Die Krise der Investmentbanken

Die im 3. Quartal von einer Reihe von Banken und Versicherern veröffentlichten Ergebnisse zeigen, wie sich Märkte für Finanzderivate entzerren. Die Spannungen auf den Kreditmärkten fordern weiter ihren Tribut. Die hohen Abschreibungen, die namhafte Banken offenbarten, haben zu aufsehenerregenden Veränderungen im Management geführt. Markets | 13.12.2007 17:00 Uhr
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Es kursieren Gerüchte, dass möglicherweise noch andere Banken umfangreiche Rückstellungen ankündigen müssen, um die Folgen ihrer aggressiven Vorstöße ins Segment der Collateralized Debt Obligations oder CDOs abzudecken, denen Pools hypothekarisch besicherter Wertpapiere und andere Kreditinstrumente zugrunde liegen. Die Verzerrungen auf dem CDO-Markt stehen mit den steigenden Ausfallquoten bei zweitklassigen US-Hypotheken in Zusammenhang.

Die ABX-Indexfamilie bildet die Kurse von auf Subprime-Hypotheken beruhenden Derivaten ab, die auch dann gehandelt werden, wenn das bei den zugrunde liegenden Anleihen nicht der Fall ist. Diese Indizes bewegen sich in der Nähe historischer Tiefststände. Selbst die am besten (nämlich mit AAA) bewerteten Tranchen notieren weit unter Nennwert (siehe Diagramm). Diese Krise könnte die Ergebnisse des Kapitalmarktgeschäfts der Banken auch im vierten Quartal und darüber hinaus belasten. Tatsächlich äußerte Mervyn King, Chef der Bank of England, auf BBC Radio, dass es „noch mehrere Monate“ dauern könne, bis die Banken „alle entstandenen Verluste offengelegt haben.“

Dramatische Ereignisse

Die dramatischen Ereignisse bei verschiedenen Wall Street-Banken haben schwerwiegende Fragen zur Qualität der Risikomodelle und -kontrollen bei manchen der größten Institute aufgeworfen. Der eine oder andere Kommentator glaubt, dass der erzwungene Abgang des Chefs manch einer solchen Bank andere Institute de facto dazu animiert, den wahren Wert der von ihnen gehaltenen CDOs in der Hoffnung auf steigende Kurse zu verschleiern. Angesichts der immer noch problematischen Bewertungen hochriskanter Investments haben Sorgen und Verdachtsmomente das Vertrauen in die Banken untergraben. Trotz wiederholter Anstrengungen von Zentralbanken zur Beruhigung der Gemüter halten sich die Ausleihsätze im Interbankengeschäft auf ungewöhnlich hohem Niveau, obwohl die Kreditkrise bereits vor über drei Monaten ernste Ausmaße angenommen hat.

Schadensminimierung

Doch vor dem Hintergrund anhaltender Besorgnis und spektakulärer Verluste ist
es anderen Großbanken in Europa und den USA offenbar gelungen, den Schaden durch strenge Überwachung und clevere Hedging-Strategien zu minimieren. Ferner ist unserer Ansicht nach die Transparenz zu begrüßen, die große institutionelle Banken, die in die Kreditkrise verwickelt wurden, an den Tag legen – und sei es auch nur unter dem Druck von Prüfern und Investoren. Es gibt Anzeichen dafür, dass sich diese Transparenz unmittelbar durch steigende Aktienkurse auszahlt. Der Markt weiß ganz offensichtlich Institute zu schätzen, die den Wert ihres Vermögens konservativ ansetzen. Auch die Parallelen zu Japan sollten in Betracht gezogen werden.

Nachdem die dortige Immobilienblase Anfang der 1990er Jahre geplatzt war, zögerte Japan eine ganze Zeit lang, die resultierende Explosion fauler Kredite direkt in Angriff zu nehmen. Infolgedessen schwärte das Problem und die japanischen Aktienmärkte (und die Volkswirtschaft) gerieten in eine unnötig lange Flaute. Was US-Finanztitel angeht, so hat man allem Anschein nach glücklicherweise aus dem japanischen Beispiel gelernt. Während die Abschreibungen von Finanzinstituten aus den USA und Europa kurzfristig schmerzhaft sind, ist es wichtig, diese Probleme direkt und unmittelbar anzupacken, um längerfristige Wachstumschancen offenzuhalten.


Weitere Highlights des aktuellen Globale Märkte im Fokus (diesen finden Sie als PDF zum Download im Info-Center):

  • Aktien und Dollar im Abwärtstrend
  • Warnung vor Problemen in China
  • Die weiteren Aussichten für Europa 
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