Warum dieser Milliardenmischfonds nur zwei US-Aktien und null Anleihen hält

Guy Wagner, Chief Investment Officer von BLI - Banque de Luxembourg Investments (BLI), managt den flexiblen Mischfonds BL Global Flexible EUR seit rund zwei Jahrzehnten. Beim Roadshow-Termin von La Française und BLI in Österreich erklärte er, warum sein rund 1,2 Mrd. Euro schwerer Fonds komplett ohne Anleihen auskommt, den US-Aktienmarkt praktisch meidet – und stattdessen auf Gold, Rohstoffe und asiatische Qualitätsunternehmen setzt. Markets | 20.07.2026 10:59 Uhr
Guy Wagner, Chief Investment Officer von BLI - Banque de Luxembourg Investments (BLI) / © BLI - Banque de Luxembourg Investments
Guy Wagner, Chief Investment Officer von BLI - Banque de Luxembourg Investments (BLI) / © BLI - Banque de Luxembourg Investments

Advertorial

BLI-CIO Guy Wagner über das „neue Regime“, warum Gold die Anleihen ersetzt – und weshalb er sein Portfolio von West nach Ost verschiebt

Als Medienpartner begleitete e-fundresearch.com Anfang Juli die Roadshow von La Française und BLI - Banque de Luxembourg Investments in Salzburg und Wien. Einer der Protagonisten: Guy Wagner, CIO von BLI und seit fast zwei Jahrzehnten verantwortlich für den BL Global Flexible EUR. Seine Positionierung ist, wie Moderator Simon Weiler es formulierte, „definitiv alles andere als Mainstream“. Wagner tritt an, um zu erklären, warum aus seiner Sicht ein struktureller Bruch mit den Anlagemustern der vergangenen Jahrzehnte bevorsteht – und was das für ein Multi-Asset-Portfolio bedeutet.

„Wir sind in einem neuen Regime“

Wagners zentrale These: Die Trends, von denen Anleger jahrzehntelang profitiert haben, kehren sich um. „Eine meiner großen Überzeugungen ist, dass wir in einem neuen Regime sind“, sagt er. Auslöser seien die extrem hohe Staatsverschuldung, anhaltende Haushaltsdefizite und eine zunehmend eingeschränkte Handlungsfreiheit der Zentralbanken. Zwischen Preisstabilität und Finanzstabilität werde der Widerspruch immer größer – und am Ende, so Wagner, wisse man, wer gewinne: Über finanzielle Repression, also real null- oder negativ verzinste Anlagen, werde die hohe Verschuldung tragbar gehalten. Die Folge sei eine kontinuierliche Entwertung der Papierwährungen.

Daraus leitet er einen klaren Auftrag ab: Nicht der Nominalwert, sondern die reale Kaufkraft müsse geschützt werden. „Es gibt einen immer größeren Widerspruch zwischen kurzfristigen Kapitalgewinnen und langfristigem Kapital- und Kaufkrafterhalt“, betont der CIO. Konkret bedeutet das eine Konzentration auf Sachwerte – Aktien produzierender Unternehmen, Gold und Rohstoffe – und die Vermeidung von Geldwerten wie Anleihen und Cash. Die höhere Volatilität nimmt Wagner bewusst in Kauf: Sie sei „der Preis, den man zahlen muss“, um langfristig Kapital und Kaufkraft zu erhalten.

„Go East“: Warum die US-Outperformance für Wagner Ende 2024 endete

Besonders unkonventionell ist Wagners Blick auf den US-Markt – nicht jedoch etwa aufgrund von Donald Trump oder einer sonstigen US-feindlichen Haltung des Managers – rein strukturell und fundamental getrieben. Anhand des Gold/Dow-Jones-Verhältnisses argumentiert er, die Märkte befänden sich wieder in einem „Goldregime“ – historisch Ausdruck eines großen Vertrauensverlusts in die Institutionen: „Vertrauensverlust in die Politik, in die Zentralbanken, in die Gerichte, in die Medien.“ In solchen Phasen schnitten internationale Aktien, mittelgroße Werte, Value, Rohstoffe und Gold besser ab als US-Mega-Caps. Der Anteil der USA am Weltaktienmarkt sei seit 2008 von rund 40 auf fast 70 Prozent gestiegen, getrieben vor allem von Technologiewerten – und der Markt sei entsprechend teuer. „Die Outperformance des amerikanischen Marktes ist Ende 2024 zu Ende gegangen“, so seine erfrischend konträre Überzeugung.

