, weil wenn ich/wir schon sonst nix gelernt haben heuer, dann zumindest, dass man in elektronischen Medien eher nix eindeutig Interpretierbares schreiben soll, damit´s dann nicht heißt „Oh Shit Herr Schmid!“. :-)

Ich wünsch uns allen einen hoffentlich irgendwann dann auch endlich mal ruhigen und besinnlichen Advent, damit endlich auch mal Zeit zum Fußballschauen bleibt. ;-) Lateinamerika scheint auch hier eine Region zu sein, die man vielleicht am Zetterl haben sollte.

Liebe Grüße

Florian

Florian Gröschl, Geschäftsführer und Miteigentümer der Absolute Return Consulting GmbH

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