Wagner zieht daraus eine geografische Konsequenz, die er selbst zuspitzt: „Ich sage oft: Go East. Man sollte sich als Investor zunehmend von Westen nach Osten bewegen.“ Am attraktivsten findet er Japan – keine Top-down-, sondern eine Bottom-up-Geschichte rund um die Reform der Unternehmensführung seit den Abenomics, die Aktionäre und Eigenkapitalrenditen stärker in den Fokus rückt. Ähnliche Governance-Reformen sieht er zunehmend im übrigen Asien, etwa in Südkorea. In Europa setzt er auf Qualitäts- und Exportunternehmen, überwiegend außerhalb der Eurozone; Banken, Versicherungen, Versorger und Telekoms meidet er grundsätzlich. Entsprechend liegt der Aktienschwerpunkt bei Europa (rund 27 %), Japan (19 %) und Asien ohne Japan (19 %), während Nordamerika im reinen Aktienbereich nur rund drei Prozent ausmacht.

Gold statt Anleihen – und ein Cappuccino als Beweis

Am deutlichsten zeigt sich der Regimewechsel bei den Anleihen: „Im Moment sind keine Anleihen im Portfolio“, sagt Wagner. Klassische G7-Staatsanleihen hätten strukturell ausgedient und dienten allenfalls noch taktisch als Stabilisator oder Liquiditätspuffer. Ihren Platz nehmen Gold und Rohstoffe ein. Gold sei Währungsanker, frei von Gegenparteirisiko und ein langfristiger Wertspeicher; seit dem Einfrieren russischer Reserven kauften vor allem Zentralbanken aus Asien und dem Nahen Osten verstärkt Gold, um ihre Dollar-Abhängigkeit zu verringern.

Den Kaufkraftverlust illustriert Wagner mit einem Bild, das seine Kollegen „schon nicht mehr hören können“: Ein Cappuccino gegenüber seinem Luxemburger Büro koste heute fünf Euro – vor 25 Jahren, bei Euro-Einführung, seien es rund 1 bis 1,25 Euro gewesen. Wer sein Geld über diese Zeit in Festgeld oder Staatsanleihen gehalten habe, habe „in der Regel oft viel, viel besser geschlafen, aber extrem an Kaufkraft verloren“. Das Gold-Exposure setzt er bevorzugt über Royalty-Unternehmen wie Franco-Nevada, Wheaton und Royal Gold um – Geschäftsmodelle mit hohen Margen und ohne operatives Minenrisiko. Bei den Währungen erwartet er einen langfristigen Aufwertungsprozess asiatischer Währungen gegenüber Dollar und Euro; das USD-Exposure ist weitgehend abgesichert.

Der Konsens-Irrtum: Wenn passive Flows den Markt treiben

Auf die Frage, wo der Markt falsch liege, verweist Wagner auf die Dominanz passiver Anleger: In den USA machten passive Strategien inzwischen rund 60 Prozent der Assets und „über 100 Prozent der Kapitalflüsse“ aus. Jeder Dollar fließe schematisch in die schwersten Indexwerte, ohne Bewertungsprüfung – was die Konzentration weiter verstärke. Er bezweifelt sogar, ob ein echter Bärenmarkt in den USA „überhaupt noch erlaubt“ würde, so zentral sei die Börse für Altersvorsorge und Wirtschaft geworden. Die KI-Revolution stellt Wagner nicht infrage – wohl aber die Bewertungen: Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 12 bis 15 bei einzelnen Titeln erinnere ihn an die Internetblase. Chancen sieht er eher bei unterschätzten KI-Anwendern, etwa Datenanbietern wie RELX oder Software-Häusern, die der Markt pauschal abstrafe.

Ein Portfolio ohne Vergleichsindex

Das Ergebnis ist eine für Mischfonds ungewöhnliche Aufstellung: rund 75 Prozent Aktien, gut elf Prozent Gold, rund fünf Prozent Rohstoffe, der Rest Cash – und null Anleihen, verteilt auf 71 Aktienpositionen von Roche über TSMC bis Alibaba. Einen echten Vergleichsindex, räumt Wagner ein, gebe es dafür nicht. Moderator Simon Weiler fasste die Präsentation als „mutige Alternative für all diejenigen“ zusammen, „die mit dem derzeitigen Marktkonsens nicht wirklich übereinstimmen“.

Zum Gesprächspartner

Guy Wagner ist Chief Investment Officer von BLI - Banque de Luxembourg Investments. Er begann seine Karriere 1986 und verfügt über vier Jahrzehnte Kapitalmarkterfahrung. Seit 21 Jahren verantwortet er den flexiblen Multi-Asset-Fonds BL Global Flexible EUR (Fondsvolumen rund 1,2 Mrd. Euro), der über Aktien, Anleihen, Gold, Rohstoffe und Cash investiert. Wagner zählt zu den profiliertesten Multi-Asset- und Marktbeobachter-Stimmen im deutschsprachigen Raum.

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